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Investitionen: Die dunkle Seite der Gates-Stiftung

Bill Gates ist nicht nur der reichste Mann der Welt, auch seine Stiftung gilt mit einem Kapital von 66 Milliarden Dollar als Imperium der Wohltätigkeit - doch ein großer Teil des Reichtums speist sich offenbar aus Investitionen in fragwürdige Unternehmen.

Wer Geld hat, hat auch Macht. Um etwas ausrichten zu können, sammeln unzählige Wohlfahrtsorganisationen Spendengelder - immer unter der Parole, damit die Welt ein kleines Stückchen besser machen zu wollen. Wie auf vielen anderen Feldern bricht Bill Gates auch in dieser Branche alle Rekorde: Zusammen mit seiner Gattin gründete er die "Bill & Melinda Gates"-Stiftung, die von 2009 an 3,5 Milliarden Dollar jährlich ausschüttet - fast soviel wie die Rockefeller Stiftung während ihres gesamten Bestehens.

Investition in Unternehmen, die Nil-Delta zerstören

Stipendien, Bibliotheken, Katastrophenhilfe, Forschung: Derzeit investiert die Stiftung 1,4 Milliarden Dollar jährlich in den Kampf gegen das menschliche Elend. Doch ein gut gehütetes Geheimnis hat die "Los Angeles Times" nun gelüftet: Der gigantische Rest von 8,7 Milliarden Dollar fließt in dubiose Investitionen. Wie die Zeitung berichtet, sind viele davon mit den hehren Zielen der Stiftung nicht zu vereinbaren, einige treten soziale Standards mit Füßen: Aktien im Wert von 400 Millionen Dollar besitzt die Stiftung von Unternehmen wie Royal Dutch Shell und Total, die überschüssiges Öl ohne Schutzvorrichtung verbrennen und damit an der Zerstörung der Umwelt im Niger-Delta beteiligt sind. Kinder bekommen Atemwegserkrankungen, die mit Hilfe von Geld der Gates-Stiftung wieder kuriert werden.

224 Millionen Dollar hat die Stiftung in Unternehmen gepumpt, die ihren Profit mit Wettspiel erzielen. Mit zwei Millionen Euro unterstützt die Gates Stiftung Ameriquest. Das Unternehmen tritt an Senioren heran und lässt sie zu irrwitzigen Konditionen Hypotheken auf ihr Grundstück aufnehmen oder vergibt Kredite an Menschen, die zuvor von Banken abgelehnt wurden - die Schulden treiben die meisten in den Ruin.

Während die Gates Stiftung mit den Spendengeldern für die Rechte der Kinder kämpft, landen 189 Millionen Dollar bei Schokoladefirmen, die ihren Kakao aus West-Afrika beziehen, wo 20-stündige Arbeitstage für Kinder an der Tagesordnung sind. Auch Pharmaunternehmen, die Preise für Aids-Medikamente künstlich hoch halten, empfangen ihr Kapital von der Gates Stiftung. Die Liste der Verfehlungen, die die "Los Angeles Times" recherchiert hat, nimmt kein Ende.

Tabak nein, Tabakverpackungen ja

Ob das Geld ethisch einwandfreie Unternehmen finanziert, wird kaum kontrolliert. Zwar existieren vereinzelt Richtlinien, die zum Beispiel Investitionen in die Tabak-Industrie unterbinden sollen - dennoch fließt an anderer Stelle Geld an eine Firma, die Verpackungen für Zigaretten produziert. Viele der Widersprüche gehen auf die strikte Trennung zwischen karitativem und vermögensvermehrendem Zweg in der Stiftung zurück. So wird sich am Paradox in nächster Zeit wohl kaum etwas ändern: Mit seiner finanziellen Potenz bewegt Gates auf vielen Gebieten etwas, das an anderer Stelle wieder zerstört wird.

akl
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