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Handel: Barilla mischt Kamps erneut auf

Mit dem Wechsel an der Vorstandsspitze kommt erneut Unruhe auf bei Europas größtem Backkonzern Kamps. Es ist der dritte Wechsel an der Spitze binnen vier Jahren. Insider sehen strategische Probleme.

Bereits nach zwei Jahren räumt der bisherige Vorstandschef Nicos Sophocleous seinen Platz für Wolfgang Keller, bislang Aufsichtsratschef. Seit der Teigwarenhersteller Barilla den Düsseldorfer Backkonzern Kamps 2002 übernommen hatte, ist der 71-jährige Keller bereits der dritte Vorstandschef. Erst im April dieses Jahres musste der damalige Finanzvorstand von Kamps gehen.

Seit Jahren Turbulenzen

Turbulenzen kennt der Backkonzern seit Jahren. "Als wir Kamps 2002 übernommen haben, war das kein Unternehmen, sondern ein Albtraum. In den ersten drei Jahren waren wir mit Restrukturierung beschäftigt. Da ist es normal, dass man Manager austauscht", sagte ein Sprecher der Barilla-Gruppe. Der Vertrag von Sophocleous habe nach zwei Jahren geendet. Er sei für die erste Phase der Restrukturierung verantwortlich gewesen, die nun abgeschlossen sei. "Wir sind überzeugt, dass Keller der richtige Mann für die nächste Phase ist", sagte der Sprecher. Keller kenne die Gruppe sowie die Familie Barilla gut.

"Wir haben das Vertrauen in die Fähigkeit von Wolfgang Keller und in das übrige Managementteam, dass sie exzellente Ergebnisse in Zukunft erzielen werden", sagte Guido Barilla, Chef der gleichnamigen italienischen Holding. Kamps bleibe weiterhin ein wichtiger Teil der italienischen Barilla-Gruppe.

Strategische Probleme

In Branchenkreisen hieß es hingegen, der Backkonzern bekomme seine operativen und strategischen Probleme nicht in den Griff. Die Marktanteile von Golden Toast und Lieken Urkorn hätten sich gegenüber 2001 mehr als halbiert. In den Bäckereifilialen habe es seither kaum Innovationen gegeben.

Hinzu kommen aus Sicht von Brancheninsidern Unkenntnis im Umgang mit dem deutschen Einzelhandel. "Der deutsche Handel ist lokal", hieß es. So hatte Kamps vor einem Jahr Lieferaufträge für etwa 1000 Filialen des Discounters Penny verloren. Und auch in den Supermärkten von Rewe ist Kamps seit geraumer Zeit nicht mehr vertreten. Beides zusammen habe Kamps allein 130 Mio. Euro Umsatz gekostet. Insgesamt erzielte der Kamps-Konzern 2005 rund 1,2 Mrd. Euro Umsatz.

"Der deutsche Handel ist lokal"

Zweifelhaft ist aus Sicht von Brancheninsidern auch der Bau einer Großbäckerei im mecklenburg-vorpommerschen Lüdersdorf. Für diesen Standort habe man sich entschieden, weil es dort öffentliche Zuschüsse gegeben habe. Aus logistischer Sicht mache dies jedoch wenig Sinn, da die Nähe zum Kunden fehle. "Besser wäre eine Produktion bei Hamburg gewesen", hieß es in den Kreisen.

von Kirsten Bialdiga (Düsseldorf) Birgit Dengel (Hamburg) un
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