„Mit einem inszenierten Moment nach dem anderen wurde klar, dass das Ziel der Rede nicht darin bestand, neue politische Maßnahmen vorzustellen oder die Ängste der Amerikaner anzuerkennen, die Wohnraum zu teuer finden oder Schwierigkeiten haben, ihre Rechnungen zu bezahlen. Stattdessen schuf Trump die Art von Inhalten, die sich für soziale Medien eignen und mit denen seine Regierung bisher erfolgreich einen unvorteilhaften Nachrichtenzyklus nach dem anderen überstanden hat.“
„Die heutige Rede zur Lage der Nation von Präsident Trump war die spirituelle Fortsetzung seiner rekordverdächtigen Rede auf dem Parteitag 2024, in der er fast zwei Stunden lang abwechselnd großartigen Amerikanern seine Anerkennung zollte und die vor ihm sitzenden Demokraten lautstark verurteilte. Man konnte sehen, welche Teile den Präsidenten besonders mitrissen. Ich bezweifle, dass wir uns in ein oder zwei Wochen noch an viel aus dieser Rede erinnern werden.“
Deutschland
„Mit der Rede wollte der ,America-first‘-Präsident offensichtlich dem Eindruck entgegenwirken, ihm sei die Weltpolitik wichtiger als die Sorgen der Amerikaner. Schon bald könnte sich das Land aber im nächsten Krieg befinden.“
Der Spiegel
„Erneut überschlägt sich Trump am Dienstagabend in Eigenlob. ,Acht Kriege‘ habe er beendet. Die USA seien ,stärker denn je zuvor‘, ein ,goldenes Zeitalter‘ sei angebrochen. ,Wir sind das tollste Land auf der ganzen Welt.‘ Und nicht nur das: ,Die Preise für Huhn, Butter, Obst, Hotels, Autos, Mieten sind heute viel niedriger als bei meinem Amtsantritt‘, sagt der Präsident – und die für Eier übrigens auch. Applaus, stehende Ovationen. Die Rede zur Lage der Nation verkommt zum Wahlkampfauftritt.“
„Doch das ist nicht einmal der wichtigste Grund, warum es immer enger wird für Trump. Die Zolleinnahmen, die nun wegfallen, reißen ein Loch in den Haushalt der USA. Auch etliche einflussreiche Stimmen innerhalb der Maga-Bewegung halten die hohe Verschuldung für eine Gefahr. Sie dürften bald so laut werden, dass Trump sie nicht mehr ignorieren kann. Auch die Zwischenwahlen rücken immer näher. Viele republikanische Abgeordnete dürften ihre eigene Wiederwahl über ihre Loyalität für Trump stellen.
Ein anderer US-Präsident würde in einer solchen Lage versuchen, Kompromisse zu finden und auf seine Gegner zuzugehen. Aber das ist nicht Trumps Stil. Bei seiner Rede zur Lage der Nation beschimpfte er die Demokraten in gewohnter Manier. Und er flüchtete sich noch mehr ins Fantastische, als man es ohnehin von ihm gewohnt ist. Die Zolleinnahmen würden bald so sehr sprudeln, dass die Amerikaner keine Einkommensteuer mehr zahlen müssten, behauptete er. Ein Präsident auf dem Höhepunkt seiner Macht hätte es nicht nötig, einen solchen Unfug zu verbreiten.“
Die Welt
„Die Amerikaner treiben vor allem die nach wie vor hohen Alltagskosten um. Mieten, Lebensmittel, Gesundheitsversorgung sind weiter enorm hoch. Dafür bot Trump so gut wie keine neuen Lösungen an. Er erklärte, dass er Mieter vor Investmenthaien schützen wolle, und dass sein Vizepräsident J.D. Vance ab jetzt den Job hat, Betrug im Sozialwesen zu bekämpfen.
