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Bertelsmann-Studie: Der Trump in uns - was die Deutschen über die Globalisierung denken

US-Präsident Donald Trump setzt auf Strafzölle und Abschottung. Aber auch in Deutschland wünschen sich viele Menschen mehr Schutz vor den Folgen der Globalisierung. Eine neue Studie zeigt die Einstellung der Bürger in zwölf Ländern.

Anti-Trump-Plakat beim "March for our Lives"

Anti-Trump-Plakat beim "March for our Lives"

DPA

Seit dem Amtsantritt von Donald Trump hat sich die Diskussion um Globalisierung massiv verändert. Ausgerechnet der Präsident der USA - jahrzehntelang globaler Vorreiter des Kapitalismus - kündigt Freihandelsabkommen und führt neue Strafzölle ein. In Deutschland gibt es einerseits viele Stimmen, die sich gegen derartigen Protektionismus aussprechen. Andererseits machen manche Aspekte der Globalisierung auch vielen Bürgern hierzulande Angst.

Die Bertelsmann-Stiftung hat nun in einer Studie die Einstellung der Deutschen zu Globalisierung und Freihandel ermittelt - und diese in den internationalen Vergleich gestellt. Dafür befragte das Umfrageinstitut YouGov repräsentativ mehr als 14.000 Personen in zwölf Industrie- und Schwellenländern. Für die Handelsnation Deutschland ergibt sich ein differenziertes Bild. So überwiegen für viele Deutsche beim Thema Globalisierung zunächst einmal die Vorteile. Lediglich 31 Prozent der 2000 hierzulande Befragten sagen, die Globalisierung habe einen schlechten Einfluss auf die Welt. 40 Prozent sehen sie dagegen positiv. Auch den wachsenden Handel mit anderen Ländern beurteilen 70 Prozent positiv - ein deutlich höherer Wert als noch im Jahr 2016 (damals 56 Prozent).

Deutsche wünschen sich "Sicherheitsgurt"

Andererseits gibt es auch in Deutschland Kritik, Ängste und Forderungen nach mehr Protektionismus. So findet eine Mehrheit von 52 Prozent, dass die Bundesregierung nicht genug tut, um die Bürger vor negativen Folgen der Globalisierung zu schützen. Und 57 Prozent fordern ausdrücklich, dass Deutschland die heimische Wirtschaft mehr gegen ausländische Wettbewerber schützen muss. In den Trump-geführten USA sind es mit 61 Prozent auch nicht wesentlich mehr Menschen, die dieser Aussage zustimmen. "Die Menschen wünschen sich eine Globalisierung mit Sicherheitsgurt", sagt Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung, zu den Ergebnissen für Deutschland.

Im internationalen Vergleich ist das Bedürfnis nach mehr Protektionismus in Deutschland allerdings deutlich schwächer ausgeprägt als in den meisten anderen Ländern. In Frankreich und Russland sind drei von vier Befragten für mehr Schutz gegen ausländischen Wettbewerb, in der Türkei sogar 89 Prozent. Am höchsten ist der Wert ausgerechnet in Mexiko, derzeit unter verbalem Dauerbeschuss des Protektionisten Trump: 90 Prozent der Mexikaner wollen die heimische Wirtschaft besser geschützt sehen.

Tabelle: "Sollte Ihr Land seine Wirtschaft mehr gegen ausländische Wettbewerber schützen?"

Land

Mit "Ja" antworteten…

Mexiko

90%

Türkei

89%

Indonesien

87%

Russland

76%

Frankreich

75%

Indien

68%

Kanada

65%

USA

61%

Großbritannien

59%

Deutschland

57%

Japan

47%

Quelle: YouGov-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung