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Dauerbaustelle Großflughafen BER: Wie Berliner Dilettanten Kleinunternehmer ruinieren

Sie tun das, was der Staat will: investieren und Jobs schaffen. Doch viele Firmenbetreiber könnte die Endlosschleife Flughafen BER ruinieren - zumal ein Schadenersatz nicht sicher ist.

Von Jonas Gerding

Alles war vorbereitet: 100.000 Flyer hatte Karsten Schulze drucken lassen für seine neue Geschäftsidee. Einen Airport-Shuttle wollte der Geschäftsführer des Busunternehmens "Haru" starten. Er hatte drei Busse gekauft, 800.000 Euro investiert und sechs Fahrer angeheuert. Dann, wenige Wochen vor der Eröffnung des Berliner Flughafens im Juni, verschoben die Betreiber sie auf den kommenden März. Jetzt legen sie noch einmal sieben Monate obendrauf. So lange wird kein Flieger abheben und Schulze die Busse auf seinem Firmengelände parken müssen. So lange kosten sie ihn Geld, ohne etwas einzubringen. 350.000 Euro, hat er berechnet.

Der Berliner Flughafen ist ein schlafender Riese. 27 Millionen Menschen sollen jährlich starten und landen. Sie sind die potentiellen Kunden für 150 Läden, die endlich öffnen wollen: Große Ketten wie Esprit und Boss, aber auch kleine Boutiquen und Schmuckgeschäfte. McDonald's und Starbucks werden kommen und die lokale Gastronomie mit Pommes, Pasta und Pizza. Und es wird Geschäftsleute wie den Busunternehmer Schulze geben, die ihre Dienstleistungen rund um den Flughafen anbieten. Sie alle sitzen in den Startlöchern, haben Mietverträge abgeschlossen und Kredite aufgenommen. Aber werden nun um ihren Gewinn geprellt.

Das vergebliches Warten auf Schadensersatz

Die Industrie und Handelskammer Berlin klagt über die Dauerbaustelle: "Das Ganze ist schon jetzt sehr, sehr ärgerlich. Nicht nur für die Investoren, sondern für die Berliner Wirtschaft allgemein", beschwert sich Geschäftsführer Ben Eder. Gerade die kleinen Unternehmen ohne finanzielle Rücklagen leiden darunter. Eder ruft die Betreiber deshalb dazu auf, klare Kante zu zeigen: "Der neue Termin muss realistisch sein und eingehalten werden."

Die Hoffnung hat sich Busunternehmer Schulze schon einmal gemacht. Sie wurde enttäuscht. Nun hofft er wieder. „Ich brauche endlich Planungssicherheit“, fleht er und regt sich auf über dilettantische Bauherren, korrupte Aufsichtsräte und geschönte Gutachten. Er fühlt sich im Stich gelassen und fordert die Verantwortlichen auf, sich nicht länger wegzuducken. Und er fordert Geld. Doch die Rechtslage ist vertrackt: Er hat nie einen Vertrag mit dem Flughafen abgeschlossen, auf den er pochen kann. "Man muss sich doch auf einen Termin verlassen können, den die Stadt und die Betreiber aller Öffentlichkeit versprochen haben", sagt er. Geld habe er noch nicht gesehen.

Ein Busunternehmer hat genug vom Warten

Selbst für viele Restaurantchefs und Ladenbesitzer war der Vertrag bislang ein nutzloser Wisch: Zwar müssen sie alle noch keine Miete zahlen. Aber ein Recht auf Schadensersatz haben sie laut Vertrag erst, wenn sich die Eröffnung des jeweiligen Ladens um mehr als 18 Monate verzögert. Einigen spielt die erneute Verzögerung in die Karten. Ein Sprecher der Flughafengesellschaft bestätigte stern.de, dass in einigen Fällen die Fristen nun überschritten sind.

