Discounter Edeka darf Aldi angreifen


Konkurrenz für Aldi und Lidl auf dem deutschen Markt: Edeka darf den Discounter Plus von Tengelmann übernehmen. Das Kartellamt hat den Deal unter Auflagen genehmigt. Bereits bis zum Jahresende soll unter der Marke Netto der dritte Lebensmittelriese entstehen.

Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka darf unter Auflagen einen neuen Discount-Riesen aus den bislang konkurrierenden Ketten Netto und Plus schmieden. Nach monatelangen Verhandlungen und Zugeständnissen seitens der Netto-Mutter Edeka und der Plus-Mutter Tengelmann gab das Bundeskartellamt am Dienstag Grünes Licht für das Fusionsvorhaben. Demnach muss Tengelmann zuerst knapp 400 der 2900 Plus-Märkte in Deutschland verkaufen. Außerdem wird sich Tengelmann nur mit 20 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen Netto/Plus beteiligen. Der neue Discount-Riese, der nach Aldi und Lidl eine große Nummer 3 in Deutschland sein wird, soll nach Angaben von Tengelmann und Edeka binnen eines halben Jahres stehen.

Edeka verspricht 2.500 neue Arbeitsplätze

"Wir freuen uns, dass wir die Bedenken des Kartellamtes ausräumen konnten und es grünes Licht für mehr Wettbewerb im deutschen Discount gibt", sagte Markus Mosa, Vorstandssprecher der Edeka AG am Dienstag in Hamburg. Deutschlands größter Lebensmittelhändler will die 2.500-Plus Filialen spätestens mit Beginn des kommenden Jahres in sein Ladennetz integrieren. Edeka werde alle 25.000 Mitarbeiter von Plus übernehmen und bis 2010 weitere 2.500 neue Arbeitsplätze schaffen, betonte das Unternehmen.

Vor der Übernahme durch Edeka muss Tengelmann laut Kartellvorgabe 378 Plus-Märkte, vornehmlich in Ostdeutschland, verkaufen. "Wir sind zuversichtlich, diese Bedingung innerhalb der vorgesehenen Zeit von sechs Monaten erfüllen zu können", teilte Karl-Erivan Haub, Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Tengelmann, in Mülheim an der Ruhr mit. Verkaufsgespräche seien bereits aufgenommen worden. Die Zahl der zu verkaufenden Filialen sei höher als erwartet gewesen.

Nur wenn sich nachweislich kein Erwerber für einen Markt findet, dürfe dieser geschlossen werden, betonte das Kartellamt. Das sei nur in wenigen Einzelfällen möglich. Ein Treuhänder solle in den nächsten Monaten nun dafür sorgen, dass das zu verkaufende Filialpaket nicht an Wert verliere und dass in der Zeit keine Schließungen erfolgten. Der Verkauf der knapp 400 Plus-Filialen könne an einen oder an bis zu drei Erwerber erfolgen. Das Kartellamt will diesen Prozess überwachen.

Kartellamt verbietet gemeinsamen Wareneinkauf

In Branchenkreisen gelten bereits Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe und der Discounter Norma als mögliche Interessenten für die zu verkaufenden Plus-Filialen. Der Kölner Handelsriese Rewe hatte sich im vergangenen Jahr selbst um Plus Deutschland bemüht, war aber im Bieterrennen von Edeka überboten worden. Zur Rewe gehört der Discounter Penny, der nun mit vielen Neueröffnungen expandieren soll. "Rewe hat grundsätzlich Interesse. Wir werden das aber von den Bedingungen abhängig machen", sagte ein Rewe-Sprecher.

Einem wichtigen Vorhaben schob das Bundeskartellamt einen Riegel vor: Es genehmigte die Zusammenarbeit zwischen Edeka und Tengelmann beim Wareneinkauf nicht. Der Mülheimer Familienkonzern muss sich damit für seine Supermarktkette Kaiser's entgegen den ursprünglichen Planungen einen anderen Einkaufspartner als Edeka aussuchen. Kartellamtspräsident Bernhard Heitzer verwies auf den Konzentrationsprozess im Lebensmitteleinzelhandel. Während 1999 noch acht große Handelsketten über rund 70 Prozent des deutschen Marktes verfügt hätten, teilten sich heute lediglich fünf Supermarkt- und Discountketten bereits 90 Prozent des Marktes. Bei der intensiven Prüfung seien neben dem Wettbewerb in regionalen Märkten auch Auswirkungen auf den Wareneinkauf betrachtet worden.

DPA/AP AP DPA

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