Ikea "Billy" ist ein Prignitzer


In einem der hintersten Winkel Brandenburgs gibt es eine kleine Stadt mit kaum 3000 Einwohnern, deren Bürger reichlich Arbeit haben. Aus Prignitz kommt "Billy", das berühmte Ikea-Regal.

Seit 1971 arbeitet der Hersteller Meyenburger Möbel mit dem schwedischen Möbelhaus zusammen, damals als Volkseigener Betrieb VEB. Und seit Ende der 70er Jahre wird "Billy" hier produziert, zumindest die Regale, deren Spanplatten mit Holzdeckblättern furniert werden. Für diese Regale gibt es weltweit laut Ikea nur noch zwei oder drei weitere Produzenten. Die Regale mit einem glatten Folienüberzug liefern andere.

Dietmar Gornig, Geschäftsführer der Meyenburger Möbel GmbH, beschreibt die Erfolgsgeschichte des Unternehmens: Vor der Wende 450 Mitarbeiter, danach 145, heute wieder 375 Kollegen im Drei-Schicht-Betrieb. In Brandenburg lag die Erwerbslosenquote im Juni bei 17,8 Prozent. Gornig sagt: "In Meyenburg ist das Thema Arbeitslosigkeit unbedeutend." In der Hauptstraße sind Häuser frisch gestrichen. Das ist in der Mark nicht immer üblich. An einem Schild steht: "Letzter Juwelier vor der Autobahn".

Abhängig von den Schweden

Es ist ein flaches, leicht gewelltes Land hier: Getreidefelder, kräftige, grüne Wiesen und Wäldchen. In solch einem Wellental liegt auch der strahlend weiße, flache Bau des Möbelbauers. "Meyenburger ist einer der wichtigsten Ikea-Lieferanten in Deutschland", sagt Sabine Nold, Ikea-Sprecherin. Sechs Prozent der weltweit angebotenen Ikea-Produkte würden in der Bundesrepublik hergestellt. Und Meyenburger stellt 150 Einzelartikel für den schwedischen Möbelgiganten her.

Die Abhängigkeit von den Schweden stört Gornig nicht. "Ein hoher Anteil" seiner Produktion ist für Ikea. "Es ist ein hartes Geschäft. Wir haben eine straffe Kostensituation." Aber er sagt mit Blick auf die Nachwendezeit: "Ikea hat uns fit gemacht." Deutschland ist für Ikea weltweit der wichtigste Markt. Während die deutschen Möbelhersteller zuletzt ein leichtes Umsatzminus verbuchten, baute Ikea Deutschland 2004 die Erlöse um 12 Prozent auf 2,49 Milliarden Euro aus. Gewinnzahlen werden nicht genannt. Meyenburger Möbel gibt keinen Umsatz an.

Alle tragen rote Polo-Hemden

Die Produktionshallen und das Lager in Meyenburg sind 40.000 Quadratmeter groß. Einige Angestellte, die alle rote Polo-Hemden tragen, fahren mit dem Fahrrad durch die Hallen. Zwei Frauen stehen an einem etwa zwei Meter breiten Laufband gegenüber. Eine Spanplatte läuft darüber, eine Walze überzieht die Platte mit Kleber. Später werden aus dem Stück zwei "Billy"-Seitenteile.

Die Frauen nehmen von einem Stapel ein Furnier, fassen es an den kurzen Seiten und legen es zwischen sich. Die Maschine spuckt die Spanplatte aus. Sie passt genau auf den dünnen, blättrigen Furnierbogen. Synchron heben sie das nächste dünne Deckblatt aus Holz darüber. Ein seltsames Ballett mit immer gleichen Bewegungen. Die Arbeiterinnen können sich nicht unterhalten, die Maschinen sind laut.

Von Prignitz nach Europa, Nordamerika und Asien

Es ist auch heiß. Die frisch furnierten Platten laufen über die Rollen der Maschinenstraße in einen Press-Ofen mit mehr als 100 Grad Celsius. Anschließend kommen noch Furnierstreifen an die schmalen Kanten der Platte, Löcher für die Regalbretthalterungen. Maschinen schleifen, fräsen, sägen und lackieren.

Mit perfekten Handgriffen füllen schließlich eine Hand voll Leute die Kartons. Einer packt die Seitenwände, einer die Einlegeböden, einer die Fußleiste mit der Beschreibung und der Tüte mit den Steck- und Schraubteilen.

In drei Schichten einer Tagesproduktion werden hier nach Ikea-Angaben bis zu 100.000 Einzelteile gefertigt. An einem Tag werden in Meyenburg in 24 Stunden bis zu 20 Lastwagen-Container mit Ware beladen. Und dann geht §Billy", der ein Prignitzer ist, auf die Reise in die blau-gelben Häuser Europas und manchmal auch nach Nordamerika oder Asien.

Matthias Schröter/DPA


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