HOME

Insolvenz-Antrag: Woolworth Deutschland ist pleite

Und noch ein Traditionsunternehmen schlittert in die Pleite: Der deutsche Ableger der Billigkaufhaus-Kette Woolworth hat Insolvenz-Antrag gestellt. Woolworth Deutschland gehört dem britischen Finanzinvestor Argyll Partners und betreibt 323 Filialen mit etwa 11.000 Mitarbeitern.

Die 11.000 Mitarbeiter der Billigkaufhauskette Woolworth Deutschland müssen um ihre Jobs bangen: Am Samstag stellte das mehr als 80 Jahre alte Unternehmen nach eigenen Angaben Insolvenzantrag, am Dienstag bestellte das Frankfurter Amtsgericht den Frankfurter Rechtsanwalt Ottmar Hermann zum vorläufigen Verwalter über das Vermögen der Kette. Hermann hatte in der vergangenen Woche auch das Mandat für den insolventen Autozulieferer Karmann übernommen.

Das Gericht betonte, diese Entscheidung stelle noch keine Eröffnung eines Insolvenzverfahrens dar, hierüber werde das Gericht zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Die Führungskräfte von Woolworth waren bereits am Morgen in Frankfurt über die Lage informiert worden, wie es in Unternehmenskreisen hieß.

Zu den Gründen des Insolvenzantrages machte das Unternehmen auf Nachfrage keine Angaben. Der vorläufige Insolvenzverwalter war zunächst nicht erreichbar. In einem Bericht von "manager-magazin.de" vom Freitag war ohne Nennung von Quellen die Rede davon, es sei "trotz umfangreicher Kostensenkungsmaßnahmen angeblich keine ausreichende Liquidität mehr gesichert".

Woolworth betreibt in Deutschland 323 Filialen und hatte zuletzt etwa 11.000 Mitarbeiter. Für das Geschäftsjahr 2007/08, das bis Ende Oktober lief, war ein Umsatz von rund 900 Millionen Euro angepeilt worden. Genaue Zahlen liegen nicht vor. Noch im November hatte sich das Unternehmen auf Wachstumskurs gesehen. Doch der erst Anfang März zum Vorstandschef berufene ehemalige Lidl-Manager Stefan Rohrer warf nach wenigen Wochen wieder das Handtuch und ist nur noch als Berater des Unternehmens tätig.

Seit 1927 in Deutschland

Argyll hatte die deutsche Woolworth-Kette Ende 2007 von dem Finanzinvestor Electra Private Equity übernommen und begonnen, das Unternehmen zu sanieren. Die Gebäude von 110 Filialen gingen an den US-Investor Cerberus, der Rest ist gemietet. Die frühere US-Muttergesellschaft, die in Bremen 1927 ihre erste Filiale in Deutschland eröffnete, hatte das deutsche Geschäft 1998 an Electra verkauft. In den USA gibt es seit 1997 keine Woolworth-Filialen mehr. Die britische Schwester schloss Anfang des Jahres die Pforten der letzten von einst mehr als 800 Läden. 27.000 Mitarbeiter verloren dort in der Insolvenz den Arbeitsplatz.

Die Geschichte des Kaufhaus-Pioniers Woolworth reicht zurück bis ins Jahr 1879: Der US-Unternehmer Frank Woolworth hatte mit der Idee Erfolg, unterschiedlichste Waren auf einem Verkaufstisch auszustellen und zum Einheitspreis von fünf Cent zu verkaufen. Bis dahin wurde die Ware unter den Ladentischen oder in Regalen hinter den Tischen aufgebaut.

Die Rezession hat die Probleme vieler Einzelhandelsketten in Deutschland verschärft. Sie erschwert die Aufnahme von Krediten. Vor allem Warenhäuser sind für Experten ein Auslaufmodell. Deren hohe Unterhaltskosten nagen an den mageren Renditen, die Kunden gehen lieber zu Discountern oder Fachhändlern. Der Karstadt-Eigentümer Arcandor will daher möglicherweise staatliche Fördertöpfe anzapfen. Arcandor hatte sich vor vier Jahren von den Ketten Wehmeyer, SinnLeffers und Hertie getrennt. Alle drei Unternehmen haben inzwischen Insolvenzantrag gestellt. Bei Hertie soll im April die Entscheidung über die Fortführung der 54 verbliebenen Kaufhäuser fallen.

Reuters/DPA / DPA / Reuters