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Heinz-Horst Deichmann: "Ein Unternehmen muss den Menschen dienen"

Europas größter Schuhhändler Deichmann betont die soziale Verpflichtung des Eigentums und geht gleich mit gutem Beispiel voran: Der Christ gibt Millionen für die Armen der Dritten Welt.

Unternehmer und Manager dürfen sich nach Meinung des größten europäischen Schuhhändlers Heinz-Horst Deichmann bei der Unternehmensführung nicht nur am Gewinn orientieren. "Ein Unternehmen muss den Menschen dienen", sagte der bekennende Christ. Es müsse den Kunden dienen, aber auch den Mitarbeitern. Es sei ein Fehler wenn Unternehmen nur auf die Kosten guckten und die Mitarbeiter vergäßen. "Das rächt sich. Das tut der ganzen Gesellschaft nicht gut."

Start als kleiner Schusterladen in Essen

Der heute 77-jährige Deichmann hat aus einer kleinen Schuhmacherei in Essen-Borbeck Europas größten Schuhhändler mit 1.900 Filialen in elf Ländern und 20.000 Mitarbeitern gemacht. Jeder fünfte Schuh, der in Deutschland verkauft wird, stammt inzwischen von Deichmann.

Geld war nicht Selbstzweck

Doch dieser erstaunliche Erfolg war für den Christen nicht Selbstzweck. Mit dem Geld das er verdiente, finanzierte er nicht nur die rasante Expansion des Unternehmens, quasi nebenbei schuf er das Missionswerk "Wort und Tat", das in Indien und Tansania Schulen und Krankenhäuser betreibt und jährlich rund 80.000 Menschen unterstützt. Wie viele Millionen aus seinem Vermögen er dafür gespendet habe, wisse er selber nicht, sagt Deichmann. "Im Jahr ist die untere Grenze wohl fünf Millionen Euro. Es können aber auch zehn Millionen sein - je nach Bedarf."

Soziales Engagement ist selbstverständlich

Das soziale Engagement ist für ihn selbstverständliche Verpflichtung, die sich aus seinem Glauben ergibt. Doch es macht ihm auch Freude. "Wenn sie die Leute sehen, wie sie da leben in den Schulen, den neuen Häusern, die wir gebaut haben, dann ist das viel befriedigender, als wenn ich mir ein Loire-Schloss nachgebaut hätte. Das hat mich nie gereizt", sagte er. Erst kürzlich war der 77-jährige mit seiner Frau wieder zwei Wochen in Indien, um die Hilfsprojekte zu besuchen. Die Verkündung des Evangeliums ist ihm dabei ein Herzensanliegen. Aber: "Das kann man nicht tun, ohne diese sozialen Aktivitäten. Da käme ich mir komisch vor."

Vorbildliche Sozialleistungen

Doch nicht nur in der Dritten Welt will Deichmann seiner sozialen Verantwortung gerecht werden. "Ich bin immer noch in Deutschland steuerpflichtig. Ich habe nicht Steuerflucht begangen", sagt er. Und auch in der Firma soll der Glaube den Umgang prägen, meint Deichmann. "Das wäre schlimm, wenn ich jetzt im Geschäft bekannt wäre als einer, der die Leute ausnutzt, der die Leute rausschmeißt, Stellen beschneidet und so weiter." Stattdessen bilde das Unternehmen mehr Lehrlinge aus, als eigentlich geplant. Und biete vorbildliche Sozialleistungen. Erst kürzlich habe ihm ein Mitarbeiter erzählt er habe 36 Auszubildende eingestellt statt der geplanten 24. "Ich habe gesagt, gut dass ihr das gemacht habt. Das sind unsere späteren Führungskräfte", erzählt Deichmann.

"Was ist Ruhestand?"

Die Unternehmensleitung hat der 77-jährige inzwischen an seinen Sohn Heinrich Deichmann übergeben. Doch an einen völligen Rückzug denkt er nicht. "Ich bin nun alt genug, dass ich in den Ruhestand gehen könnte, aber ich kenne das nicht. Was ist Ruhestand?", sagt er. So reist er weiterhin quer durch Deutschland und Europa, um Deichmann-Filialen zu besuchen und mit den Mitarbeitern zu reden. "Der enge Kontakt zu den Leuten, dieses menschliche Verhältnis ist entscheidend. Das man den Mitarbeitern Vertrauen entgegenbringt", sagt er.

Erich Reimann / DPA