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Haribo-Chef auf der Intensivstation: Bangen um den Gummibärchen-König

Auch mit 90 Jahren bestimmt Hans Riegel noch, welche Gummitierchen auf den Markt kommen. Nun kämpft Mr. Haribo mit einem Hirntumor. Was wird aus dem milliardenschweren Familienunternehmen?

Von Daniel Bakir

Hans Riegel ist einer der ungewöhnlichsten Firmenpatriarchen dieses Landes. Seit 67 Jahren herrscht Mister Haribo von Bonn aus über sein Imperium aus Lakritzschnecken und Fruchtgummis. 90 Jahre ist er mittlerweile und doch hat er die Zügel noch fest in der Hand. Er entscheidet nicht nur, welch absurde Gummitierchen-Idee der nächste Renner in den Supermärkten werden soll - er denkt sich die Neuheiten sogar immer noch selbst aus. Die schwarz-weißen Schaumgummi-Pandas und die Ingwer-Zitrone-Fruchtgummis - zwei der aktuellen Verkaufsschlager - soll der Boss höchstselbst erfunden haben. Was wäre dieses Unternehmen nur ohne ihn und sein Näschen für das, was Kinder und Erwachsene froh macht?

Die Frage ist leider nur zu aktuell. Denn der König der Goldbären ist schwer erkrankt. Wie die "Bild" berichtet, soll sich Hans Riegel wegen eines Hirntumors seit drei Wochen in der Bonner Uniklinik aufhalten. Zudem sollen Anzeichen von Alzheimer festgestellt worden sein. Am Dienstag wollen die Ärzte versuchen, den Tumor herauszuschneiden. Ein mehrstündiger Eingriff am Kopf stehe bevor. Ein Haribo-Sprecher bestätigte den bevorstehenden Eingriff, wies eine Alzheimer-Erkrankung aber zurück. Bei einem normalen Operationsverlauf könne Riegel das Krankenhaus zum Wochenende wieder verlassen.

Natürlich geht es nun in erster Linie um die persönliche Gesundheit von Hans Riegel. Alle aus seinem Umfeld hoffen, dass der umtriebige Senior-Chef die Operation gut übersteht. Doch es geht auch um mehr. Die Frage von Hans Riegels persönlichem Wohlergehen ist unmittelbar verknüpft mit der Zukunft der Firma. Denn trotz mehr als 6000 Mitarbeitern, 15 Fabriken, und einem geschätzten Umsatz von rund zwei Milliarden Euro ist Haribo immer noch ein Familienunternehmen. Gegründet 1920 von Hans Riegel senior, der sich mit seinen Initialen im Firmennamen verewigte - Haribo steht für Hans Riegel Bonn.

Ein exzentrischer Patriarch

Der älteste Sohn Hans Riegel junior übernahm 1946 gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Paul die Leitung vom verstorbenen Gründer. Bruder Paul starb 2009. Junggeselle Hans junior hat keine Kinder, denen er seinen Spürsinn für neue Naschereien vererben könnte. Immerhin hat der exzentrische Alleinherrscher nach langem Zögern - und zahlreichen vergraulten Managern - 2010 einen Teil seiner Macht abgegeben. Mit den vier Kindern des verstorbenen Bruders einigte sich der als autoritär geltende Hans Riegel auf eine neue Eigentümerstruktur. Die Geschäftsführung teilt er sich nun mit dem Neffen Hans Guido Riegel, der für Technik und Produktion zuständig ist.

Vertrieb und Marketing blieb Chefsache von Hans Riegel, der sich von Kinderkanal und Bravo für neue Kreationen inspirieren lassen soll. Die Methoden des Gummibärchen-Königs mögen nicht gerade den Leitlinien modernen Managements entsprechen, doch sie haben sich seit Jahrzehnten bewährt. Zu den Eigenwilligkeiten des promovierten Wirtschaftswissenschaftlers zählt auch, dass er alle Investitionen aus der Portokasse der Firma bezahlt. Sich bei Banken Kredite geben zu lassen, ist für ihn tabu.

Anlässlich seines 90. Geburtstags im März schrieb die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", Hans Riegel setze sich immer noch beinahe täglich hinter den Chef-Schreibtisch in der Bonner Konzernzentrale. Nur den Montag nehme sich der passionierte Jäger gerne frei, um ein verlängerte Wochenende auf seinem Landgut in der Steiermark zu verbringen. Die "Wirtschaftswoche" zitierte in ihrer Würdigung die langjährige Sekretärin des Überbosses mit den Worten: "Hier im Büro spult er auch mit 90 Jahren noch sein Programm ab wie ein junger Hüpfer." Es bleibt Hans Riegel und Haribo zu wünschen, dass es damit noch nicht vorbei ist.

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Daniel Bakir