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Handel: Auch Aldi nimmt jetzt die Karte

Die Bundesbürger zahlen immer seltener bar. Dem hat jetzt Aldi als letzter Discounter Rechnung getragen und akzeptiert auch Kartenzahlung. Ganz freiwillig war die Entscheidung wohl nicht - Aldi musste sich dem Marktdruck beugen.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass sich Deutschlands Discounter alles in bar bezahlen ließen. Wenn bei Aldi, Lidl oder Penny wieder einmal ein Billig-Computer im Angebot war, mussten sich die Kunden mit dicken Geldschein-Bündeln in die Schlange einreihen. Solche Szenen gehören der Vergangenheit an. Als letzter großer Discounter hat jetzt auch Aldi komplett auf Kartenzahlung umgerüstet. Das aktuellste Angebot - ein Computer zum Basispreis von 499 Euro - kann nun überall auch mit EC-Karte gekauft werden.

Die letzte von bundesweit 3700 Filialen wurde soeben irgendwo im Norden des Landes mit einem Kartenlesegerät ausgestattet. Wann und wo genau, das will die Geschäftsleitung nicht verraten. Auch zu den Gründen für die Umstellung will sich Deutschlands größter Discounter, der aus Kostengründen stets einer der entschiedensten Karten-Gegner war, nicht äußern. Bei aller Sparsamkeit blieb Aldi letztlich aber wohl nichts anderes mehr übrig, als sich dem Druck des Marktes zu beugen.

Im Unterschied zu früheren Jahren haben die Billigheimer heute viel mehr höherpreisige Waren aus dem Nicht-Lebensmittel-Bereich im Angebot. "Die Discounter sind mit der Barzahlung jahrzehntelang sehr gut gefahren", sagt Michael Gerling, Geschäftsführer des Eurohandelsinstituts (EHI) mit Sitz in Köln. "Aber heute kann man keinem Kunden mehr zumuten, dass er den Computer oder die Digitalkamera bar bezahlen muss."

Im Einzelhandel schon lange üblich

Damit setzt sich bei Aldi, Lidl & Co. nun durch, was in anderen Bereichen des Einzelhandels längst schon üblich ist. Nach einer Studie des EHI wurden im vergangenen Jahr 31,6 Prozent des Gesamtumsatzes von 350 Milliarden Euro per Karte abgewickelt; im Jahr 1994 waren es erst 6,2 Prozent. "Es gibt immer noch Kunden, die aus der deutschen Bargeld-Generation kommen", meint Gerling. "Aber den meisten ist es inzwischen egal, wie sie bezahlen."

Für den Einzelhandel ist aber durchaus von Bedeutung, ob der Kunde Karte oder Scheine zückt. Die Kosten an der Kasse können sehr unterschiedlich sein. Allgemein gilt Bargeld als billiger als die Karte, weil weniger Technik und weniger Gebühren anfallen. Andererseits dauert das Bezahlen häufig länger. Außerdem werden zum Beispiel Kosten für Bestückung, Geldtransporter oder Nachttresor fällig. Das EHI schätzt, dass beim Händler pro Zahlungsvorgang in bar im Durchschnitt rund 30 Cent anfallen.

Karte ist teurer

Bei der Zahlung mit der Kreditkarte (2004: 5 Prozent aller Zahlungen) werden die höchsten Gebühren fällig, die sich je nach Kreditkartenfirma sehr unterscheiden können. Bei einer normalen "electronic-cash-"Bezahlung (8,6 Prozent), wenn der Kunde seinen PIN eintippen muss, muss der Händler in der Regel 0,3 Prozent des zu zahlenden Betrags abführen. Die Zahlung mit EC-Karte und Unterschrift (16,9 Prozent) ist dagegen kostenlos. Weiterer Unterschied für die Händler: Bei der Zahlung mit PIN-Eingabe gibt es eine Zahlungsgarantie, bei der Zahlung per Unterschrift nicht.

Alle Fachleute - vom Eurohandelsinstitut bis hin zum Zentralen Kreditausschuss der Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft - erwarten, dass die Kartenzahlung in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird. 2008 soll der Anteil bereits bei 40 Prozent liegen. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hat gegen diese Entwicklung nichts einzuwenden. "Eigentlich ist Bargeld lästig", sagt HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. "Uns ist es recht, wenn mit Karte bezahlt wird. Aber die hohen Gebühren ärgern uns. Da müsste es unter Banken und Kartenfirmen mehr Wettbewerb geben."

Bargeldlose Gesellschaft in weiter Ferne

Trotz des Trends zur Karte rechnen alle Experten aber auch damit, dass in Deutschland selbst in einigen Jahren noch vor allem mit Scheinen und Münzen bezahlt wird. "Dazu haben sich die Bundesbürger schon viel zu lange an das Geld im Portemonnaie gewöhnt", meint EHI-Geschäftsführer Gerling. "Wir werden noch lange keine bargeldlose Gesellschaft sein."

Christoph Sator/DPA / DPA
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