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Gefährliche Betrugsmasche: Kriminelle klauen Tausende Identitäten - und eröffnen damit illegale Online-Shops

Erst klauen sie deine Identität, dann betreiben sie kriminelle Geschäfte in deinem Namen. Der NDR hat 250 Fälle recherchiert, in denen Betrüger die Namen von Ahnungslosen für ihre Machenschaften nutzen.

Betrüger nutzen gestohlene Identitäten, um illegale Online-Shops zu eröffnen

Betrüger nutzen gestohlene Identitäten, um illegale Online-Shops zu eröffnen

Haben Sie in letzter Zeit bei einem Online-Shop eingekauft? Dann sind Sie möglicherweise mittlerweile selbst Besitzer eines solchen. Über den verkaufen Sie gefälschte Markenware und in den USA liegt ein Haftbefehl gegen Sie vor. Sie meinen, das kann nicht sein? Sie haben mit solchen Geschäften nichts zu tun? Aber warum steht dann Ihr Name im Impressum des kriminellen Webshops?

Der Internet-Handel mit gefälschten Markenprodukten hat Konjunktur. Um nicht belangt zu werden, eröffnen viele Betrüger Online-Shops unter fremder Identität. Die Betroffenen ahnen in der Regel nichts davon, dass unter ihrem Namen kriminelle Geschäfte abgewickelt werden. Der "NDR" hat nun 250 Opfer von Identitätsdiebstahl aus Deutschland und Europa recherchiert.

So wurde beispielsweise Tätowierer René W. aus Neubrandenburg unfreiwillig Besitzer eines Online-Shops für gefälschte Markenbrillen. Der Tätowierer hatte zwar noch nie von diesem Shop gehört. Aber da der kriminelle Marktplatz auf seinen Namen angemeldet war, ist er juristisch dafür verantwortlich. Und das kann teuer werden.

Festnahme am Flughafen

Laut "NDR" wurden Betroffene in vergleichbaren Fällen bereits aufgefordert, zwei Millionen Euro Schadensersatz zu zahlen. Wenn es blöd läuft, kann man sogar im Gefängnis landen. Nämlich dann, wenn man in den USA verurteilt wird, ohne davon etwas mitzubekommen. "Viele US-Urteile werden mit einem Haftbefehl vollstreckt, die Beschuldigten werden aber nicht immer informiert", sagt der Hamburger Rechtsanwalt Klaus Lodigkeit dem "NDR". Reist man in einem solchen Fall in die USA ein, wird man direkt am Flughafen festgenommen.

Um an die Identitäten zu kommen, eröffnen manche Betrüger erst einmal einen ganz normalen Online-Shop. Wer dort bestellt, gibt seine persönlichen Daten preis, mit denen die Kriminellen kurz darauf einen neuen Shop gründen. Andere Identitäten besorgen sich die Betrüger über Trojaner und Phishing-Mails.

Wer bemerkt, dass seine Identität gestohlen und missbraucht wurde, sollte Strafanzeige stellen, um zu dokumentieren, dass er mit dem Online-Shop nichts zu tun hat. Auch René W. hofft, auf diese Weise nicht für den Handel mit den gefälschten Brillen belangt zu werden.



bak