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DEUTSCHE BAHN: Fernverkehrszüge werden modernisiert

In drei Werken werden fast 1.200 Wagen der IC/EC-Flotte runderneuert. Der Kostenpunkt liegt bei 200 Millionen Euro - bis Ende 2003 soll alles fertig sein.

Es hämmert, schleift, rasselt und klopft, Schweißgeräte versprühen gleißende Funken und Gabelstapler fahren über das schienendurchkreuzte Areal der Halle 2 des Ausbesserungswerkes der Deutschen Bahn AG in Neumünster. Von einer Drehbank prasseln Metallspäne auf den Boden. »Hier werden die Radscheiben abgedreht«, erklärt Industriemechaniker Robert Kroll. Die Lauffläche des abgenutzten Rades wird glattgefräst, so dass sie anschließend wieder fast wie neu ist. 220 Fernverkehrszüge sollen in Neumünster bis Ende 2003 von Grund auf modernisiert werden.

Ziel: Höherer Komfort

Die Wagen werden dazu komplett auseinander genommen. Besonders wichtig ist die Überarbeitung der Fahrgestelle, denn sie sollen den reibungslosen Ablauf einer Zugfahrt gewährleisten. Die für den Reisenden augenfälligere Modernisierung betrifft allerdings das Wageninnere. »Wir wollen den Komfort der Züge erhöhen«, sagt der Konzernbevollmächtigte für Hamburg und Schleswig-Holstein, Reiner Latsch.

60 Tage pro Wagen

Und dafür will die Bahn einiges investieren. Außer dem Werk Neumünster beteiligen sich zwei weitere DB-Werke an der Modernisierung, denn aus der gesamten IC/EC-Fahrzeugflotte sollen etwa 1.200 Wagen runderneuert werden, Kostenpunkt: 200 Millionen Euro. Jeder Wagen ist im Durchschnitt sechzig Tage im Werk, dann sollen alle Modernisierungsarbeiten erledigt sein. »Wir wollen so schnell wie möglich an den Markt kommen, da ziehen wir alle an einem Strang«, sagt Latsch.

Neue Farben

Auch Steuerungsmeister Helmut Pioch ist stolz auf die Belegschaft: »Die laufen wie die Ameisen hier.« In Halle 1 wird das Innenleben der Wagen zeitgemäß »umfrisiert«. Am auffälligsten sind die neuen Farben: In der ersten Klasse dominieren die roten Sitze, die zweite Klasse ist in blau-grau gehalten.

Was nicht kauptt ist, bleibt drin

Die Modernisierung läuft teilweise nach dem Recycling-Verfahren ab. Was an alten Komponenten nicht beschädigt ist, werde nach dem Ausbau gewaschen, noch einmal auf mögliche Schäden hin geprüft, lackiert und ist dann zum Wiedereinbau bereit, sagt der Meister der Fertigung, Rainer Nelius.

Neu: Laptop-Plätze

Getrennte Abfallentsorgung und Laptop-Plätze in der zweiten Klasse gehören zum neuen Standard. Für die internationale Mobilität der Bahn sollen künftig 80 Wagen sorgen: Sie dürfen sich nach der Modernisierung »mehrsystemfähig« nennen, weil ihre Energieversorgung dann für den Verkehr in ganz Europa ausgelegt ist.

Kristina Költzsch

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