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550-Millionen-Euro-Deal: Deutsche Bahn bestellt neue Hightech-Züge – hier sollen sie fahren

Die Deutsche Bahn investiert in ihren überlasteten und teils veralteten Fuhrpark. Für rund 550 Millionen Euro bestellt das Unternehmen neue Fernzüge beim spanischen Hersteller Talgo – für ganz bestimmte Strecken.

Deutsche Bahn bestellt Talgo-Züge

Intercity-Waggons des spanischen Herstellers Talgo. Welches Modell die Deutsche Bahn genau bestellt hat, ist nicht bekannt

Hersteller

Die Deutsche Bahn will ihren in die Jahre gekommenen Intercity- und Eurocity-Fuhrpark modernisieren und greift dafür kräftig in die Tasche. Für rund 550 Millionen Euro hat das Unternehmen insgesamt 23 neue Züge beim spanischen Hersteller Talgo bestellt, die Kosten pro Zug liegen also bei etwa 24 Millionen Euro. Darüber hinaus gibt es eine Kaufoption auf insgesamt bis zu 100 Züge, wie der spanische Konzern mitteilte. 

Die neuen Züge sollen auf Intercity- und Eurocity-Verbindungen eingesetzt werden, auf denen keine ICE fahren, so eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Die betreffe zum Beispiel die Relationen Berlin – Amsterdam, Köln – Westerland oder Hamburg – Oberstdorf. Auf diesen Verbindungen ist die Bahn zurzeit mit zum Teil jahrzehnte alten Waggons unterwegs, zudem herrschen dort besondere Anforderungen an die Züge, weil es entweder ins Ausland geht oder nicht alle Strecken eine Oberleitung haben.

Deutsche Bahn verspricht "ICE-Komfort"

Die neuen Züge vom Typ Talgo 230 sollen bis zu 230 Stundenkilometer schnell sein, deutlich schneller als die bisher verkehrenden Intercity- und Eurocity-Züge. Allerdings sind bei weitem nicht alle Strecken für derart hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. Die Waggons und Lokomotiven sollen ab 2023 an die Deutsche Bahn ausgeliefert werden.

Talgo bewirbt seine Fernverkehrswaggons unter anderem mit einem barrierefreien Zustieg und großer Laufruhe. Die Bahn versprach im Verkehrsausschuss des Landtages Nordrhein-Westfalen im Dezember "neue Fernverkehrszüge mit ICE-Komfort". Weitere Informationen zu den technischen Spezifikationen der Lokomotiven und Waggons und der Innenausstattung sind noch nicht bekannt. Ebenso wenig ist klar, ob sich auch deutsche Hersteller um den Auftrag bemüht hatten und was den Ausschlag für das Angebot von Talgo gegeben hat.

Der Deal ist Teil eines umfangreichen Modernisierungsprogramms im Fernverkehr der Deutschen Bahn: Zuletzt hatte der Staatskonzern bekanntgegeben, dass er die bisherigen Intercity-Wagen einer Frischzellenkur unterzieht. Bis 2021 sollen über 800 Waggons unter anderem neue Toiletten und Sitzpolster bekommen, um sie für den weiteren Einsatz fit zu machen. Auch ältere ICE sollen generalüberholt werden.

Steigende Fahrgastzahlen im Fernverkehr

Für den Intercity-Verkehr hatte die Bahn seit 2015 außerdem Dutzende neue Doppelstockwagen in Betrieb genommen, die mit maximal 160 Stundenkilometern unterwegs sein können und weniger Komfort als herkömmliche Reisezugwagen bieten. Zum Beispiel verfügen die Züge nicht über Speisewagen. Seit 2017 sind zudem neue Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ ICE 4 zwischen Deutschlands Metropolen unterwegs.

Nach Angaben der Bahn waren im vergangenen Jahr mehr als 145 Millionen Fahrgäste in den Fernzügen unterwegs gewesen – nach 142 Millionen im Jahr zuvor. Durch den modernisierten Wagenpark und ein erweitertes Zugangebot auf den Fernverkehrsstrecken will das Unternehmen in den kommenden Jahren eine erhebliche Steigerung der Fahrgastzahl erreichen.

Quellen: Talgo-Mitteilung (spanisch), Talgo-Produktseite (englisch), Deutsche Bahn, "Inside Bahn", Landtag NRW