Was Trump gelang, war den Demokraten vor den Midterms eine Falle zu stellen. ,Die einzige Sache, die zwischen den Amerikanern und einer weit offenen Grenze steht, ist Präsident Trump und die Republikaner‘, rief er in den Saal. ,Die erste Pflicht der amerikanischen Regierung ist es, amerikanische Bürger zu beschützen, nicht illegale Einwanderer.‘ Wer dem zustimme, solle aufstehen, so Trump. Die Demokraten blieben sitzen.“
Australien
Sydney Morning Herald
„Donald Trump stellte mit dieser Rede zur Lage der Nation einen Rekord auf – er sprach mehr als eine Stunde und 45 Minuten. Inhaltlich jedoch war die Rede unspektakulär, keineswegs beispiellos. Es war im Großen und Ganzen das, was wir schon gehört haben: die gewaltige wirtschaftliche ,Wende‘ des Landes, eine sichere Grenze, sinkende Kriminalität, keine Steuer auf Trinkgelder, ,drill, baby, drill‘, niedrigere Benzinpreise, der Dow Jones über 50.000 Punkten. Trump absolvierte seine ,Greatest Hits‘-Tour – und die Republikaner im Saal nahmen es dankbar auf. (...)
Die Rede zur Lage der Nation ist in der Regel die am besten vorbereitete und ausgefeilteste Ansprache eines Präsidenten, und in dieser Rede gab sich Trump als typischer Politiker. Er zügelte seine Neigung zu Abschweifungen und hielt seinen Impuls zurück, verbal auszuteilen. (...) Manche mögen den einstudierten Trump als beruhigender, verlässlicher empfunden haben. Andere wiederum könnten den Eindruck gehabt haben, dass er, sobald er wie ein typischer Politiker auftritt, genau das verliert, was ihn ursprünglich so faszinierend machte. Am Ende hatten viele Demokraten den Saal bereits verlassen, andere zeigten deutliche Anzeichen von Langeweile. Wer weiß, wie viele Amerikaner zu Hause noch zusahen?“
Polen
Rzeczpospolita
„Donald Trump hielt eine rekordverdächtig lange Rede. Uns in Europa interessierte vor allem, was er am vierten Jahrestag des Ausbruchs des Ukraine-Kriegs zu diesem Konflikt sagen würde. Was haben wir gehört? Trump räumte ein, dass dies der neunte Krieg sei, den er beenden wolle. Er bedauerte, dass in diesem Krieg monatlich 25.000 Soldaten sterben (ohne dabei zwischen russischen und ukrainischen Soldaten zu unterscheiden). Und er wiederholte eines seiner Bonmots, dass der Krieg niemals ausgebrochen wäre, wenn er 2022 Präsident der USA gewesen wäre. Und das war's.
Trump hat in der Vergangenheit gesagt, dass der Krieg zwischen Russland und der Ukraine ein Problem Europas sei, denn ihn selbst trennt ja ein Ozean von Russland. Und das erklärt den Platz, den dieser Krieg, der unsere europäische Welt auf den Kopf gestellt hat, in seiner Hierarchie der wichtigen Themen einnimmt. Die USA spüren den kalten Atem Moskaus nicht im Nacken. Ein möglicher Zusammenbruch der Ukraine wäre für sie zwar eine Niederlage, würde aber keine existenzielle Bedrohung darstellen.
Bei Polen ist das jedoch anders. Für die Länder unseres Teils Europas ist das imperiale Russland eine tödliche Bedrohung. Für Deutschland oder Frankreich ist es eine strategische Bedrohung, denn je mehr es sich in Mittelosteuropa festigt, desto mehr kann es mit diesen Ländern aus einer Position der Stärke heraus verhandeln. Anders als für Trump ist der Krieg in der Ukraine für uns nicht einer von vielen Kriegen. Für uns ist es ein Krieg, der über das Schicksal künftiger Generationen von Polen und Europäern entscheiden kann.“
Hinweis: DIeser Artikel wurde um weitere Kommentare ergänzt.
Quellen: DPA, „faz.net”, "New York Times", „spiegel.de“, „sueddeutsche.de“, "Washington Post", „welt.de“.