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Inside America
Mit dabei: Der Mann fürs Grobe und Kinderbriefe aus der ICE-Haft
Trumps Tankstellentrauma
Liebe Leserinnen und Leser,
zwei Wochen nach Beginn des Kriegs im Iran wird sein Preis für viele Amerikaner erstmals spürbar – an der Zapfsäule.
zwei Wochen nach Beginn des Kriegs im Iran wird sein Preis für viele Amerikaner erstmals spürbar – an der Zapfsäule.
An einer Exxon-Tankstelle in Arlington südlich von Washington ist der Frust in der Rushhour unüberhörbar. Benzin kostet 3,89 Dollar (3,40 Euro) pro Gallone (etwa 3,8 Liter), landesweit sind die Preise innerhalb weniger Tage um rund 50 Cent nach oben geschnellt. „Es ist ein Witz“, schimpft Lilly Wilm. Die 27-jährige Tech-Angestellte hat das Tanken in den vergangenen Tagen hinausgezögert. Doch auf dem Heimweg stand die Nadel bereits im roten Bereich. „Trump spielt Kriegstreiber“, sagt sie, „und wir zahlen den Preis.“
Dabei wollte der Präsident genau das Gegenteil erreichen. Niedrigere Benzinpreise sollten eine zentrale Botschaft der Republikaner im Zwischenwahlkampf werden. Ein Beleg dafür, dass ihre Wirtschaftspolitik funktioniert. Stattdessen wird Donald Trump nun von seinem eigenen Krieg eingeholt. Der Grund liegt Tausende Kilometer entfernt in der Straße von Hormus. Durch die Meerenge vor der iranischen Küste wird normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert – seit Kriegsbeginn ist der Schiffsverkehr fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die Preise kletterten daraufhin auf den höchsten Stand seit Russlands Angriff auf die Ukraine 2022.
Auch Nick Goodwin spürt den Preisanstieg. Der 50-jährige Bauunternehmer aus Tennessee hat dreimal für Trump gestimmt. Mittlerweile fühlt er sich von seinem Präsidenten verraten. „Trump hat versprochen, die Preise zu senken“, sagt Goodwin. „Jetzt steigen sie, weil wir im Iran Regimewechsel machen.“ Normalerweise kostet ihn eine Tankfüllung rund 35 Dollar. Diesmal sind es 47. „Dafür habe ich nicht gestimmt“, bekräftigt er.
Ein enttäuschter Trump-Wähler an der Zapfsäule: Nick Goodwin aus Tennessee. Leonie Scheuble
Im Weißen Haus wächst die Nervosität. Schadensbegrenzung ist angesagt. Trump spricht von einer „kleinen Störung“, die Preise würden „sehr schnell fallen, sobald der Krieg vorbei ist“. Energieminister Chris Wright stellt Entlastung „innerhalb von Wochen“ in Aussicht. Doch die Realität auf den Ölmärkten ist komplizierter.
Irans neue Führung (+) hat angekündigt, jeden Tanker anzugreifen, der die Straße von Hormus passieren will. Mehrere Schiffe wurden bereits getroffen, zudem hat das Regime begonnen, Minen in der Wasserstraße zu verlegen. Dadurch sitzen rund 20 Prozent der globalen Ölversorgung fest. Selbst die internationale Freigabe von Notreserven wirkt nur begrenzt. Die Trump-Regierung prüft inzwischen sogar militärische Eskorten für Tanker. Am Donnerstag setzten die USA zudem ihre Sanktionen gegen russisches Öl vorübergehend aus – ein Schritt, der ausgerechnet Putin zum bisher größten Profiteur des Krieges macht.
Lilly Wilm überlegt, künftig öfter mit der Bahn zur Arbeit zu fahren. Für Nick Goodwin kommt das nicht infrage, er ist auf sein Auto angewiesen. „Ich hoffe, Trump kommt bald zur Vernunft“, sagt er, während er die Zapfpistole zurückhängt. „Sonst macht er uns wieder arm.“
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
aus Washington, D.C.
Rückblick
Trumps Krieg im Iran ist so unbeliebt wie kein anderer in der jüngeren US-Geschichte. Sein Kriegsminister Pete Hegseth soll das ändern. In fast täglichen Presseauftritten verteidigt er den Angriff als „amerikanische Machtdemonstration“ – und klingt dabei oft eher wie ein Trainer bei einer Halbzeitansprache als wie ein Verteidigungsminister. Aus Trumps Sicht macht ihn genau das zum perfekten Botschafter. Dabei sind seine Aussagen so befremdlich wie grenzwertig (+).
Einblick
Im Zuge von Trumps Abschiebekampagne werden in Amerika auch zahlreiche Kinder in Gewahrsam genommen. Viele landen für Wochen oder Monate in der Dilley-Haftanstalt im Süden von Texas – der landesweit einzigen ICE-Einrichtung für Familien. In Briefen und Zeichnungen geben einige von ihnen einen Einblick in ihr Leben in Gefangenschaft (+). Sie schreiben von vermissten Freunden, verpasstem Unterricht – und von der Angst, vergessen zu werden.
Ausblick
Für die Zeit, wenn der Iran „erledigt“ ist, hat Donald Trump schon einen Plan. Sein nächster Halt: Kuba. Zwar hat der Konflikt mit dem Inselstaat eine ganz andere Dimension, dennoch steht auch 150 Kilometer von der US-Küste entfernt das Leben von Millionen von Menschen auf dem Spiel. Die humanitäre Lage auf Kuba ist katastrophal, ob ein möglicher Deal mit der Führung des Landes den Menschen wirklich hilft, ist fragwürdig. Mein Kollege Jan Christoph Wiechmann blickt auf das Land, dessen Einwohner in erster Linie eines wollen: überleben (+).
