VG-Wort Pixel

Dreiste Handwerker-Abzocke 913 Euro für 1,5 Stunden Arbeit


Eine Frau in Tübingen beauftragt einen Notdienst , um den Abfluss zu reinigen. Im Anschluss wird sie kräftig zur Kasse gebeten. 913 Euro verlangen die Handwerker - zu zahlen sofort und in bar.

Dass ein verstopfter Abfluss sie fast 1000 Euro kosten würde, dachte eine Frau in Tübingen sicher nicht, als sie in den Gelben Seiten einen Handwerker-Notdienst suchte. Der Schock kam schnell: Nur 1,5 Stunden brauchten die beiden jungen Handwerker, um die Rohre in Küche und Bad zu reinigen - und berechneten unglaubliche 913 Euro für ihre Arbeit. Diese sollen sofort und in bar gezahlt werden. Völlig überrumpelt eilt die Kundin zum Geldautomaten und händigt den Handwerkern den Betrag aus. Ein Fehler, wie ihr erst später bewusst wird.

"Fragliche" Dienstleistungen

"Wie konnte ich nur so naiv sein", wird sie später im "Schwäbische Tagblatt" zitiert. Die Handwerker beschreibt sie als freundlich und vertrauensvoll. Die Rechnung ist aber eine böse Überraschung: Zuerst werden Kosten für die Arbeitszeit und den gereinigten Rohrmeter aufgelistet. Eine Doppelberechnung, durch die laut Verbraucherzentrale Baden-Württemberg die angemessene Vergütung überschritten werde. Zusätzlich findet man auf der Rechnung eine Grundreinigung für 199 Euro und eine "Druckluftreinigung" für 117 Euro. Das ist deutlich zu viel: Wie das "Schwäbische Tagblatt" bei einem anderen Handwerker in Erfahrung bringt, wäre eine Rechnung von 221 Euro angemessen gewesen. Die Grundreinigung bezeichnet er als "fraglich", von einer "Druckluftreinigung" hat er noch nicht einmal gehört.

Schwindel-Firma am Werk?

Die weitere Recherche der Lokalzeitung ergibt: Wahrscheinlich ist die Tübingerin einem Schwindel aufgesessen. Zwar wird das Unternehmen in den Gelben Seiten mit Tübinger Vorwahl aufgeführt, sitzt aber tatsächlich im hessischen Heuchelheim. Hier finden sich gleich mehrere Kanalreinigungsfirmen, die alle unter der selben Postadresse und Telefonnummer residieren. Geworben wird allerdings immer mit einer anderen regionalen Vorwahl. So soll dem Kunden vorgespielt werden, die Firma komme aus der Gegend. Bei der Handwerkskammer sind diese Unternehmen längst bekannt. Bereits mehrfach haben geprellte Kunden hier Klage eingereicht. Auch das Tübinger Opfer überlegt nun, rechtliche Schritte einzuleiten. Hoffnung darauf ihr Geld wiederzusehen macht sie sich allerdings nicht. "Immerhin kann mein Beispiel aber andere davor bewahren, ähnlich viel Lehrgeld zu bezahlen."

db

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker