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Ikea-Gründer Kamprad: Milliardär dank Billy-Regalen

Gerade rechtzeitig zum 80. Geburtstag am 30. März hat sich Ikea-Gründer Ingvar Kamprad auf der Liste der Allerreichsten vom sechsten auf den vierten Platz verbessert.

Dass der Verkäufer von all den Billy-Regalen und anderen mehr oder mitunter minder leicht zu montierenden Möbelstücken vom US-Magazin "Forbes" auf umgerechnet 23 Milliarden Euro geschätzt wird, dürfte den Schweden selbst kaum beeindrucken. Kamprad fährt nach wie vor zweiter Klasse mit der Bahn, sucht immer geduldig nach kostenfreien Parkplätzen und lässt sich die Haare in seinem Schweizer Domizil Waadtland von Ehefrau Margaretha schneiden. Der Friseur ist ihm zu teuer.

Als der einstige Tischlerlehrling Anfang dieses Jahres Russland bereiste, um die dort geplante Ikea-Expansion weiter voranzubringen, staunten mitreisende Reporter über einen "Arbeitstag zwischen 18 und 24 Stunden". So muss der Enkel sächsischer Einwanderer wohl auch geschuftet haben, als er 1943 mit gepumpten 300 Kronen (heute 33 Euro) einen kleinen Versandhandel startete. Er gab ihm den Namen Ikea nach den Anfangsbuchstaben seines Vornamens und Nachnamens sowie des Geburtsortes Elmtaryd bei Agunnaryd.

Nach dem ersten Katalog 1948 für importierte Artikel wie Kugelschreiber, Gemüsesamen, Uhren sowie auch Möbel ging es Stufe für Stufe bergauf. In den fünfziger Jahren versorgte Kamprad seine Landsleute im sozialdemokratisch geprägten schwedischen "Folkhem" ("Volksheim") mit dazu passenden preisgünstigen Möbeln und konnte 1963 das erste ausländische Möbelhaus in Oslo eröffnen.

Siegeszug um die Welt

Der jetzt einsetzende Siegeszug über die ganze Welt hat bisher zu 231 Möbelhäusern in 33 Ländern, fast 100.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 14,8 Milliarden Euro (2005) geführt. Über seine Gewinne braucht der Ikea-Chef keine Auskunft zu geben und tut es auch nicht. Mit 19 Prozent des Umsatzes ist Deutschland das mit Abstand wichtigste Land für den schwedischen Konzern.

Dass Kamprad zu Deutschland in den vierziger Jahren auch als aktiver Jung-Nazi ein besonderes Verhältnis hatte, kam erst Mitte der neunziger Jahre ans Licht. Kamprad nannte diese Zeit die "größte Dummheit" seines Lebens und schrieb eine mehrseitige handschriftliche Entschuldigung an alle Ikea-Beschäftigten.

Schwieriges Verhältnis zum Nachwuchs

Als ihn ein Reporter der Stockholmer Zeitung "Expressen" nach dem bekanntermaßen schwierigen Verhältnis zu seinen drei Söhnen sowie einer Tochter im Alter zwischen Mitte dreißig und Anfang vierzig fragte, brach Kamprad in Tränen aus: "Manchmal bin ich doch etwas verzweifelt darüber, wie die Kinder aufgewachsen sind." Diese Verzweiflung hinderte den Vater aber nicht, seinen Nachfahren immer mal wieder öffentlich die Fähigkeiten zur Übernahme der Konzernführung abzusprechen.

Als durchaus "harter Hund" erwies sich Kamprad unter anderem auch gegenüber Gewerkschaften und beim Einsatz billiger osteuropäischer Zulieferer schon Anfang der sechziger Jahre. Mehr Schlagzeilen aber machten Kamprads verblüffende und ehrlich wirkenden persönlichen Bekenntnisse, so zu seiner ausgeprägten Lese- und Schreibschwäche (Dyslexie) und zum ewigen Kampf gegen den Dämon Alkohol: "Ich mag Whisky und Wein sehr. Aber ich muss Pausen machen, sonst wird das ein Problem, und ich trinke einfach immer weiter." Zum 80. Geburtstag hat sich Kamprad alle Feiern und Glückwünsche verbeten.

DPA, AP / AP / DPA
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