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Haribo-Chef Hans Riegel Der Herr der Goldbären ist tot

Auch mit 90 Jahren hatte er die Zügel seiner Firma fest in der Hand, kam fast täglich ins Büro - und erfand noch so manch leckeren Verkaufsschlager. Jetzt ist Haribo-Chef Hans Riegel gestorben.

Der Süßwarenfabrikant und Seniorchef von Haribo, Hans Riegel, ist tot. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers starb der 90-jährige Unternehmer und Sohn des Haribo-Gründers am Dienstag. Riegel hatte sich im vergangenen Juli einer Hirnoperation unterziehen müssen, bei der ein gutartiger Tumor entfernt worden war. Die Operation verlief nach Angaben des Unternehmens erfolgreich. Riegel sei während der Rehabilitation einem Herzversagen erlegen, sagte der Sprecher.

Riegel war der älteste Sohn des gleichnamigen Haribo-Gründers Hans Riegel und galt als einer erfolgreichsten Familienunternehmer der Nachkriesgzeit. Rekordverdächtige 67 Jahre stand er an der Spitze des Süßwarenkonzerns. Unter Führung des Rheinländers und Wahl-Österreichers wurde der einst kleine Familienbetrieb zu einem weltweit tätigen Unternehmen mit Gummibärchen als unverwechselbarer Marke.

Die zwei Brüder machten aus Haribo einen Weltkonzern

Der Firmenname Haribo leitet sich von den dem Namen des Gründers und dem Firmensitz ab, Hans Riegel Bonn. Haribo wurde durch Gummibärchen bekannt, der Slogan "Haribo macht Kinder froh und Erwachsene ebenso" gehört zu den bekanntesten Werbesprüchen der Bundesrepublik.

Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Paul, der 2009 starb, baute Hans Riegel nach dem Zweiten Weltkrieg die elterliche Firma wieder auf. Während Paul sich um die Produktion kümmerte, war Hans Riegel zuständig für Versand und Marketing. Gleichzeitig studierte er Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bonn und legte 1951 seine Promotion ab.

Bis kurz vor seinem Tod war Hans Riegel die bestimmende Person bei Haribo, kümmerte sich akribisch um Details und Neuerungen. So entschied er nicht nur, welche Gummitierchen-Idee der nächste Renner in den Supermärkten würde, sondern dachte sich die Neuheiten bis zuletzt noch immer selbst aus. Die schwarz-weißen Schaumgummi-Pandas und die Ingwer-Zitrone-Fruchtgummis - zwei der jüngeren Verkaufsschlager - soll der Boss höchstselbst erfunden haben.

Mit 90 Jahren noch beinahe täglich im Büro

Anlässlich seines 90. Geburtstags im März hatte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" geschrieben, Hans Riegel setze sich immer noch beinahe täglich hinter den Chef-Schreibtisch in der Bonner Konzernzentrale. Nur den Montag nehme sich der passionierte Jäger gern frei, um ein verlängertes Wochenende auf seinem Landgut in der Steiermark zu verbringen. Die "Wirtschaftswoche" zitierte in ihrer Würdigung die langjährige Sekretärin des Gummibärchen-Bosses mit den Worten: "Hier im Büro spult er auch mit 90 Jahren noch sein Programm ab wie ein junger Hüpfer."

Riegel galt als eigenwillig. Alle Investitionen zahlte er aus der Portokasse der Firma. Sich bei Banken Kredite geben zu lassen, war für ihn tabu. Gegründet 1920 von Riegels Vater ist Haribo trotz der mehr als 6000 Mitarbeiter, 15 Fabriken und einem geschätzten Umsatz von rund zwei Milliarden Euro noch immer ein Familienunternehmen. Etwa die Hälfte der Mitarbeiter ist in Deutschland beschäftigt.

"Mr. Haribo" trat nur selten in der Öffentlichkeit auf. "Ich war nie ein Mensch, der den großen Auftritt sucht", sagte Riegel wenige Wochen vor seinem Tod der Nachrichtenagentur DPA.

Hans Riegel hat keine Nachkommen. Neben ihm standen seit 2010 zwei Neffen mit an der Spitze des Familienunternehmens. Sein hälftiger Anteil am Unternehmen fließt nach seinem verfügten Willen in eine Privatstiftung, die für den Fortbestand von Haribo als Familienfirma wirken soll.

anb/DPA DPA

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