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Heizen: Wie man Heu zu Geld macht

Landwirt Erich Renz heizt mit Heu. Seine Anlage in Sonnenbühl auf der Schwäbischen Alb könnte wegweisend für viele Landwirte sein. Denn immer mehr Wiesen liegen brach, weil immer weniger Kühe gehalten werden.

Von Mathias Rittgerott

Erich Renz, 56, zeigt zufrieden auf den Kamin seiner Heizungsanlage: Nichts ist zu sehen. "Sehen Sie, da kommt kein dreckiger Rauch raus!" Landwirt Renz verfeuert Heu. Seine Anlage auf seinem Hof in Sonnenbühl auf der Schwäbischen Alb wird als "Bundesmodell" wissenschaftlich von der Universität Stuttgart-Hohenheim begleitet und könnte wegweisend für viele Landwirte sein. Denn allein in Baden-Württemberg gibt es über 100.000 Hektar Wiesen und Grünland, für die keiner mehr Verwendung hat, weil immer weniger Kühe gehalten werden - Tendenz steigend.

Bauer Renz besitzt 120 Hektar Grünland. Vor 20 Jahren hat er ein Drittel davon zu einem Golfplatz gemacht. Auf den übrigen 88 Hektar produzierte er Futterheu. "Aber der Markt gab kaum was her. Niemand braucht Ökoheu." Als ihm Dauerregen die Heuernte vermasselt hat, suchte Renz nach Alternativen - und entdeckte die Heuverbrennung.

"Gras wächst immer, ich muss es nur ernten." Sogar verregnetes Heu kann er verfeuern, wenn es getrocknet wurde. Im Dezember 2004 stellte er seine Ölheizung auf Heu um. Der Brenner kam in einem grünen Container. In dem Provisorium steht die Anlage noch immer, Renz würde sie aber nicht mehr hergeben. "Ich bin davon total überzeugt. Die Technik funktioniert und ist mit Stroh als Brennstoff seit 15 Jahren in Dänemark erprobt. Alle Abgas-Vorschriften werden dank neuer Filter erfüllt", betont er.

Das Heu beheizt mehrere Gebäude

Im Winter schickt Renz über ein Förderband täglich zwölf Ballen Heu von der Scheune in den Ofen, wo sie bei 900 Grad verbrennen und das Clubhaus der Golfanlage, Restaurant, Shop, Büros, Werkstatt und zwei Wohnungen mit Wärme versorgt. Ganz langsam wandern die Ballen über das Band; der Ofen fordert automatisch Nachschub an. Ein Häcksler schneidet das Heu klein, bevor es verbrannt wird. Die anfallende Asche verwendet Renz als Dünger. Vor dem grünen Container hat die Asche den Schnee schwarz gefärbt. "Mehr Dreck haben wir nicht, das ginge auch nicht wegen der Golfgäste", sagt Renz. Im Sommer genügen fünf Ballen, um das Wasser zu erwärmen. "Jeden Tag muss ich eine halbe bis dreiviertel Stunde Heuballen aufs Förderband legen", erklärt Renz: "Aber ich bin ja sowieso auf dem Hof."

Pro Jahr verheizt der Landwirt 85 Tonnen Heu. Ein 24-Kilo-Ballen ersetzt sieben bis neun Liter Heizöl. "Aufs Jahr gerechnet spare ich bis zu 15.000 Euro Öl", freut sich Renz. Bauer Renz fühlt sich als Pionier. Die Heuverbrennung habe Zukunft, weil viele Landwirte nicht wüssten, wohin mit ihrem Heu. Nachteil: "Man benötigt Platz, um die Heuballen zu lagern." Renz hofft, irgendwann auch sein Wohnhaus mit Heu heizen zu können. Doch die Technologie sei noch nicht so weit: "Es fehlt eine Maschine, die Heu zu Pellets presst, so dass ich sie im Keller lagern kann."

"Das wird noch zehn Jahre dauern", sagt Hans Oechsner von der Universität Stuttgart-Hohenheim, der die 40.000 Euro teure Versuchsanlage betreut. "Aber die heutige Technologie könnte sehr gut auf andere Betriebe übertragen werden, vor allem wenn der Wärmebedarf groß ist, etwa bei Schulen. Stroh und Heu aus der Landschaftspflege gibt es genug." Wiesen müssen auch gemäht werden, wenn der Landwirt keine Kühe mehr im Stall hat, sonst verbuschen sie und werden schließlich zu Wald. "Was liegt näher, als damit einen Teil unseres Energiebedarfs zu decken", so Oechsner. Noch sind Heuverbrennungsanlagen rar. Sie sind teuer, weil sie Einzelfertigungen sind. Und noch kaum bekannt.

Heizen mit Weizen

Landwirt Heiner Storz, 50, baute jahrzehntelang Getreide an. "Ein hochwertiges Produkt, das keiner kaufen wollte", klagt Storz. "Das hat einfach keinen Spaß mehr gemacht, beim Preis ständig untergebuttert zu werden. Es ist doch unglaublich, dass gepresstes Sägemehl doppelt so teuer ist wie Weizen." Jetzt ist Storz wieder gern Landwirt: Im Dorf Hausen bei Rottweil hat er mit sieben Kollegen die "Biomasse Hausen GmbH" gegründet. Die acht Bauern haben einen Vertrag mit den Stadtwerken ENRW geschlossen. "Wir liefern in den nächsten 15 Jahren das Substrat für die neue Biogasanlage der Stadtwerke und produzieren CO2-neutrale Energie!"

Hausen ist ein Sonderfall. Seit 15 Jahren wird das Dorf und die Schule über ein Fernwärmenetz versorgt, betrieben mit Erdgas. Jetzt soll das Netz auf Biogas umgestellt werden. Die Bürger des Ortes hatten sich in einem 73-seitigen Gutachten für Biogas ausgesprochen, aus Umweltgründen und weil es den Landwirten im Dorf das Einkommen sichert. "Das hat gleich zwei Vorteile für uns: Wir können unsere Flächen weiter bewirtschaften und es gibt keinen Wildwuchs auf den Feldern", sagt der Geschäftsführer der GmbH, Nebenerwerbslandwirt Hermann Alf, 49.

Keine Gentechnik, keine Monokulturen

Die Biogasanlage ist zwar noch nicht fertig, doch die Bauern haben schon begonnen, Pflanzen dafür anzubauen: "Im Mai ernten wir Kleegras und Gras", erläutert Storz: "Ab Juli folgen Weizen, Triticale (eine Weizen-Roggen-Kreuzung) und Mais." Der Landwirt versichert: "Wir machen nichts mit Gentechnik! Aber auch keine Monokulturen! Unsere schöne Landschaft wird sich nicht ändern." Es sei genau geregelt, wer wie viel von welcher Frucht anbaut. Auf einer Landkarte hat Storz farbig angemalt, wo was angebaut wird. Die Karte ist bunt, hat nichts Eintöniges.

Die Landwirte von Hausen bewirtschaften zusammen 270 Hektar. Viele ihrer Parzellen sind nur handtuchgroß. Die haben sie zusammengelegt, um sie besser bestellen zu können: "Ich bin fasziniert, wie gut wir miteinander arbeiten", schwärmt Alf. Eine Arbeitsform, die ihm viel besser gefällt als das klassische Einzelkämpfertum der Landwirte. Vor einigen Jahren riet Storz seinem Sohn noch ab, Bauer zu werden. Jetzt sieht er wieder Chancen. "Als Energieerzeuger hat der Beruf wieder eine echte Perspektive."

Kohle machen mit Biogas

Albert Eberhart, 44, hat 1999 auf seinem Hof in Geislingen die erste Biogasanlage gebaut. Seit Juni läuft die zweite und weit größere Anlage, die er gemeinsam mit Nachbarn errichtet hat. Ausgelegt ist sie für 500 Kilowattstunden Strom und ebenso viel Wärme. Der Strom geht ins Netz. Mit der Wärme will ein Brennholzproduzent zukünftig sein Holz trocknen.

"Die Erfahrung mit der kleinen Anlage war ein Riesenvorteil. Die große lief nach einem Monat schon rund." Bei der komplexen Technik keine Selbstverständlichkeit. "Man muss technikbegeistert sein, um eine Biogasanlage selbst zu bauen und betreiben", unterstreicht er: "Bei einer Investition von einer Million Euro darf nichts schief gehen."

"Ein Landwirt sollte mehrere Standbeine haben"

Stolze 100 Hektar Grünland und 160 Hektar Mais sind nötig, um den Betrieb am Laufen zu halten. "Vom Getreide konnte ich nicht leben. Da hat nur die Prämie von der EU was gebracht", erzählt er. Die Lebensmittelproduktion will er dennoch nicht ganz aufgeben. "Die wird weiter zwei Drittel der Fläche beanspruchen. Ein Landwirt sollte mehrere Standbeine haben, nicht nur die Energie." Seine Schweinemast (600 Tiere) will er auslaufen lassen, weil er in einen neuen Stall investieren müsste.

Genmais kommt bei Eberhart nicht auf den Acker, weil er "keine ökonomischen Vorteile hat und schnell anfällig wird für Schädlinge und Krankheiten". Eine Mais-Monokultur will er auch nicht. "Sonst kommt der Maiswurzelbohrer, und gegen diesen Schädling ist man machtlos."

Bauern seien ein wichtiger Schlüssel, um die Energieprobleme der Zukunft zu lösen, davon ist Eberhart überzeugt. "Wir können als Einzige Energie produzieren, die CO2 verbraucht und nicht freisetzt. Um einen Hektar Ackerland zu bestellen, verbrauche ich 80 Liter Diesel für den Traktor. Mit dem Biogas von diesem Hektar ersetze ich aber 6000 Liter Heizöl."

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(