Fotofinish
Chris Pizzello/dpa
Er ist so aufgeregt, dass er den roten Teppich gleich selbst mit ausrollt: Late-Night-Legende Conan O’Brien packte am Mittwoch bei einem Pressetermin zur anstehenden Oscar-Verleihung (+) im Blaumann mit an. Der 62-Jährige moderiert die Veranstaltung in der Nacht zum Montag schon zum zweiten Mal, dennoch wird es für ihn eine besondere: Im nominierten Film „If I had legs I’d kick you“ spielt er selbst eine der Hauptrollen und drückt seiner Schauspielpartnerin Rose Byrne die Daumen, die als beste Hauptdarstellerin auf die Auszeichnung hofft. Der Moment, an dem während der Verleihung verstorbener Filmgrößen gedacht wird, dürfte O’Brien nahegehen. Unter den Toten ist in diesem Jahr Hollywood-Regisseur Rob Reiner, der im vergangenen Dezember von seinem Sohn Nick ermordet wurde. Reiner wurde gemeinsam mit seiner Ehefrau tot aufgefunden, wenige Stunden nachdem die Familie eine Weihnachtsfeier in O’Briens Haus verlassen hatte.
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Inside America
Mit dabei: eine gefallene Barbie und wahre Heldinnen
Gesichter des Krieges
Liebe Leserinnen und Leser,
ein Familienvater, der davon träumte, in Nebraska ein Kampfsportstudio zu eröffnen. Eine Mutter aus Minnesota, die glaubte, dies sei ihr letzter Einsatz, bevor sie wieder mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen könne. Ein 20-jähriger Collegestudent aus Iowa, dem eine glänzende Zukunft vorausgesagt wurde.
Es sind drei der mindestens sechs US-Soldaten, die seit Beginn des Irankriegs ums Leben gekommen sind. Ihre Geschichten dominieren seit Tagen die amerikanischen Schlagzeilen.
Für Donald Trump ist das ein Problem. Im Weißen Haus wächst der Frust über die zunehmend kritische Berichterstattung über den Krieg. Die Regierung versucht, die Stimmung zu drehen – mit Actionvideos erfolgreicher US-Angriffe auf iranische Ziele. Und einem Verteidigungsminister, der sich öffentlich beschwert, die Medien berichteten zu viel über tote Soldaten. Doch die Realität des Krieges lässt sich in Zeiten von 24/7-Nachrichtenzirkeln und Social Media schlecht ignorieren. Zumal die Bilder der gefallenen Soldaten Trumps größtes Problem offenbaren: Dieser Krieg hat begonnen, bevor die US-Bevölkerung überzeugt worden war.
Vier der getöteten US-Soldaten: Captain Cody A. Khork, 35, Sergeant Noah Tietjens, 42, (oben), Sergeant Nicole Amor, 39, und Sergeant Declan Coady, 20 (unten). United States Army Reserve / Reuters
Anders als bei früheren amerikanischen Kriegen bröckelt die Unterstützung dieses Mal nicht erst nach Monaten oder Jahren. Sie fehlt von Anfang an. Umfragen zufolge lehnen knapp 60 Prozent der Amerikaner den Krieg ab. Die Demokraten kritisieren Trumps Angriffe als Krieg ohne Legitimität, mit hohen Risiken und widersprüchlichen Zielen. Und sie sind nicht allein. Einige der schärfsten Angriffe kommen ausgerechnet aus dem MAGA-Lager.
„Das ist Israels Krieg. Nicht der Krieg der Vereinigten Staaten“, wettert der rechte Podcast-Moderator Tucker Carlson. Auch die frühere Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly kritisiert: „Niemand sollte für ein fremdes Land sterben müssen.“ Und Trumps ehemaliger Chefstratege Steve Bannon warnt: „Wir werden Unterstützung verlieren.“
Die Kritik wird auch deshalb lauter, weil der Präsident selbst eine Woche nach Kriegsbeginn keine klare Strategie erkennen lässt (+). Mal spricht Trump von vier, fünf Wochen Krieg. Mal schließt er eine langfristige Operation aus, dann spekuliert er plötzlich über einen nachhaltigen Regimewechsel im Iran. Auf Truth Social lobte er den Konflikt gar als einen Krieg, der „für immer“ geführt werden könne – eine bemerkenswerte Formulierung für einen Präsidenten, der zugleich verspricht, Amerikas endlose Kriege zu beenden. Trump selbst sieht darin keinen Widerspruch. Kritik aus den eigenen Reihen weist er zurück. „MAGA ist Trump“, sagte er vor ein paar Tagen. „Und MAGA liebt, was ich tue – jeden Aspekt davon.“
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
aus Washington, D.C.
Rückblick
Jeffrey Epstein war gerade mal ein paar Monate aus der Haft entlassen, als Andrew Mountbatten-Windsor ihn im Dezember 2010 in New York besuchte. Zwischen abstoßenden E-Mails und sogenannten Wiedergutmachungsdinners hat London-Korrespondentin Dagmar Seeland die mehr als befremdliche Urlaubsplanung des britischen Royals rekonstruiert (+), dem seine Nähe zu Epstein alles und das Leid der Opfer nichts bedeutet zu haben scheinen.
Einblick
Seit einer Woche führen die Amerikaner und Israelis Krieg gegen den Iran. Und vom ersten Tag an geht es darum, wie dieser Krieg wieder enden kann. Der renommierte Friedensforscher Karim Haggag glaubt: „Die Iraner wollen Trump dazu drängen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren oder den Sieg zu erklären und abzuziehen.“ Im Interview mit meinem Kollegen Marc Etzold beschreibt der frühere ägyptische Diplomat drei Szenarien für ein Kriegsende (+) und wieso solche Eskalationen künftig häufiger drohen.
Ausblick
Am Donnerstagabend deutscher Zeit verkündete Trump die Absetzung seiner Heimatschutzministerin Kristi Noem, von Kritikern „ICE-Barbie“ getauft. Der Schritt kam nicht überraschend, im Gegenteil: Blickt man auf Noems Amtszeit zurück, fragt man sich, wie sie sich so lange halten konnte. Noems Führungsstil ist ein Symptom der Ära Trump – und der Präsident lässt mit seiner Nachfolgeregelung für das Department of Homeland Security keinen Zweifel daran, dass er seine „ICE-kalte“ Politik fortzusetzen gedenkt (+).
