Ikea-Streit Die Butter ist den Bauern heilig


Die deutschen Landwirte empören sich: Wie kann es der Möbelhersteller Ikea wagen, ein Pfund Butter für 50 Cent "zu verramschen". Das schwedische Unternehmen ist über die Kritik überrascht und verteidigt seine ungewöhnliche Plätzchenhilfe.

Wer am Nikolaustag zum Möbelhaus Ikea fährt, kann sich nicht nur mit neuen Einrichtungsgegenständen eindecken. Dass das schwedische Unternehmen seit jeher nicht nur Möbel verkauft, ist bekannt. Nur am 6. Dezember gibt es auch Butter und zwar sogar Deutsche Markenbutter. Das Pfund für 50 Cent - ein unschlagbarer Preis angesichts der rasant steigenden Lebensmittelpreise.

Was die Kunden erfreuen wird, bringt den Deutschen Bauernverband (DBV) zur Weißglut. In einem Brief an das Ikea-Management bringen die Landwirte ihren Unmut zum Ausdruck: "Für die deutschen Milchbauern sei es eine glatte Verhöhnung, wenn ihr wertvolles Produkt und Lebensmittel Butter in solcher Weise abgewertet und verramscht wird", heißt es in dem Schreiben des Stellvertretenden DBV Generalsekretärs Adalbert Kienle. Er bezeichnet die Aktion als "unmoralisches Angebot".

"Unterstützung zum Plätzchenbacken"

Bei Ikea weiß man auf Nachfrage von stern.de noch gar nichts von dem bösen Brief und verteidigt den günstigen Preis: "Wir haben nicht die Absicht, ein bestimmtes Lebensmittel abzuwerten", sagte Sprecherin Sabine Nold. Die Aktion sei als "Unterstützung zum Plätzchenbacken" gedacht und gelte nur für den 6. Dezember. Es gebe "keinen politischen oder weltanschaulichen Hintergrund", sagte Nold.

Der Bauernverband wittert dagegen einen Gesetzesverstoß: "Der Verkauf der hochwertigen Butter für 50 Cent sei eindeutig ein Verkauf unter Einstandspreis", sagte Kienle und verweist auf das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen. Nur: Das Gesetz tritt erst in wenigen Tagen in Kraft. Es ist zwar schon vom Bundestag verabschiedet, Bundespräsident Horst Köhler hat es jedoch noch nicht unterschrieben. "Ikea nutzt die Lücke aus", heißt es beim Bauernverband. Er will nach eigenen Angaben das Bundeskartellamt sowie den Deutschen Werberat darüber informieren.

"Wir halten es für schamlos, dass Ikea den unmissverständlichen Willen des Gesetzgebers in dieser Art und Weise missachtet", schreibt Kienzle an den Möbelhersteller. Der Anzeigentext, wonach "selbst Grundnahrungsmittel wie Butter (...) so teuer geworden waren" sei für die Bauern eine Provokation. Tatsache sei, dass deutsche Markenbutter auch nach den Preiserhöhungen nicht mehr kostet als in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Auch Ikea ist sich bewusst, "dass der Butterpreis derzeit heftig diskutiert wird". Ikea wolle den Preis nicht auf Dauer unterbieten, sagte Sprecherin Nold und verweist darauf, dass die Aktion nur für einen einzigen Tag laufe. Die deutschen Landwirte scheint dies kaum zu interessieren.

msg

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