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Gigantischer Anlagebetrug: Madoff-Skandal schwappt nach Europa

Der milliardenschwere Betrugsskandal des früheren Nasdaq-Chefs Bernard L. Madoff trifft nun auch europäische Großbanken: Sie haben Millionen Euro ihrer Kunden in den Pleite-Fonds gesteckt. Madoff soll mit einem Schneeball-System Anleger um insgesamt 50 Milliarden Dollar gebracht haben.

Der Zusammenbruch des Investitionsfonds von Ex-Nasdaq-Chef Bernard Madoff birgt dramatische Risiken für etliche Großbanken in Europa. Die französische BNP Paribas bezifferte den möglichen Schaden auf 350 Millionen Euro, das von der Finanzkrise ohnehin schwer angeschlagene belgisch-französische Institut Natixis fürchtet Verluste von bis zu 450 Millionen Euro. Die Kunden der spanischen Gruppe Santander legten insgesamt 2,3 Milliarden Euro bei Madoff an. Geld, das möglicherweise vollständig verbrannt ist.

Madoff ist Gründer der Bernard L. Madoff Investment Securities LLC. Er war maßgeblich am Aufbau der Technologiebörse Nasdaq beteiligt. Zeitweise war er deren Verwaltungsratsvorsitzender. Wegen Verdachts auf massiven Betrug war Madoff am Donnerstag festgenommen und die Konten seiner Fonds eingefroren worden. Madoff wurde nach Hinterlegung einer Kaution auf freien Fuß gesetzt. Er hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft zugegeben, dass sein Geschäft seit Jahren zahlungsunfähig sei. Leitenden Angestellten seiner Firma soll er laut Anklage eingestanden haben: "Es ist alles eine große Lüge". "Im Grunde (war es) ein riesiges Schneeballsystem."

Die Ermittler in New York fürchten Verluste von insgesamt 50 Milliarden Dollar, neben Banken hatten auch dutzende Wohltätigkeitsorganisationen und Privatpersonen ihr Geld bei dem als seriös geltenden 70-Jährigen angelegt. Der Fall traf die Aufsichtsbehörden völlig unvorbereitet. Madoffs eigene Familie machte den Fall öffentlich. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft und eine Geldstrafe bis zu fünf Millionen Dollar.

Banken weltweit betroffen

Natixis erklärte am Montag, zwar habe man keine Direktinvestitionen in Madoffs Hedgefonds getätigt. Allerdings seien 450 Millionen Euro von Klienten über Fonds indirekt bei Madoff Investment Securities angelegt worden. Der Schaden hänge davon ab, "in welchem Maß die Anlagen zurück gewonnen werden können". Das gleiche Szenario gilt für BNP Paribas, hieß es in einer kurzen Erklärung vom Sonntagabend.

Die Schweizer Reichmuth & Co gab ebenfalls ein Risiko von 350 Millionen Euro bekannt. Man bedaure ernsthaft, von dem mutmaßlichen Betrug betroffen zu sein, teilte die Bank ihren Kunden mit, ohne zunächst weitere Einzelheiten zu nennen. Die Royal Bank of Scotland, zu 58 Prozent britisches Staatseigentum, bezifferte das Risiko auf 400 Millionen Pfund (446 Millionen Euro). Auch Banken in Fernost drohen in den Strudel mit hineingezogen zu werden. Das größte japanische Börseninstitut Nomura Holdings legte 27,5 Milliarden Yen (227 Millionen Euro) bei Madoff an.

AP/Reuters / AP / Reuters