Es war einmal in Amerika
Heritage Art via Getty Images
Fast hätte der 3. März 1913 im Chaos geendet. Eine (nicht gerade kleine) Gruppe von Männern schien es zu stören, dass da 5000 Frauen einen Tag vor der Amtseinführung Woodrow Wilsons als US-Präsident in einer Prozession die gleiche Strecke entlangschritten, die der designierte Staatschef auch zurücklegen würde. Und damit nicht genug: Diese Frauen, genannt Suffragetten, forderten auch noch das Wahlrecht! Es kam zu Zusammenstößen, eine Polizeikavallerie schritt in letzter Sekunde ein. Die Berichterstattung über den Zwischenfall bei der Parade in Washington, D. C., gab der Frauenrechtsbewegung jedoch neuen Aufwind. Erst 1920 – zwei Jahre nach Deutschland – verankerte der US-Kongress mit dem 19. Verfassungszusatz das Frauenwahlrecht auf nationaler Ebene. Auch diesen – im wahrsten Sinne des Wortes – Vorreiterinnen gebührt der Respekt am internationalen Frauentag an diesem Sonntag.
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Inside America
Mit dabei: sehr viel Schnee und immer weniger Zeitungen
Superbowl im Kapitol
Liebe Leserinnen und Leser,
für uns Journalisten in Washington ist die State of the Union, die Rede des Präsidenten zur Lage der Nation, eine Art politischer Superbowl. Viel Tamtam. Viele Kameras. Und eben die Frage: Wird der Präsident als Sieger das Rednerpult verlassen – oder wirft er den Pass ins Nichts? Was die Rede auch mit Football gemeinsam hat: Das Vorprogramm ist mindestens so aufwendig wie das Event selbst. Rund um das Kapitol waren die Straßen bereits Stunden zuvor weiträumig abgeriegelt. Der schnellste Weg hinein führte daher durch ein Nachbargebäude mit der unterirdischen Kapitolbahn – die Fahrt dauerte keine zwei Minuten. Drinnen natürlich maximales Sicherheitsaufgebot. FBI, Secret Service, Kapitolpolizei, alle Gäste mussten mehrfach durch Scanner wie am Flughafen. So nah wie hier kommt man Senatoren sonst nicht. An mir schlurfte zum Beispiel Bernie Sanders vorbei. Als ich ihn fragte, was er von der Rede erwartete, schüttelte er nur verächtlich den Kopf. Ich denke, er bezog das auf Trump.
Trumps Heimatschutzministerin Kristi Noem auf dem Weg in den Plenarsaal. Leonie Scheuble
Während Trumps Rede saß ich oberhalb des Präsidenten in der Pressegalerie. Was mir auffiel: Viele Frauen der Republikaner trugen das Rot der Partei, die Demokratinnen traten fast geschlossen in Weiß auf – ein Signal für Frauenrechte in Erinnerung an die Suffragetten. Einige Politiker hatten sich anlässlich des vierten Kriegsjahrestags Ukraine-Flaggen ans Revers geheftet. Während der Rede selbst sprangen im Zweiminutentakt die Republikaner auf, um ihren Präsidenten zu bejubeln. Auf der anderen Seite bei den Demokraten: eisiges Schweigen oder Buhrufe. Überparteilichen Applaus gab es nur, als die Eishockeymannschaft der Männer erschien und sich für ihr Olympiagold feiern ließ.
Eine Frage allerdings blieb an diesem Abend unbeantwortet: Wer war der „Designated Survivor“?
Die Person, meist ein Kabinettsmitglied, wird während der Rede an einem geheimen Ort untergebracht, fernab des Kapitols, um im schlimmsten Fall, wenn also das gesamte Kabinett durch einen Anschlag getötet werden sollte, das Präsidentenamt anzutreten. Der Name wurde am nächsten Morgen bekannt: Es war Doug Collins, Minister für Veteranen und eines der unscheinbarsten Gesichter in Trumps Kabinett.
Was wohl erklärt, warum ihn niemand vermisst hatte.
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
aus Washington, D.C.
Rückblick
Donald Trump taucht rund 38.000 Mal in den jüngsten Epstein-Akten auf. Darunter in einem FBI-Dokument, in dem er von einer Frau in den 1980er-Jahren der Vergewaltigung bezichtigt wird. Das FBI stufte die Beschuldigungen als nicht glaubwürdig ein, US-Medien berichteten nur vorsichtig darüber. Nun kam heraus, dass in den Epstein-Akten Dutzende Berichte fehlen (+) – unter anderem die Zeugenaussagen zu Trumps Vergewaltigungsvorwürfen.
Einblick
In den vergangenen 20 Jahren hat fast jede zweite Zeitung in den USA dichtgemacht. Ein Massensterben, das ganze Landstriche in Nachrichtenwüsten verwandelt. Was aber geschieht, wenn mit dem Lokaljournalismus auch ein Stück Demokratie verschwindet? Mein Kollege Fabian Huber hat in Limon, einem 6000-Seelen-Ort in Colorado, nach Antworten gesucht, wo vor wenigen Monaten die Lokalzeitung zum letzten Mal erschien (+).
Ausblick
Künstliche Intelligenz verändert unsere Welt radikal – und die Firma OpenAI ist einer der wichtigsten Treiber dahinter. Zoe Hitzig kündigte dort kürzlich ihren Job, weil sie der KI nicht mehr traut – weil das Können der KI ihr Angst macht. Im Gespräch mit dem stern warnt die 34-Jährige, dass Bots bald in der Lage sein könnten, selbst tiefenpsychologische Porträts zu erstellen (+). Mit kaum absehbaren Folgen.
Fotofinish
Getty Images
Eine dicke weiße Schneedecke, drum herum Wolkenkratzer, darüber ein strahlend blauer Himmel. So schön kann Langlauf sein – im Central Park in New York. Möglich machte das ein Blizzard, der Anfang vergangener Woche die Ostküste der USA heimgesucht hatte. In Rhode Island fiel an einem Tag fast ein Meter Schnee – Rekord für den Bundesstaat. 5000 Flüge mussten gestrichen werden, und zum ersten Mal in der 153-jährigen Geschichte konnte auch die aktuelle Ausgabe des „Boston Globe“ nicht gedruckt und ausgeliefert werden. Der Central Park kam mit einem knappen halben Meter Schnee noch glimpflich davon.
