EZB Leitzins bleibt bei vier Prozent


Die Europäische Zentralbank hat sich entschieden: Sie belässt den Leitzins für die Euro-Zone auf vier Prozent. Experten prophezeien für das kommende Jahr aber Zinsänderungen. Unklar ist nur, welche Richtung die EZB einschlagen wird.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins für die Euro-Zone wie erwartet bei vier Prozent belassen. Das teilte die Notenbank in Frankfurt im Anschluss an eine Sitzung des EZB-Rates mit. Beobachter hatten wegen der Turbulenzen auf den Finanzmärkten auch nicht mit einer Zinsänderung gerechnet.

Uneins sind sich die Experten allerdings über die weitere Zinspolitik der europäischen Währungshüter. Die Commerzbank rechnete jüngst damit, dass die EZB wegen der Konjunkturabkühlung in der nächsten Zeit auf eine Zinserhöhung verzichten wird. "Ende 2008 prognostizieren wir sogar eine erste Senkung der Leitzinsen." Die BayernLB erwartete dagegen, dass die EZB nach dem Frühjahr "ihren unterbrochenen Zinserhöhungspfad dann wieder aufnehmen und mit zwei Zinsanhebungen um je 25 Basispunkte im Juni und September auf 4,5 Prozent die Zinserhöhungsphase abschließen wird."

Der für die Refinanzierung der Banken maßgebliche Schlüsselzins ist seit einem halben Jahr stabil. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet warnte im Anschluss an die Zinsentscheidung allerdings erneut vor den Gefahren der zuletzt auf rund drei Prozent gestiegenen Teuerung in der Euro-Zone. Die EZB sei jederzeit bereit zu handeln. "Wir passen auf", sagte Trichet. "Die jüngsten Informationen haben die Existenz eines starken kurzfristigen Aufwärtsrisikos bei der Inflation bestätigt."

Keine Zinsänderung wegen Unsicherheit

Das Wachstum in der Euro-Zone wird nach den Worten Trichets durch die Finanzkrise zwar gedämpft, bleibt aber etwa auf Höhe der von der EZB angenommenen Potenzialrate von zwei Prozent. "Die fundamentalen Wirtschaftsdaten der Euro-Zone bleiben solide", sagte Trichet. Die EZB-Volkswirte senkten ihre Prognose für das BIP-Wachstum im kommenden Jahr allerdings auf 1,5 bis 2,5 Prozent nach 1,8 bis 2,8 Prozent bei der September-Prognose.

2007 sehen sie allerdings kein großes Abbremsen der Konjunktur durch die Finanzkrise. Die Unsicherheit über die Entwicklung der Märkte sei der Grund, warum es keine Zinsänderung gegeben habe, sagte Trichet. Allerdings hätten einige Ratsmitglieder für eine Zinserhöhung plädiert.

Britische Notenbank senkte Zinsen

Die Erwartungen der Zentralbanker für 2009 mit einer Inflation von 1,2 bis 2,4 Prozent, was im Mittel 1,8 Prozent bedeute, sprechen für eine Zinssenkung zum Jahresende 2008. Die EZB-Experten der NordLB erklärten, eine eindeutige Richtung für die kommenden Monate lasse sich aus den Äußerungen Trichets nicht ablesen. Die EZB lasse sich weiterhin alle Möglichkeiten offen.

Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten hatten die Währungshüter bereits auf eine im September erwartete Zinserhöhung verzichtet und auch in den folgenden Monaten die geldpolitischen Zügel nicht weiter angezogen. Die britische Notenbank senkte unterdessen den Leitzins von 5,75 Prozent auf 5,5 Prozent. Auch dieser Beschluss war erwartet worden, nachdem der seit Jahren boomende britische Immobilienmarkt erste Anzeichen von Schwäche zeigt.

AP/Reuters AP Reuters

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