FINANZEN EZB senkt den Leitzins um 50 Basispunkte


Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen in der Euro-Zone um 50 Basispunkte gesenkt und damit die Erwartungen an den Finanzmärkten erfüllt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen in der Eurozone erstmals seit mehr als einem Jahr deutlich gesenkt. Die Währungshüter kürzten den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld um 0,5 Punkte auf 2,75 Prozent. Dies teilte die EZB am Donnerstag nach der Sitzung des Rates in Frankfurt mit. EZB-Präsident Wim Duisenberg wird die Entscheidung auf einer Pressekonferenz am Nachmittag begründen.

Damit reagiert die Notenbank auf die anhaltende Konjunkturflaute in der Europäischen Währungsunion. Die Gefahr deutlich steigender Preise wird angesichts der schwachen gesamtwirtschaftlichen Nachfrage offensichtlich geringer eingeschätzt. Seit dem Höhepunkt der EZB-Leitzinsen im Mai 2000 mit 4,75 Prozent wurden damit die Leitzinsen in vier Schritten um mittlerweile 2 Prozentpunkte zurückgenommen. Die Zielgröße für das Geldmengenwachstum 2003 blieb dagegen mit 4,5 Prozent unverändert.

In der Finanzwelt und der Wirtschaft war eine Zinssenkung an diesem Donnerstag weitgehend erwartet worden. Dazu hatten nicht zuletzt entsprechende Andeutungen Duisenbergs vor dem EU-Parlament beigetragen. Schon vor vier Wochen hatte der EZB-Rat in einer heftigen Debatte über eine Herabsetzung der Leitzinsen gerungen. Damals setzte sich jedoch noch eine Mehrheit mit Hinweis auf mögliche Gefahren für die Preisstabilität im Euroraum mit einer abwartenden Position durch.

Nachdem die durchschnittliche Inflationsrate in den 12 Mitgliedsländern der Währungsunion im November auf 2,2 (Vormonat:

2,3) Prozent zurückgegangen war, sind diese Bedenken nun in den Hintergrund gerückt. Darüber hinaus festigten sich in den vergangenen Wochen die Hinweise auf eine nur schwache Konjunkturerholung, so dass nun der Weg für eine Lockerung der Geldpolitik frei wurde.

Auf die wirtschaftliche Entwicklung wird der Zinsschritt kurzfristig allerdings keinen Einfluss haben. Geldpolitische Entscheidungen der Notenbanken wirken sich erst mit einer zeitlichen Verzögerung von rund einem Jahr auf die Realwirtschaft aus. Die EZB- Spitze erhofft sich aber zumindest einen psychologischen Effekt, der zur Aufhellung der allgemein schlechten Stimmung in Euroland beitragen könnte.

Im Gegensatz zur amerikanischen Notenbank Fed hat die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen seit November 2001 nicht angetastet. Die Fed schleuste dagegen den wichtigsten Zins seit dem Höhepunkt Mitte 2000 mit 6,5 Prozent in zwölf Schritten auf 1,25 Prozent herab. Dies ist der niedrigste Fed-Zins seit mehr als 40 Jahren.


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