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Inside America
Mit dabei: Das Iran-Risiko und eine royale Bombe
Schaulaufen der Trump-Erben
Liebe Leserinnen und Leser,
während Donald Trump am vergangenen Donnerstag in Washington ein erstes Treffen seines umstrittenen „Friedensrats“ (+) abhielt, versammelten sich ein paar Blocks weiter die Gouverneure aller 50 US-Bundesstaaten zu ihrer jährlichen Wintertagung. An Gesprächsstoff mangelte es nicht: die steigenden Lebenshaltungskosten, die polarisierenden ICE-Einsätze, die anstehenden Zwischenwahlen. In den Vordergrund schob sich von den Hotelfluren bis auf die Bühnen des noblen Grand-Hyatt-Hotels jedoch ein anderes Thema: Wer von ihnen schielt bereits auf 2028?
Dass sich Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom auf eine Präsidentschaftskandidatur vorbereitet, ist kein Geheimnis mehr. Er ist bei Weitem nicht der Einzige. Pennsylvanias Gouverneur Josh Shapiro tourt derzeit wie Newsom durchs Land, um sein neues Buch – und sich selbst – zu promoten. Illinois’ J. B. Pritzker positionierte sich zuletzt sichtbar als Gegenpol zu Trumps harter Migrationslinie in Chicago. Und auch Gretchen Whitmer aus Michigan und Kentuckys Gouverneur Andy Beshear suchen regelmäßig das nationale Rampenlicht.
Marylands Gouverneur Wes Moore, ebenfalls ein demokratischer Hoffnungsträger, wiegelte Spekulationen um seine Person ab. „Wir sind im Krisenmodus“, sagte er auf einer Bühne und mahnte, die Demokraten sollten sich voll und ganz auf die Midterms konzentrieren.
Ein demokratischer 2028-Favorit: Gouverneur Wes Moore (M.) neben seinem republikanischen Amtskollegen Kevin Stitt (r.). Leonie Scheuble
Tatsächlich zeigt die jüngere Geschichte, wie schwierig der Weg aus dem Gouverneursamt ins Weiße Haus geworden ist. Seit Bill Clinton hat kein demokratischer Gouverneur mehr die Präsidentschaft gewonnen oder auch nur die Nominierung errungen. Bei den Republikanern liegt der letzte Erfolg eines Gouverneurs mit George W. Bush ebenfalls eine Generation zurück.
Dass sich das wieder ändern könnte, hofft unter anderem Kevin Stitt, Gouverneur von Oklahoma. „Auf jeden Fall“, antwortete er auf die Frage, ob er 2028 wieder einen Gouverneur als republikanischen Präsidentschaftskandidaten sieht – eine subtile Distanzierung von Vizepräsident J. D. Vance.
Eine Absage erteilte hingegen Utahs Gouverneur Spencer Cox. Nach dem Mord an Charlie Kirk in seinem Bundesstaat hatte Cox landesweit Aufmerksamkeit erregt als einer der wenigen Republikaner, die zum Zusammenhalt aufriefen. „Ich weiß, dass viele Leute sagen, sie kandidieren nicht – und dann tun sie es doch. Aber ich werde wirklich niemals Präsident werden“, versicherte Cox.
Noch mögen die Aussagen vage klingen. Aber der Wettlauf um das Weiße Haus 2028 hat in den Parteien längst begonnen.
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
Rückblick
Seit Veröffentlichung der Ermittlungsakten vergeht kaum ein Tag ohne News über Jeffrey Epsteins mächtige Freunde. Am Donnerstag wurde der frühere Prinz Andrew festgenommen. Für die britische Monarchie ist das eine Katastrophe (+). In den USA gerät derweil Trumps einstiger Chefberater Steve Bannon immer mehr in den Fokus (+). Sie verlieren langsam den Überblick? Der stern hält Sie über die bislang bekanntesten Namen in Epsteins Netzwerk auf dem Laufenden (+).
Einblick
Donald Trumps Zollkrieg ist illegal. Das urteilt der Supreme Court am Freitag in einem historischen 6:3‑Urteil. Die Begründung der Richter: Über Zölle entscheidet der Kongress, nicht der Präsident. Das Urteil ist mehr als ein Befund zur Handelspolitik. Es ist ein längst überfälliges Lebenszeichen des Rechtsstaats (+): Auch ein Präsident, der meint, über allem zu stehen, steht nicht über der Verfassung.
Ausblick
Donald Trump liebäugelt seit Wochen mit einem Angriff auf den Iran. Während die Verhandlungen über ein Nuklearabkommen ins Stocken geraten sind, haben die Amerikaner ihre Militärpräsenz in der Region massiv verstärkt. Die Zeichen stehen auf Attacke. Doch wie würde ein solcher Angriff aussehen? Und was würde ein neuer Konflikt innenpolitisch für Trump bedeuten? Die wichtigsten Antworten zum drohenden Krieg im Iran im Überblick (+).
Es war einmal in Amerika
ISC Archives/CQ-Roll Call Group/Getty Images
Da steht er stolz mit dem Pokal und zeigt sein Siegerlächeln – befreiend muss dieser Moment für Lee Petty gewesen sein. Der Rennfahrer hatte 72 Stunden zuvor am allerersten Daytona-500-Autorennen teilgenommen. (500 Meilen, also etwa 805 Kilometer, beträgt die zu fahrende Strecke.) In dem legendären Auftaktrennen am 22. Februar 1959 in Daytona Beach (US-Staat Florida) war Petty vor mehr als 40.000 Zuschauern Seite an Seite und nahezu gleichauf mit zwei anderen Rennfahrern über die Ziellinie geschossen. Die Rennleiter benötigten drei Tage, um den wahren Sieger zu ermitteln: Lee Petty. Zeitlupen und Kameratechnik wie heute gab es damals noch nicht. Es waren aber TV-Aufnahmen der „Wochenschau“, die bei der Entscheidung halfen. In einem Interview kurz vor seinem Tod 2000 sagte Petty, er glaube, die Veranstalter hätten die Kontroverse absichtlich verursacht, um Werbung für das Event zu machen. So oder so: Das Daytona-500 gehört bis heute zu einem der beliebtesten Motorsportrennen der USA.