Busunternehmer Schulze kann darauf nicht setzen. Er hat lange über rechtliche Schritte gegrübelt. "Man will doch nicht den Brunnen vergiften, aus dem wir trinken wollen", sagt er. Doch ihm reicht es. Er erwägt eine Sammelklage. In den nächsten Tagen möchte er sich an diejenigen wenden, die nicht die Rücklagen von Esprit und McDonald's haben. Zum Beispiel an den Chef eines italienischen Restaurants, einen Uhrenverkäufer und Ernst-Hermann Exter. Im Berliner Stadtteil Charlottenburg verkauft er Currywürste und Pommes Frittes. Klassisches Fast Food. Nur: Alles ist Bio. Eine sechstellige Summe hat Exter investiert für den neuen Laden im Flughafen. Es sollte das Highlight seines Lebens werden. Die Fritteuse, die Kaffeemaschine, alles ist eingerichtet. Nun muss Exter warten, zusehen, wie seine Investition verstaubt und kein Geld abwirft.

Eineinviertel Jahre Warten auf den neuen Job

Auch Beatrice Bosch will Busunternehmer Schulze als Mitstreiterin gewinnen. Auf 60 Quadratmetern will sie im Flughafen Spielwaren verkaufen - so wie in ihren beiden Geschäften in Berlin, der "Kleinen Gesellschaft". Für die Eröffnung im Juni hatte sie fünf Verkäuferinnen ausgewählt, Kleidung und Spielzeug bestellt. Teile der Ware konnte sie nicht stornieren. Die Mitarbeiter musste sie wieder entlassen. Jetzt, da der Termin erneut verschoben ist, fragt sie sich: "Wer wartet denn eineinviertel Jahre auf seinen Arbeitsplatz?" Bislang hätte auch sie noch keine Entschädigung bekommen, klagt sie: "Jeder Tag kostet."

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Füllhorn Rente 63 ?
Wer 2018 NEU in den Ruhestand ging a) und die „abschlagsfreie Rente 63“ mit mindestens 45 Versicherungsjahren kassierte, erhielt im Schnitt 1265 Euro monatlich, 1429 Euro (als Mann) bzw. 1096 Euro (als Frau) RENTE. b) und wer die „normale“ Altersrente kassierte, erhielt monatlich im Schnitt 950 Euro, 1080 € (als Mann) bzw. 742 Euro (als Frau) RENTE. Nach Adam Riese bedeutet das, das erst Zeiten ab dem 18. LJ für die Rentenversicherung gewertet werden, dass männliche Nicht-Akademiker über 45 Arbeitsjahre hinweg mehr als 25 Euro monatlich pro Stunde verdient haben müssten. sprich: ab 1973 ! (zu DM-Zeiten 50 DM Stundenverdienst ! ... als Nicht-Akademiker ??) Meine Erfahrung ist, dass man mit 18 zur Armee musste und das anschließende Studium frühestens im 25 LJ beenden konnte -- also in 1981 ! (25 + 45 = 70. LJ mit Altersrente ohne Abzüge). Ergebnis: erst in 2026 könnten vergleichbare Akamdemiker (nach 45 Vers.Jahren) in VOLLE Rente gehen. PS: Nach Rechnung der „Die Linke“ bräuchte man über 37 Jahre hinweg einen Stundenverdienst von mind. 14,50 Euro (29 DM), um NICHT auf die „Grundsicherung für Altersrentner“ angewiesen zu sein; also den statistischen Wert von 800 Euro mtl. Rentenbezug zu überschreiten. Wer erkennt den Zaubertrick der „abschlagsfreien Rente 63“ ? Wer kennt den Zaubertrick, in weniger Zeit, mit weniger Ausbildung, maximale Top-Renten-Ergebnisse zu erzielen ? (welches nicht einmal die gierigsten Börsenbanker und Versicherungsmakler in einer Demokratie für realisierbar hielten) ?
  • Jonas Gerding