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KIRCH-GRUPPE: Kirch soll sich angeblich von Premiere trennen

Die Banken erhöhen den Druck: Beim gestrigen Treffen zur Beratung der Finanzlage sollen sie Kirch zur Aufgabe des defizitären Abosenders Premiere gedrängt haben.

Bei ihrem Treffen mit der hoch verschuldeten Kirch-Gruppe haben die Gläubigerbanken nach einem Bericht der »Süddeutschen Zeitung« (SZ) den Druck erhöht. Wie die SZ in ihrer Mittwochausgabe berichtet, wird Kirch bedrängt, den Abosender Premiere World notfalls einzustellen, um einen Konkurs der Mediengruppe zu vermeiden. Ein neuer Investor ist aber nur zu finden, wenn der Abosender wenigstens teilweise von seinen Risiken befreit wird.

Keine Stellungnahme

Die Kirch-Gruppe lehnte jede Stellungnahme zu Gesprächen mit den Banken ab. Unterdessen forderten die bayerischen Grünen in einem Dringlichkeitsantrag die Staatsregierung auf, die möglichen Folgen eines finanziellen Zusammenbruchs der Kirch-Gruppe offen zu legen.

Auch Lokalfernsehen in Nöten

Nun sollen auch beim verlustreichen Lokalfernsehen kurzfristig Notmaßnahmen ergriffen werden. Betroffen sind die drei Stationen in München, Hamburg und Berlin, denen ebenfalls die Einstellung droht. Bereits Ende April soll das Business-TV eingestellt werden, das im Auftrag anderer Unternehmen firmeninterne Fernsehprogramme für deren Belegschaft produzierte.

Letzte Galgenfrist

Im Konzern wird davon ausgegangen, dass die Vorstände der Gläubigerbanken am kommenden Dienstag über das Schicksal der Gruppe befinden. Zumindest sind dann angeblich wichtige Vorentscheidungen zu erwarten. Aus den Banken ist allerdings zu hören, dass bis Mitte der nächsten Woche noch nicht mit konkreten Ergebnisse zu rechnen ist, was wiederum eine Rettung des Konzerns erschwert.

Verkauf von Konzernteilen

Zu Kirchs Gläubigern zählen neben der HVB die Bayerische Landesbank, die Commerzbank und DZ Bank. Der Konzern hat nach eigenen Angaben 6,5 Milliarden Euro Schulden, im »Wall Street Journal« war von acht Milliarden Euro die Rede. Hinzu kommen angeblich rund fünf Milliarden Euro an weiteren Verbindlichkeiten. Nach Medienberichten vom Wochenende will Kirchs Chef-Berater Wolfgang van Betteray das Kreditvolumen auf vier Milliarden Euro senken. Voraussetzung wäre unter anderem die Einstellung oder Abgabe der defizitären Lokalsender. Zudem könnten Konzernteile veräußert werden, die nicht zum Kerngeschäft zählen.

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