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Inside America
Mit dabei: das System Epstein. Die Täter – und die Opfer
Das Comeback einer längst Besiegten
Liebe Leserinnen und Leser,
bisher habe ich, bevor ich in die USA gereist bin, vorher nur rasch in meinem Reisepass kontrolliert, ob mein Journalistenvisum noch gültig ist. Das war meine Routine. Als ich jetzt zur Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science (AAAS), dem wichtigsten Wissenschaftstreffen der USA, nach Phoenix aufbrach, habe ich noch etwas ganz anderes geprüft – ob meine Masernimpfung aus der Kindheit weiterhin Schutz bietet.
Unter Präsident Donald Trump und vor allem seinem Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. (RFK) hat die Impfskepsis in den USA dramatisch zugenommen. Immer mehr Amerikanerinnen und Amerikaner verweigern sich inzwischen wichtigen Impfungen. Das hat Folgen: 2025 verzeichneten die USA die meisten Masernfälle in ihrer modernen Geschichte. Und es gibt keine Anzeichen, dass sich die Ausbreitung 2026 verlangsamen könnte.
Im Bundesstaat South Carolina sind seit Herbst bereits 900 Personen erkrankt. Es gibt große Ausbrüche in Texas, Utah und eben Arizona, wo ich jetzt bin. Es ist gerade einmal Februar, und schon jetzt sind landesweit über 700 neue Fälle gemeldet worden. Die meisten Infizierten waren nicht geimpft. Die Weltgesundheitsorganisation wird deswegen wohl im April die USA nicht mehr als masernfrei einstufen. Donald Trump wird es wahrscheinlich wenig scheren – unter seiner Führung haben die USA jüngst angekündigt, die WHO zu verlassen.
Rebecca Hardy ist Mitbegründerin von „Texans for Vaccine Choice“. Sie lebt in der Nähe von Dallas und hat zwei Kinder. privat
Eigentlich galten Masern in den USA als besiegt. Die Viren sind hochansteckend, die Krankheit ist schlimmer als Corona oder Grippe, kann besonders für Kinder lebensbedrohlich werden. Das US-Impfprogramm galt über Jahrzehnte weltweit als vorbildlich. Aber in den vergangenen Jahren sind Anti-Impf-Aktivisten immer mächtiger geworden.
Eine von ihnen ist Rebecca Hardy. Ich habe sie jetzt in einem Café in der Nähe von Dallas getroffen. Die Wände dort waren verziert mit Zitaten aus der Bibel. An der Geschirrrückgabe stand eine kleine Jesus-Statue. Die solle die Gäste segnen, sagte mir die Kellnerin.
Hardy erzählte, dass sie sich lange nicht für Politik interessiert habe. „Jetzt bin ich aber auf einer Mission“, sagte sie. Hardy ist Mitbegründerin der Organisation „Texans for Vaccine Choice“. Das klingt harmlos, aber ihr ist die persönliche Freiheit, etwas nicht zu tun, wichtiger als die Gesundheit anderer. „Es soll allein meine Entscheidung sein, mich impfen zu lassen oder nicht. Die Regierung soll mich nicht zwingen dürfen“, sagte sie.
Weil inzwischen immer mehr in den USA so denken, ist die Impfrate bei Masern in den USA in vielen Regionen unter 95 Prozent gesunken. Die sogenannte Herdenimmunität ist damit verloren gegangen. Eine besiegte Krankheit feiert ihr Comeback.
Der Frage, ob sie nicht fürchte, dass sich bald andere Krankheiten wie Keuchhusten oder Röteln ebenfalls wieder ausbreiten könnten, weicht Rebecca Hardy aus. Stattdessen antwortet sie: „Wir haben eine historische Gelegenheit, mit RFK regiert endlich wieder die Vernunft.“
„Vernunft“ – ich würde es anders beschreiben: der größte gesundheitspolitische Irrsinn, den die Welt seit Langem gesehen hat.
Take care
Alexandra Kraft
aus Phoenix, Arizona
aus Phoenix, Arizona
Rückblick
Ganz New York ist links. Ganz New York? Nein, rund alle zwei Monate finden hier inmitten der liberalen Weltstadt konservative „Make America Hot Again“–Partys statt. US-Korrespondentin Leonie Scheuble hat sich unter die Gäste gemischt und einen Abend zwischen flirtenden Trump-Fans und republikanischer Wahlkampfbühne verbracht (+).
Einblick
Die Nachbeben der Veröffentlichung der Epstein-Akten lassen nicht nach – mit bislang mehr Konsequenzen in Europa als in den USA (+). Doch je klarer das dramatische Ausmaß des Missbrauchs wird, desto mehr stehen einige Fragen im Raum: Wie kam Jeffrey Epstein an die Mädchen? Wo fand er sie? Und wie band er sie an sich? Die Antworten darauf führen in das New York der 90er-Jahre und vor die Schulhöfe Floridas. Hier entwickelte Epstein ein ausgeklügeltes Pyramidensystem ähnlich wie das von Finanzbetrügern (+).
Ausblick
Die Nervosität vor der Münchner Sicherheitskonferenz ist groß. Vor einem Jahr hat hier Trumps Vize J. D. Vance die Nato-Alliierten offen brüskiert. Vance kommt in diesem Jahr nicht, die US-Delegation wird von Marco Rubio angeführt, der US-Außenminister soll am Samstag sprechen. Sicherheitsexperte Christian Mölling rät den Europäern zu einem geeinten Auftreten. „Wir sollten die Grenzen der Amerikaner austesten“, sagt er im stern-Podcast „Die Lage – International“. „Und ihnen da, wo wir es können, die Pistole auf die Brust setzen.“
Fotofinish
Buddhistische Mönche auf der National Mall in Washington. Rahmat Gul/dpa
Es war eine sehr leise Geste in diesem lauten Amerika dieser Tage. Gut 3700 Kilometer sind 19 buddhistische Mönche in den vergangenen Monaten quer durch die USA gelaufen, von Texas bis nach Washington D.C. (Auf den letzten Kilometern schlossen sich ihnen Mönche von vor Ort an.) Manche liefen in einfachen Sandalen, manche sogar barfuß – auch durch Schnee und Kälte. „Walk for Peace“ nannten sie ihre Wanderung. Es ging ihnen um Verständigung, um Liebe, um Empathie. Offenbar trafen sie damit einen Nerv. Tausende Menschen bejubelten sie auf dem Weg und auch bei der Ankunft in der Hauptstadt.
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Inside America
Mit dabei: Epsteins Netzwerk und ein politischer Super Bowl
Wenn der Präsident den Vorhang zuzieht
Liebe Leserinnen und Leser,
noch vor einem Jahr war das Kennedy Center das kulturelle Herz der Hauptstadt. Eine Institution für Konzert- und Theaterliebhaber. Ein Ort, an dem Studenten neben Diplomaten im Musical saßen und man in der Opernpause an der Bar mit Abgeordneten ins Gespräch kam.
Als ich in dieser Woche über die roten Teppichflure des Kennedy Centers ging, war davon kaum noch etwas übrig. Statt Stimmengewirr lag eine gedrückte Stille über dem Haus. Der Schock saß tief. Am Sonntagabend hatte Donald Trump angekündigt, das Kulturzentrum ab dem 4. Juli für zwei Jahre zu schließen – angeblich wegen Renovierungsarbeiten. Dabei hatte Trump noch im Dezember erklärt, "das Gebäude sei gerettet", nachdem er seinen Namen an der Fassade hatte anbringen lassen. Jetzt also die Vollbremsung.
An der Eingangstür kontrollierte eine Frau mit grauem Haar die Tickets. Seit mehr als zwanzig Jahren arbeitet sie hier. Als ich sie fragte, wie es ihr geht, wurden ihre Augen feucht. Niemand wisse, wie es weitergehe, sagte sie leise. Hinter der Bar wurde der Ton rauer. "Es ist eine Schande", sagte der junge Mann, während er abkassierte. Er schaue sich bereits nach anderen Jobs um.
Donald Trump in der Präsidentenloge des Kennedy Centers. Jim Watson / AFP
Während Trump behauptet, das Gebäude sei marode, gibt es einen weitaus plausibleren Grund für die Schließung: Seit der US-Präsident erklärte, aus dem Kennedy Center eine anti-woke Kulturhochburg zu machen, bleiben Künstler wie Publikum aus. Die Vorgabe seines neuen Programmleiters Richard Grenell (Trumps Ex-Botschafter in Berlin), vermeintlich "linke" Aufführungen durch "patriotische" Formate zu ersetzen, sorgte für eine beispiellose Abwanderung. Auftritte wurden abgesagt, Produktionen zurückgezogen. Darunter: das Musical "Hamilton", Opernstar Renée Fleming, "Wicked"-Komponist Stephen Schwartz und selbst die Washington National Opera, die seit 1971 im Kennedy Center beheimatet war.
Mit dem ausgehöhlten Spielplan brach auch das Publikum weg. Im Oktober waren die Ticketverkäufe auf den niedrigsten Stand seit der Pandemie gefallen. Trump hatte offenbar geglaubt, das Kennedy Center werde aufblühen, sobald er persönlich die Zügel in die Hand nehme.
Das Gegenteil ist eingetreten. Die zweijährige Schließung fügt sich in ein bekanntes Muster. Schon in seiner ersten Amtszeit hatte Trump bewiesen, dass er geschickter darin ist, Dinge zu zerstören, als sie wieder aufzubauen. Vor diesem Hintergrund liest sich ein kürzlicher Truth-Social-Beitrag des Präsidenten wie eine Hiobsbotschaft. Trump schreibt darin über den Umbau des Kennedy Centers: "Ich mache dasselbe mit Amerika. Nur in einem etwas größeren Maßstab."
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
aus Washington, D.C.
Rückblick
Seit vielen Jahren warnt der Psychologe John Gartner vor dem geistigen Abbau Donald Trumps. Heute sieht er klare Indizien, dass sich seine schlimmsten Prognosen bewahrheiten. Trumps zunehmende Demenz mache seine narzisstische Persönlichkeit auf der Weltbühne noch gefährlicher (+), sagte mir Gartner im Gespräch. Und er hat einen Rat für die Europäer.
Einblick
Die jüngst veröffentlichten Epstein-Akten geben neue Einblicke in die Welt des Sexualstraftäters und sein Netzwerk mächtiger Männer. Ein Team des stern hat einigen von ihnen nachgespürt: Die Vorwürfe gegen Donald Trump häufen sich (+). Weitere Enthüllungen um den Ex-Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor reißen das britische Königshaus in den Abgrund (+). Und ein Verdacht beunruhigt Politiker weltweit: Nutzte Wladimir Putin das System Epstein für eigene Zwecke? (+)
Ausblick
Seinen Besuch beim Super Bowl an diesem Sonntag hat Donald Trump aus fadenscheinigen Gründen abgesagt. Dabei mischt der US-Präsident doch sonst bei jeder Kleinigkeit der Football-Welt mit, kommentiert Regelwerk, Spielzüge und Teamnamen. Dahinter steckt auch eine persönliche Kränkung, schreibt mein Kollege Fabian Huber. Wie die NFL mit Trumps aggressiver Angriffstaktik umgeht? Der stern hat bei allen 32 Teams nachgefragt. Ihre Antworten sind entlarvend (+).
