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Heinz Bauer: Keine Lust auf Scheinwerferlicht

Heinz Bauer gilt als der rätselhafteste Verleger der deutschen Medienlandschaft: Der mächtige Patriarch des Heinrich Bauer Verlags verdient sein Geld mit unzähligen Regenbogen-Blättern und Sex-Postillen - doch über ihn selbst weiß man wenig.

Der medienscheue Hamburger Verleger gilt als überaus sparsam, streng protestantisch und konservativ und feiert dieser Tage den 65. Geburtstag. Folgt Bauer dem Beispiel seines Vaters, der bis zu seinem Tod 1984 das Familienunternehmen mitführte, dürfte von Ruhestand noch längst keine Rede sein. Zuletzt landete der extrem medienscheue Heinz Bauer vor zwei Jahren in den Schlagzeilen. Im monatelangen Übernahmepoker um die insolvente Kirch Media hatte es lange so ausgesehen, als würde Bauer den Zuschlag erhalten. Das Geschäft wurde abgesagt, als der amerikanische Medienunternehmer Haim Saban einen höheren Kaufpreis bot.

Etliche abgebrochene Projekte

Die geplatzte Kirch-Übernahme war nicht das einzige abgebrochene Bauer-Projekt der letzten Jahre. Der Versuch, mit dem Nachrichtenmagazin "Ergo" Leser von "Spiegel" und "Focus" zu gewinnen, scheiterte 1996 schon im Planungsstadium. Auch aus Bauers Vorhaben von vor einem Jahr, den seriösen Berliner "Tagesspiegel" zu erwerben, wurde nichts. Damals wurde vermutet, er wolle das Blatt für seine vier Töchter kaufen, die alle in der Medienbranche arbeiten.

Dass der Bauer Verlag auch in Zukunft ein reines Familienunternehmen bleiben wird, steht außer Frage. Von Fremdkapital oder einem Börsengang wollte Heinz Bauer nie etwas wissen. Er führt das 1875 zunächst als Druckerei gegründete Unternehmen bereits in der vierten Generation. 1958, mit nicht einmal 20 Jahren, trat der gelernte Schriftsetzer und Buchdrucker in das Unternehmen ein. Fünf Jahre später übernahm er offiziell die Leitung.

Vorwurf der Einfallslosigkeit

Schon immer basierte der Erfolg des stetig wachsenden Unternehmens weniger auf selbst entwickelten Zeitschriften als auf der geschickten Übernahme von Titeln. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Kritiker werfen Heinz Bauer deshalb Einfallslosigkeit vor. Die Publikationen des Verlags, darunter die "Neue Revue", "Bravo" oder die zahlreichen Programmzeitschriften, gelten allgemein als "journalistisches Fast-Food", vom Skandalblatt "Coupe" ganz zu schweigen. Auch am Fernsehsender RTL II ist Bauer beteiligt. Heute veröffentlicht die Bauer Verlagsgruppe 120 Zeitschriften in 13 Ländern, davon allein 35 in Deutschland. Im Jahr 2002 wurde ein Umsatz von 1,7 Milliarden Euro erzielt.

Über den privaten Heinz Bauer ist nur wenig bekannt. Seit einem Schicksalsschlag 1988, als sein erst fünf Jahre alter Sohn an Leukäumie starb, fördert er mit namhaften Summen die Krebsforschung. Mit seiner Frau Gudrun teilt er die Leidenschaft fürs Fliegen. Dass seine Journalisten möglichst alles über Prominente in Erfahrung bringen müssen, während er sehr zurückgezogen lebt, ist für ihn kein Widerspruch: "Wer nicht möchte, dass er dauernd im Scheinwerferlicht der Medien erstrahlt, der kann das auch erreichen", sagte er einmal der "Welt" in einem seiner seltenen Interviews.

Lisa Arns, AP / AP
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