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Deutscher Weinbauverband: Die unausgegorene Reform

Wein aus deutschen Landen könnte deutlich teurer werden. Die EU-Kommission will Reformen im Weinmarkt durchsetzen - obwohl sich die Mehrheit der EU-Argrarminister dagegen wehrt. Der Präsident des Deutschen Weinbauverbands Norbert Weber erklärt im stern.de-Interview, warum die Kommission falsch liegt.

Herr Weber, die EU-Kommission will darüber entscheiden, Zuckerzusatz beim Gärungsprozess von Weinen zu verbieten. Welche Auswirkungen hätte ein solches Verbot auf Deutschlands Weine?
Es würde zu einer massiven Verteuerung der Produktion in den Staaten kommen, in denen Saccharose zugelassen ist. Und das sind 18 Länder.

Was soll laut Kommission stattdessen verwendet werden?


Die EU-Kommission will vorschreiben, dass rektifiziertes Traubensaftkonzentrat (RTK) verwendet wird. In den 70er Jahren hat es dafür noch Zuschüsse gegeben, um RTK herzustellen, weil es nicht wettbewerbsfähig und teuer war. Nun kommt man von den Zuschüssen nicht mehr runter. Verbietet sie Saccharose, wird sich die Weinproduktion um 20 Prozent verteuern.

... was auf den Verbraucher umgewälzt wird?
Am Markt kann man Produktionskosten nicht immer weitergeben. Wir stehen in Konkurrenz zu Amerika, Argentinien, Australien und Südafrika. Blödsinnigerweise hat die Kommission das Verfahren mit Saccharose in einem Abkommen mit den USA zugelassen - nun will sie es bei uns verbieten. Aber 21 Länder sind gegen den Vorschlag der EU-Kommission. Auch das ist ein Zeichen, dass irgendetwas damit nicht stimmen kann. Wenn sich die Kommission nicht bewegt, wird es auch keine Einigung geben.

Machen Ihre Lobbyisten in Brüssel schlechte Arbeit?


Nein. Die Interessensverbände, das Europäische Parlament und der Wirtschaftssozialausschuss haben alle Stellungnahmen in unserem Sinne abgegeben. Auch Verbraucherländer wie England oder Holland haben gesagt: "Liebe Kommission, dieser Vorschlag ist unausgegoren und passt nicht auf die Situation für den europäischen Weinbau."

Hat sich die EU-Kommission hier einzumischen?
Natürlich ist die EU-Kommission für agrarpolitische Fragen zuständig. Sie hat aber die falschen Vorschläge gemacht. Die Ausgangssituation vor drei oder vier Jahren war schwierig, aber in der Zwischenzeit läuft der Markt besser. Die Weinwirtschaft hat sich umgestellt.

Ist sie wettbewerbsfähiger?


Ja. Deswegen fragen wir uns auch, warum sie die Produktion verteuern will. Wir haben uns unter großen Anstrengungen dem Markt gestellt und eine einigermaßen vernünftige Zukunft aufgebaut. Der Vorschlag der Kommission läuft dem zuwider.

Wird es zu einem Verbot kommen?


Nein, ansonsten wird die Reform verschoben. Es gibt ein Votum des Parlaments mit ganz großer Mehrheit, das unsere Argumente stützt. Nur schert sich die Kommission nicht danach und ignoriert die Meinung des Parlaments.

Warum stemmt sich die EU dagegen?


Sie begründet es mit WTO-Regeln, will Geld sparen und hat ihre Analyse nicht neu überdacht. Die Vorschläge der Kommission basieren auf Marktdaten von 2000. Der läuft in der Zwischenzeit aber besser.

Aber die Behörde ist doch sicherlich informiert.


Da sitzen Globalisierungsleute, die nur den weltweiten Markt sehen und nicht die Struktur in einem einzelnen Land - Bürokraten ohne politische Verantwortung.

Wie würde ein Kompromiss aussehen, dem auch sie zustimmen könnten?


Wir können mit der jetzigen Situation besser leben als mit einer Reform.

Interview: Alexander Zeuner
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