Es war einmal in Amerika
Das Wrack des Kleinflugzeugs nahe Clear Lake in Iowa, in dem Buddy Holly starb. Hulton Archive/Getty Images
Nicht viele Menschen könnten sagen, was am 3. Februar 1959 in einem verschneiten Feld in Iowa passierte. Dabei haben sie es wahrscheinlich schon mal mitgesungen: "The Day the Music Died" – der Tag, an dem die Musik starb – lautet die berühmteste Songzeile, die Don McLean wohl je geschrieben hat. Sie bezieht sich auf einen der dunkelsten Tage der Musikgeschichte: Legende Buddy Holly, der von den Beatles über Bob Dylan bis zu den Rolling Stones die größten Songschreiber der Welt prägte, starb an der Seite seiner Musiker-Kollegen, "La Bamba"-Sänger Ritchie Valens und J. P. "The Big Bopper" Richardson, vor 67 Jahren bei einem Flugzeugabsturz. Der Schock, den der Tod der drei damaligen Megastars auslöste, prägte die US-Kultur. Hollys schwangere Frau Maria erfuhr die Nachricht über das Radio – und erlitt kurz danach eine Fehlgeburt. Der tragische Vorfall gilt als Initialmoment für die bis heute gängige Praxis, Angehörige über den Tod einer Person zu informieren, bevor die Einsatzkräfte an die Öffentlichkeit gehen.
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Inside America
Mit dabei: die First Lady im Kino und eine Warnung an Europa
Es reicht
Liebe Leserinnen und Leser,
eine Woche ist vergangen, seit ICE-Beamte Alex Pretti bei Tageslicht auf offener Straße erschossen haben. Der Schock darüber sitzt im Land immer noch tief.
Wenige Stunden nach dem Mord flog ich nach Minneapolis. Ich erlebte eine Stadt vereint in Wut und Trauer. Trauer darüber, dass schon wieder einer ihrer Mitbürger getötet worden war. Wut über die Besatzung ihrer Straßen durch Trumps ICE-Agenten. Ich sprach hier mit Leuten, die zum ersten Mal in ihrem Leben protestieren gingen (bei minus 20 Grad, wohlgemerkt), Nachbarn, die Nachbarn halfen, und Menschen, die sagten: Es reicht.
So wie Jenn J., eine 42-jährige Mutter, die gemeinsam mit anderen Eltern um die Grundschule ihrer Söhne patrouilliert, damit die ICE den Latino-Familien nicht zu nahe kommt. Ihren Söhnen zu erklären, warum ihre Klassenkameraden nicht mehr zum Unterricht erscheinen, sei das Schlimmste, sagte sie mir.
Oder so wie Sergio Amezcua, 46, Pfarrer einer Latino-Kirche im Süden von Minneapolis. Er hatte 2024 selbst für Trump gestimmt. "Wegen der Wirtschaft" und weil er es richtig fand, dass "kriminelle Einwanderer" abgeschoben werden sollten. Dann erlebte er im Dezember, wie ICE-Beamte Mitglieder seiner Gemeinde festnahmen – unabhängig vom Aufenthaltsstatus.
Pfarrer Sergio Amezcua hat seine Kirche in Minneapolis wegen der ICE-Razzien in ein Hilfszentrum umgebaut. Leonie Scheuble
Als er von immer mehr Menschen hörte, die sich nicht mehr trauten, ihre Häuser zu verlassen, startete Amezcua einen Aufruf in den sozialen Medien mit dem Angebot, Familien mit Lebensmitteln zu versorgen. Innerhalb von acht Stunden meldeten sich 2000. Heute versorgt seine Kirche mehr als 28.000 Familien, über 4000 Freiwillige helfen dabei. Seine Stimme für Trump bereut Amezcua heute "zu eintausend Prozent". Was die Regierung mit der ICE mache, sei nichts anderes als "ethnische Säuberung" – für ein Amerika, das wieder weißer werden solle, sagt er. Gemeinsam mit anderen Geistlichen will er daher in den kommenden Monaten offen Wahlkampf für die Demokraten machen.
Genau hier liegt der politische Schaden für Donald Trump. Seine harte Abschiebepolitik sollte Stärke demonstrieren. Stattdessen produziert sie Opfer, Bilder und Geschichten, die selbst Unterstützer gegen ihn aufbringen. Der Präsident scheint das politische Risiko erkannt zu haben. Er milderte seine Wortwahl, distanzierte sich demonstrativ von seinem eigenen Heimatschutzministerium (+) und versprach, die Zahl der ICE-Beamten in Minneapolis zu reduzieren – ein selten erlebter Rückzieher. Zumindest für den Moment.
Leonie Scheuble
aus Minnesota, Minneapolis
Rückblick
Donald Trump zufolge verkaufen sich die Kinotickets zum Dokumentarfilm über Melania Trump rasend schnell. Die Wahrheit geistert gerade in Form von Screenshots leerer Saalbuchungspläne durchs Internet. Unser Trump- und Filmkenner Marc Etzold hat sich den Film angesehen, für den die First Lady knapp drei Wochen lang von einem höchst umstrittenen Regisseur begleitet wurde. Sein Urteil: Wer schon immer mal erleben wollte, wie eine Milliardärs-Ehefrau sich einkleiden lässt, Geschirr und Möbel für das Weiße Haus aussucht und 108 Minuten Lebenszeit verschwenden möchte (+), kann den Film durchaus schauen.
Einblick
ICE-Königin Kristi Noem. Sprachrohr Karoline Leavitt. Grönland-Orakel Katie Miller. Kreuzritter-Witwe Erika Kirk. Obwohl es in der Mehrheit Männer sind, die im Trump-Kosmos den Ton angeben, waren es neben MAGA-Mutter Melania zuletzt vor allem diese Frauen, die Schlagzeilen generierten. Oder, wie es Trump in seinem 1997 erschienenen Ratgeber "The Art of the Comeback" zweifelhaft charmant formulierte: "Sie sind viel schlimmer als Männer, viel aggressiver, und Junge, können die schlau sein!" Mein Kollege Yannik Schüller hat dem MAGA-Queen-Quartett in die Karten geschaut (+).
