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Covid-Welle Nordkorea behauptet, Propaganda-Ballons hätten das Coronavirus ins Land gebracht

Eine Gruppe von Überläufern aus Nordkorea lässt in Südkorea Ballons mit Flugblättern steigen
Propaganda gegen das Regime in Pjöngjang: Eine Gruppe von Überläufern aus Nordkorea lässt im April 2016 in Südkorea nahe der Grenze Ballons mit Flugblättern steigen.
© Yonhap / Picture Alliance
In Nordkorea ist die Zahl mutmaßlich mit Corona infizierter Menschen explosionsartig in die Höhe geschossen. Die Behörden behaupten nun, sie hätten herausgefunden, wie die Pandemie überhaupt auf das Land übergreifen konnte.

Die Corona-Pandemie hat auch Nordkorea voll erfasst. Zwar kann niemand von außen die Gesundheitsdaten des abgeschotteten Landes einsehen, doch seit Pjöngjang Mitte Mai erstmals hunderttausende "Fieberfälle" meldete — dass Land hat zu wenig Testkapazitäten und spricht auch deshalb bei Covid-Verdacht vor allem von Fiebersymptomen — ist deren Zahl den Behörden zufolge mittlerweile auf mehr als 4,5 Millionen angewachsen.

Für die rasche Ausbreitung des Virus rüffelte Machthaber Kim Jong Un im Mai die Beamten des Staatsapparates: Die "nicht-positive Haltung, die Nachlässigkeit und die Untätigkeit führender Beamter des Staates" trage dazu bei, dass der Staat die Krise nicht bewältigen könne, monierte er laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA auf einer Sitzung des Politbüros der Regierungspartei.

Nordkorea fordert "wachsamen Umgang" mit "fremden Dingen"

Und nun glauben die nordkoreanischen Gesundheitsbehörden auch, herausgefunden zu haben, wie die Pandemie überhaupt auf Nordkorea übergreifen konnte: Der Corona-Ausbruch soll bei Menschen begonnen haben, die mit Ballons aus Südkorea in Berührung gekommen sind.

Das Zentrum für Seuchenprävention habe in der Stadt Ipho nahe der südöstlichen Grenze Infektionscluster entdeckt und einige Einwohner seien mit fiebrigen Symptomen nach Pjöngjang gereist, berichteten nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) die staatlichen nordkoreanischen Medien. Ein 18 Jahre alter Soldat und ein fünfjähriges Kindergartenkind hätten Anfang April in der Stadt Kontakt mit "fremden Dingen" gehabt und seien später positiv auf die Omicron-Variante getestet worden.

In einer so genannten "Notfallanweisung" wies das Epidemiepräventionszentrum demnach Behördenvertreter an, entlang der Grenze "mit fremden Dingen, die durch Wind und andere Klimaphänomene kommen, und mit Ballons wachsam umzugehen", und ihre Herkunft genau zu verfolgen. Das Zentrum habe zudem betont, dass jeder, der "fremde Dinge" finde, die Behörden sofort benachrichtigen müsse, damit diese entfernt werden könnten.

In den Berichten wurde laut AP nicht näher ausgeführt, um welche "fremden Dinge" es sich handelt. Der Hinweis dürfte sich aber auf die Aktivitäten nordkoreanischer Überläufer und Aktivisten in Südkorea beziehen. Diese lassen sehr zum Ärger des Regimes in Pjöngjang seit Jahren Ballons über die Grenze fliegen, um Hunderttausende von Propagandaflugblättern zu verteilen, die den nordkoreanischen Führer Kim Jong Un kritisieren. Seit die Regierung in Seoul diese Kampagnen im März 2021 unter Strafe gestellt hat, sind die Ballonaktionen allerdings deutlich seltener geworden.

Quellen: Associated Press

mad

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