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HANDEL: Es darf gefeilscht werden

Verbraucherschützer warnen vor verfrühter Freude oder Bazar-Feeling durch den Wegfall des Rabattgesetzes - auch Verkäufer müssen erst das Feilschen lernen. Keine Hoffnung sollte man sich bei bereits reduzierter Ware im SSV machen.

Für das Einkaufen in Deutschland gelten von heute an neue Spielregeln. Seit der Eröffnung der Geschäfte am Morgen können die Kunden beim Einkauf um den Preis feilschen. Nach fast 70 Jahre sind das alte Rabattgesetz und die Zugabeverordnung weggefallen. Damit sind die Beschränkungen bei Preisnachlässen bis drei Prozent und Werbegeschenken ersatzlos gestrichen. Der Kunde darf die Preise frei aushandeln. Der Händler darf ihn mit höheren Rabatten und Geschenken locken.

Kein plötzlicher Preissturz

Doch auch nach dem Wegfall des Rabattgesetzes werden die Produktpreise im Einzelhandel nicht von heute auf morgen umgeschrieben. So lautet zumindest die Einschätzung von Ulf Kalkmann, dem Sprecher des Hamburger Einzelhandelsverbandes. Zunächst wird von den Einzelhändlern beobachtet, welche Rabatte gewährt werden oder gegeben werden müssen. »Erst in der nächsten Kalkulation könnte es zu einem höheren Preisansatz kommen, wenn es die Konkurrenz zulässt«, sagte Kalkmann. Denn geringere Erlöse drücken die Handelsspannen, so dass die Erträge der Händler geringer werden.

Geduld und Nachsicht

Da für beide Seiten - Handel und Kunden - das Aushandeln von Rabatten ein »neues Betätigungsfeld« ist, mahnte der Handelsexperte, die neuen Möglichkeiten auch als Spiel zu sehen. Der Kunde sollte damit rechnen, dass sich sein Rabattwunsch nicht sofort umsetzen lässt. Beide Seiten sollten beim Handeln versuchen, sich in das Gegenüber zu versetzen. Ideal ist, wenn beide als Gewinner daraus hervorgehen, sagte Kalkmann. Der Kunde wäre dann mit dem ausgehandelten Preis zufrieden, und der Einzelhändler käme trotz des gewährten Nachlasses weiterhin über die Runden.

Deutscher Sonderfall

Das seit 1933 nur in Deutschland geltende Rabattgesetz verbot grundsätzlich Preisnachlässe von mehr als drei Prozent. Damit sollte der Verbraucher vor irreführenden Preisen und einer Verwilderung der Wettbewerbssitten geschützt werden. Die Zugabeverordnung begrenzte kostenlose Geschenke beim Kauf auf Kleinigkeiten von geringem Wert.

Keine Chancen im SSV

Im bevorstehenden Sommerschlussverkauf sind nach Angaben des Einzelhandelssprechers keine zusätzlichen Rabatte drin. Die Sommerware wird nämlich bereits mit Preisabschlägen von mehr als 60 Prozent angeboten. Angesichts der langen Durststrecke mit zu kühlen Temperaturen sind die Lager mit Sommerware immer noch gut gefüllt. Der Versuch, noch höhere Preisnachlässe auszuhandeln, ist nach Ansicht des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) hier völlig aussichtslos.

Kein Handeln an der Käsetheke

Auch im Lebensmitteleinzelhandel sieht Kalkmann keine Möglichkeiten zum Feilschen. Angesichts des harten Wettbewerbs in der Branche mit Preiskämpfen nahe am Existenzminimum wird nach seinen Angaben schon jetzt kaum noch Geld verdient. Dagegen ist der Handel auf Rabattgespräche beispielsweise bei Autos, Waschmaschinen oder Möbeln vorbereitet.

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