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Deutsche Bank: Aufsichtsrat ausgespäht

Den Verdacht gab es bereits im Mai, nun hat die Deutsche Bank eingeräumt, im Jahr 2001 ein Mitglied des Aufsichtsrats heimlich überprüft zu haben. Das Bespitzelungsopfer, Verdi-Vertreter Gerald Herrmann, fordert eine persönliche Entschuldigung von Bankchef Josef Ackermann.

Die Deutsche Bank hat einen Gewerkschaftsvertreter in ihrem Aufsichtsrat bespitzelt. Deutschlands größtes Geldhaus räumte am Montag ein, 2001 ihr damaliges Aufsichtsratsmitglied Gerald Herrmann überprüft zu haben. Der Betroffene sei über den Vorgang informiert worden, und die Bank habe sich bei ihm entschuldigt, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank. Hintergrund der Aktion sei gewesen, dass Herrmann im Verdacht gestanden habe, Quartalszahlen der Bank vor der offiziellen Veröffentlichung an die Presse weitergegeben zu haben. Herrmann sei mitgeteilt worden, dass die damalige Aktion keine Hinweise erbracht habe, dass er die Quelle der Indiskretion gewesen sei.

Herrmann, der bis 2003 als Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Kontrollgremium der Deutschen Bank saß, sagte dem "Handelsblatt", die Bank habe ihn erst vor wenigen Tagen informiert. Er verlange eine persönliche Entschuldigung von Bankchef Josef Ackermann.

Verdi verlangte eine rasche Klärung der Datenaffäre. "Die Vorgänge müssen lückenlos aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Bundesvorstand Uwe Foullong. Die Deutsche Bank müsse garantieren, dass sich so etwas nicht wiederholen könne. Auch die strafrechtliche Relevanz der Bespitzelungsaktion müsse überprüft werden.

Die Deutsche Bank hatte im Mai Regelverstöße im Zusammenhang mit der Konzernsicherheit eingeräumt und eine Anwaltskanzlei eingeschaltet. Deren Bericht liegt Kreisen zufolge inzwischen vor. Eine Sonderuntersuchung der Finanzaufsicht Bafin steht noch aus, mit Ergebnissen wird erst in ein paar Wochen gerechnet.

Außerdem wertet die hessische Datenschutzbehörde derzeit einen Fragenkatalog aus, den die Deutsche Bank kürzlich beantwortet hat. Wenn die Behörde Verstöße gegen die Datenschutzvorschriften feststellt, kann sie eine Rüge aussprechen sowie die Betroffenen in Kenntnis setzen. Beim Verdacht einer Straftat müsste sie die Ergebnisse zudem der Staatsanwaltschaft melden. Die Untersuchungen reichen bis in die 1990er Jahre zurück. Schwerpunkt ist Finanzkreisen zufolge das Jahr 2006. Es seien weniger als zehn Personen betroffen, hieß es in den Kreisen.

Reuters / Reuters