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FLUGZEUGBAU: Russen wollen Fairchild retten

Nach monatelanger Suche nach Investoren für den insolventen Flugzeugbauer Fairchild Dornier liegen dem Insolvenzverwalter nun zwei konkrete Angebote vor. Eines kommt von einem russischen Konsortium, das den gesamten Konzern übernehmnen will.

Nach monatelanger Suche nach Investoren für den insolventen Flugzeugbauer Fairchild Dornier liegen dem Insolvenzverwalter nun zwei konkrete Angebote vor. Allerdings umfasst nur eines davon den gesamten Konzern.

Russen wollen kompletten Geschäftsbereich

So habe das russische Konsortium um den Flugzeughersteller Irkut und die Aluminiumwerke Basic Elements eine Offerte für den kompletten Geschäftsbetrieb abgegeben, teilte Insolvenzverwalter Eberhard Braun am Montag in München mit. Zugleich biete eine US-Gruppe für die Produktion des 328-Jets inklusive der Kundenbetreuung. Darüber hinaus seien für diese Woche Offerten für die Sparten Airbus-Komponentenfertigung und Wartung angekündigt. Allerdings könne dem Verkauf von Teilbereichen nur zugestimmt werden, wenn eine Lösung für den Konzern als Ganzes scheitere. Die Sitzung des Gläubigerausschusses am 5. November soll nun den Fahrplan für die weiteren Gespräche festlegen.

Schweizer Finanzinvestoren derzeit aus dem Rennen

Die vor rund zwei Wochen aufgetauchte Offerte der Schweizer Alliance Aircraft für den Gesamtkonzern ist nach Angaben der Insolvenzverwaltung hingegen zunächst aus dem Rennen. Die Bietergruppe habe die mehrfach zugesagte Bankgarantie für den Kaufpreis bislang nicht erbracht, hieß es. »Die Verhandlungen müssen insoweit als gescheitert betrachtet werden.«

Das russische Angebot biete hingegen die »Grundlage für eine konstruktive Erörterung«, teilte Braun weiter mit. Eine positive Lösung sei nicht ausgeschlossen. Allerdings werde hierfür noch eine gewisse Zeit benötigt. Die Verhandlungen über einen Verkauf der Fertigung des 328-Jets könnten hingegen grundsätzlich schnell erledigt werden. »Diese Angebot kann aber aus derzeitiger Sicht nur positiv abschlussverhandelt werden, wenn es nicht zu einer Gesamtlösung kommt.«

Als Ganzes oder in Teilen

Damit steht Insolvenzverwalter Eberhard Braun vor der Frage, ob er entweder eine Lösung für den gesamten Konzern anstrebt, deren Erfolg allerdings fraglich ist, oder aber den sicheren Verkauf von Teilen, der wiederum einer Zerschlagung des Traditionsunternehmens gleichkommt. Als sicher gilt, dass Bieter, die sich auf Teile des Konzerns konzentrieren, ihre Offerten nicht zeitlich unbegrenzt aufrechterhalten werden. Zudem verliert der insolvente Flugzeugbauer Monat für Monat Dutzende von qualifizierten Mitarbeitern, die aber für einen Käufer wichtig sind. Bereits ein Fünftel der einstmals 3600 Mitarbeiter haben Fairchild Dornier verlassen. Damit steht Braun bei den Verhandlungen mit der russischen Bietergruppe unter kräftigem Zeitdruck.

Anfang Juli war das Insolvenzverfahren über Fairchild Dornier eröffnet worden. Seit Monaten laufen Verhandlungen mit potenziellen Investoren. Konkurrenten wie der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, Bombardier oder Alenia hatten abgewunken. Die Bundesregierung und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) haben zugesagt, sich für den Konzern einzusetzen.