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Irrer Streit um vier Dollar: Geiz-Professor wird zum Netz-Gespött

Ben Edelman, Dozent an der Elite-Uni Harvard, bestellte chinesisches Essen. Doch die Rechnung war vier Dollar zu hoch. Der Professor rastete aus - und wurde daraufhin zum Gespött im Netz.

Von Christoph Fröhlich

Zoff wegen vier Dollar: Weil die Rechnung eines chinesischen Lieferdienstes zu hoch war, blamierte sich ein Harvard-Dozent im Netz bis auf die Knochen.

Zoff wegen vier Dollar: Weil die Rechnung eines chinesischen Lieferdienstes zu hoch war, blamierte sich ein Harvard-Dozent im Netz bis auf die Knochen.

Diese Situation kennt wohl fast jeder: Man bestellt am Freitagabend nach einer anstrengenden Woche das Abendessen beim Lieferdienst. Und wenn man später in der Küche das Essen auspackt, stellt man fest, dass die Sauce fehlt oder zwei Euro zuviel auf der Rechnung gelandet sind. Ein Ärgernis, ohne Frage, doch nur die wenigsten Menschen würden deshalb zum Telefon greifen und den Lieferdienst zusammenstauchen. Ein pingeliger Dozent der Elite-Universität Harvard dagegen war wegen einer fehlerhaften Rechnung so verärgert, dass er sich deshalb tagelang mit einem Restaurant-Besitzer herumzoffte - und so zum Gespött im Internet wurde.

Zoff um vier Dollar

Der Ärger begann am vergangenen Freitagabend. Ben Edelman, Wirtschaftswissenschaftler an der renommierten Harvard Business School, bestellte um 18.45 Uhr bei einem chinesischen Restaurant namens Sichuan Garden in Brookline, Massachusetts, sein Abendessen. Er orderte gleich ein ganzes Menü: Hühnchen in Knoblauchsauce, sautierte Garnelen, gebratenes Poulet mit Peperoncini, geschmorten Fisch und Chinakohl. Das Essen schmeckte ihm vorzüglich, doch spätestens beim Blick auf die Rechnung war er pappsatt: Statt 53,35 US-Dollar sollte er 57,35 berappen. Vier Dollar zu viel.

Man könnte meinen, dass ein vermutlich gut bezahlter Harvard-Professor sich wegen vier Dollar nicht den Feierabend versauen lassen würde. Doch Edelman wollte das nicht auf sich sitzen lassen und erklärte das Rechnungs-Malheur zur Prinzipiensache. Er schickte dem Restaurantbetreiber eine E-Mail, um dem Fehler auf die Schliche zu kommen.

Ran Duan, Leiter der Bar in einer anderen Filiale des Restaurants und Sohn des Restaurantgründers, entschuldigte sich daraufhin bei Edelman freundlich mit dem Hinweis, die Preise auf der Homepage seien veraltet gewesen. "Ich werde dafür sorgen, dass die Preise aktualisiert werden", versprach Duan in einer E-Mail, die "Boston.com" vorliegt.

Aus vier Dollar werden zwölf

War der Fall damit erledigt? Von wegen. Jetzt legte Edelman erst richtig los. Die Werbung mit zu niedrigen Preisen sei eine ernste Sache, die man so nicht einfach hinnehmen könne, betonte der Wissenschaftler, der sich vor allem mit Online-Werbung und Verbraucherschutz beschäftigt. Er forderte deshalb von dem Restaurantbetreiber zwölf Dollar und berief sich dabei auf die Gesetzeslage des US-Bundesstaats Massachuetts, das eine Verdreifachung der Summe vorschreibt. "Bitte erstatten Sie die $12 meiner Kreditkarte. Andernfalls senden Sie mir einen Scheck", schreibt Edelman lapidar in seiner Antwort.

Darauf wollte sich Duan nicht einlassen. Er versuchte, den widerspenstigen Kunden zu besänftigen und bot ihm an, drei Dollar zu erstatten, immerhin sei man nur ein kleines, familiengeführtes Lokal. Doch Edelman fühlte sich betrogen - und schaltete die Behörden ein, zu denen er einen guten Draht habe, wie er wichtigtuerisch betonte. Als der Restaurantbetreiber dann immer noch nicht einlenkte, forderte Edelman, dass Duan ihm die Kontaktdaten seines Anwalts mitteilt.

"Ist all das wirklich ihre Zeit wert?"

Der Restaurantmanager war fassungslos. "Wie ich bereits sagte: Ich entschuldige mich für die Verwirrung." Dann versuchte es Duan mit Schmeicheleien: "Sie scheinen ein kluger Mann zu sein. Aber ist all das wirklich Ihre Zeit wert?" Vergeblich. Jetzt wurde Edelman richtig ungehalten: "Sie haben recht, natürlich habe ich Besseres zu tun. Hätten Sie angebracht auf meine erste Nachricht reagiert […], wäre die ganze Sache längst geklärt." Er schrieb sich nun richtig in Rage: "Je mehr Sie versuchen, die Schuld von sich zu weisen, desto stärker werde ich darauf drängen, Sie zu bestrafen." Duan ließ sich davon nicht beirren und blieb seiner Linie treu - er zahlte nicht. Vom britischen "Guardian" auf den Vorfall angesprochen, sagte er: "Ehrlich gesagt, das ist der ungewöhnlichste Kunde, den ich jemals hatte."

Nachdem die gesamte E-Mail-Korrespondenz der beiden im Netz veröffentlicht wurde, hagelte es Spott und Häme für Edelman. Auf Twitter wird er bereits als "Arschloch des Jahres" gehandelt, ein anderer Nutzer schreibt: "Woran denke ich, wenn ich den Namen Ben Edelman lese? Nein, nicht an einen Edelmann."

Der Wirtschaftsprofessor zieht nun die Reißleine. Auf seiner Webseite hat er sich mittlerweile für den Vorfall entschuldigt. "Es ist mir klar, dass ich übertrieben habe. Ich versuche mit größtem Respekt und Demut mit anderen Menschen umzugehen, unabhängig von den Umständen. Offensichtlich habe ich diesmal versagt. Es tut mir leid, und ich werde es in Zukunft besser machen." Zudem werde er sich bei Duan persönlich entschuldigen. Sein Ruf im Netz dürfte aber ruiniert sein. Und das alles wegen vier Dollar.

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