Der Anlegerschutzverein DSW kritisiert, dass viele Dax-Unternehmen auch Jahre nach der Corona-Pandemie Hauptversammlungen rein im Internet abhalten. Während mittlere und kleinere Unternehmen in der Mehrheit zur Präsenzhauptversammlung zurückgekehrt seien, nutze die Mehrheit der Unternehmen aus der obersten deutschen Börsenliga ausschließlich Online-Aktionärsversammlungen, teilt die DSW mit. "Dieses Format wird in anderen europäischen Ländern kaum genutzt."
Die DSW und die Schweizer Ethos-Stiftung fordern vor der anstehenden Hauptversammlungssaison im Frühjahr von betroffenen Konzernen mehr Präsenz- oder Hybridhauptversammlungen. Die Investorengruppe wird vom Netzwerk Shareholders for Change und dem europäischen Verband Better Finance unterstützt, die Unterzeichner der Kampagne verwalten demnach ein Vermögen von 468 Milliarden Euro.
Deutschland auf Sonderweg
"Deutschland ist das einzige Land in Europa, in dem mehrere Unternehmen auch nach der Corona-Pandemie rein virtuelle Hauptversammlungen abhalten", sagt Vincent Kaufmann, Direktor der Ethos-Stiftung. Ein hybrides Format würde Aktionären die Wahl zwischen physischer und virtueller Teilnahme sowie den direkten Austausch mit dem Management gewähren.
Die Möglichkeit zur virtuellen Hauptversammlung wurde in der Corona-Pandemie geschaffen, um Ansteckungen zu verhindern. 2025 nutzten laut DSW rund zwei Drittel der Dax-Unternehmen virtuelle Hauptversammlungen, die Konzernen Kosten und nebenbei Ärger mit aufmüpfigen Kleinaktionären sparen. Anlegerschützer kritisieren Online-Treffen schon lange, sie sehen damit Aktionärsrechte beschnitten.
Die Präsenz von Aktionären in virtuellen Hauptversammlungen sei seit 2023 kontinuierlich gesunken, moniert die DSW. "Das widerspricht der häufig geäußerten These, digitale Formate seien für Aktionäre attraktiver", sagte Geschäftsführerin Christiane Hölz. "Tatsächlich zeigen die Zahlen, dass viele Anteilseigner mit dem virtuellen Format fremdeln."