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Debakel um Berliner BER: Noch 'ne Milliarde für Pannen-Aiport

Darf’s eine Milliarde mehr sein? Die Kosten für den legendären Berliner Pannenflughafen dürften erneut deutlich steigen. Der angepeilte Eröffnungstermin ist inzwischen Mitte 2015.

Das Debakel um den Berliner Hauptstadtflughafen kommt den Steuerzahler noch teurer zu stehen als bisher gedacht. Die #link;hthttp://www.bild.de/regional/berlin/flughafen-berlin-brandenburg-international/ber-kosten-steuern-auf-sechs-mrd-zu-33210408.bild.html;"Bild"-Zeitung# zitierte am Freitag aus einem Schreiben des Projektsteuerers WSP/CBP, wonach zusätzlich zu den ohnehin bekannten und bereits mehrfach gestiegenen Milliardenkosten eine "kaufmännische Vorsorge über 1,1 Milliarden Euro" benötigt wird. Die Summe setze sich auch Mehrkosten plus Risikopuffer zusammen.

Das Geld werde benötigt, um sicherzustellen, dass der Airport Mitte übernächsten Jahres überhaupt eröffnet werden kann, heißt es in dem Bericht weiter, den auch "Spiegel-Online" zitiert. Das Geld werde unter anderem für Bau- und Planungsarbeiten benötigt und einen besseren Schallschutz der Anwohner. Allein die Sicherung und Kontrolle der Baustelle schlage jeden Monat mit 17 bis 18 Millionen Euro zu Buche.

Je länger gebaut wird, desto höher sind die Kosten, die wegen der Verzögerung anfallen. Diese müssten wohl die Gesellschafter des Airports proportional zu ihrer Beteiligung an dem Projekt übernehmen, heißt es bei "Spiegel-Online" weiter. Berlin und Brandenburg sind zu je 37 Prozent beteiligt, der Bund hält die übrigen 26 Prozent.

Wir sind inzwischen bei 5,7 Milliarden Euro

Die Gesamtkosten summieren sich einschließlich dieser Summe laut "Bild" inzwischen auf 5,7 Milliarden Euro – fast doppelt so hoch, wie 2008 vorausberechnet. Zuletzt hatte es geheißen, der Airport werde gut viereinhalb Milliarden Euro kosten.

Das Desaster ist inzwischen Gegenstand eines Untersuchungsausschusses. Am Vormittag soll ein weiterer Aufsichtsrat in dem Gremium vernommen werden. Der Verkehrsstaatssekretär des Bundes, Rainer Bomba (CDU), steht den Parlamentariern des Berliner Abgeordnetenhauses Rede und Antwort. Der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto kritisierte vor Beginn der Befragung die mangelnde Kontrolle des Milliardenprojekts durch Bomba und die übrigen politischen Vertreter, darunter der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Diese hätten das Vorhaben viel stärker beaufsichtigen müssen, spätestens nachdem 2010 ein erster Eröffnungstermin abgesagt worden war, sagte Otto.

Das Desaster war eigentlich absehbar

Laut einem Gutachten kam das Berliner Flughafendebakel nicht von ungefähr. Die Betreiber hätten immer wieder umgeplant und damit "zum Teil massive Störungen" des Projekts ausgelöst, heißt es in einer Untersuchung, deren Inhalt in dieser Woche unter anderem in der "Berliner Zeitung" zu lesen war. Geändert wurden etwa Raumzuschnitte und die Ausmaße von Gebäuden und Fluggastbrücken. Eine Unternehmensberatung legte das Gutachten am 27. April 2012 im Auftrag der Flughafenarchitekten vor - zwei Wochen später platzte der lange geplante Eröffnungstermin 3. Juni 2012. Der Aufsichtsrat setzte die Architekten vor die Tür.

Die Eröffnung des Hauptstadtflughafens war wegen diverser Baumängel, insbesondere beim Brandschutz, bereits mehrfach verschoben worden. Ein genauer Termin für die Inbetriebnahme ist bisher nicht bekannt. Die Flughafen-Verantwortlichen hatten im Juni 2010 den Eröffnungstermin von Ende Oktober 2011 auf den 3. Juni 2012 verschoben. Auch dieser Termin wurde aber abgesagt - vier Wochen bevor es so weit war. Eigentlich wird derzeit erwartet, dass der Bau des Flughafens zum Jahreswechsel 2014/2015 beendet ist. Danach soll ein sechsmonatiger Probebetrieb erfolgen. Die frühestmögliche Eröffnung wäre also im Frühsommer 2015.

Polizei stattet Architekt Besuch ab

Bei der Aufarbeitung des Desasters hatte es jüngst sogar einen Polizeieinsatz gegeben. Beamte durchsuchten Ende Oktober die Büros des BER-Architekten Meinhard von Gerkan in Berlin und Hamburg, um Dokumente zu dem Projekt sicherzustellen.

anb/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters
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