Ausblick
Aus europäischer Sicht fällt es derzeit leicht, Trump und Putin als die Bösen zu sehen und Europa als die Guten. Pankaj Mishra, einer der renommiertesten Vordenker des globalen Südens, hat eine sehr andere Sicht auf die Welt. Im Gespräch mit dem stern geht der indisch-britische Intellektuelle hart mit europäischen Staatschefs ins Gericht (+). Er erklärt, weshalb es für Europa „keinen Ausweg aus der Unterwerfung“ gibt und wieso er ausgerechnet an China als Hüter der internationalen Ordnung glaubt.
Fotofinish
Gent Shkullaku/actionpress
Dass es mit Amerika rasant abwärtsgeht, ist keine Nachricht mehr. Man könnte die fröhlichen Rodler, die hier den Capitol Hill runtersausen, also auch als Symbol betrachten. Das ist uns jedoch zu zynisch. Vielmehr wirkt es dieser Tage fast befreiend, auch mal lachende Gesichter vor dem Kongress – immerhin das Haus des Volkes – zu sehen. Ein heftiger Wintersturm, den vergangene Woche bis zu 160 Millionen Amerikaner in Dutzenden US-Bundesstaaten erlebten, führte von der Ostküste bis in die Rocky Mountains zu schweren Schäden. Einige kälte- und krisenresistente Einwohner Washingtons nutzten die hinterlassenen Schneeberge aber auch zum Schlittenfahren, Langlaufen oder sogar Eislaufen auf dem Reflecting Pool des Lincoln Memorials. Wenn dieses Bild also für eines stehen kann, dann dies: So holprig der Weg und so hart auch die Landung – Amerika ist bislang immer wieder aufgestanden, hat sich abgeklopft und den Berg von Neuem erklommen.
See you next time!
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Inside America
Mit dabei: ein Präsidentenbaby und eine Volksbilanz
Fremde Nachbarn
Liebe Leserinnen und Leser,
wer die echten Vereinigten Staaten von Amerika sucht, der findet sie nicht an den Küsten, nicht in den viktorianischen Reihenhäuschen in Washington, nicht in den Co-Working-Spaces im Silicon Valley. Das Herz dieses Landes schlägt in seinem oft überflogenen Zentrum. Und gerade dort spürt man, wie zerrissen es ist.
Für eine Recherche bin ich gerade in Colorado. Es ist ein Miniatur-Amerika, skaliert auf ein Rechteck von 270.000 Quadratkilometer Größe. Stundenlanges Highway-Nichts, dann Downtown Denver, dann Berge und Bären. Doch dieser Bundesstaat wird nicht nur von den zauberhaften Rocky Mountains durchtrennt, sondern auch von einem tiefen politischen Canyon.
Auf der einen Seite: Örtchen wie Cheyenne Wells, kaum 1000 Einwohner, eine Kneipe, in der Brauereien mit Tafeln werben, auf denen etwa steht: "Die Mädels hier servieren eiskaltes Bier". Die Dorfbewohner sprachen über die Vorstädte Denvers, als wären sie eine Pforte zur Unterwelt. Dahinter regieren Drogen, Waffen und die Demokraten.
In den Bars von Denver hängen dagegen einige Regenbogenflaggen. Von einer Gruppe Studenten wurde ich in einen Jazzclub mitgeschleppt. Als ich nach ihren Landsleuten in der weiten Ebene fragte, starrten sich mich an, als spräche ich von trumpifizierten Zombies in der Prärie. Cheyenne Wells? Nie gewesen, da draußen.
Stolz auf die Flagge und eiskaltes, von Frauen serviertes Bier: Kneipe in Cheyenne Wells, Colorado. Fabian Huber
Diese beiden Orte trennen mehr als nur 300 Kilometer. Sie repräsentieren zwei Amerikas, die sich vollständig voneinander entfremdet haben. Die liberale Stadt, das konservative Land.
In der Dorfkneipe kam ich bald ins Gespräch mit Besitzerin Barb. Sie hatte einige Jahre in Heidelberg gelebt, war dann nach Florida gezogen, später nach Phoenix in Arizona, gut rumgekommen in diesem Land und dieser Welt. Sie hatte Trump gewählt, konnte aber nicht akzeptieren, wie er über Minderheiten spricht oder über Grönland.
Barbs Bar heißt "The Gap", die Lücke. Aber an diesem Abend, da wollte sie die Gräben zuschütten. Barb rief: "Auch wenn man nicht derselben Meinung ist wie wir, muss man doch noch miteinander reden können." Das taten wir. Fast zwei Stunden lang. Ich versprach wiederzukommen, irgendwann, in besseren, weniger gespaltenen Zeiten hoffentlich. Der letzte Drink ging aufs Haus.
See you around!
Fabian Huber
aus Denver, Colorado
aus Denver, Colorado
Rückblick
Ein Jahr dauert die zweite Amtszeit von Donald Trump nun – erst, möchte man fast sagen. Denn die politischen Volten, die im Weißen Haus in dieser Zeit geschlagen wurden, könnten ein halbes Jahrzehnt füllen: US-Stahlkappenbomber im Iran, Putin in Alaska, Maduro in einem New Yorker Knast, die Abschiebesöldner von der ICE in ihren schwarz getönten Vans, Zölle gegen die ganze Welt und ein Trump-Club als UN-Ersatz. US-Korrespondentin Leonie Scheuble hat mit Amerikanern aus dem ganzen Land einmal Revue passieren lassen, wie sie die Zeit seit Trumps Wiederantritt erleben (+).
Einblick
Auch als US-Präsident ist Donald Trump ein Geschäftsmann geblieben. Er vertickt seine eigene Bibel, investiert über ein Firmengeflecht in Krypto und scheut sich auch nicht davor, millionenschwere Geschenke anzunehmen. Meine Kollegen Nils Kreimeier und Marc Etzold zeichnen nach, wie Trump sich im Amt bereichert (+).
Ausblick
In einer Sache hält J. D. Vance Wort: "Ich will mehr Babys für die Vereinigten Staaten von Amerika", sagte Trumps Vize bei einer Demonstration von Abtreibungsgegnern in Washington im vergangenen Jahr. Nun verkündeten er und seine Frau Usha, dass sie für diesen Sommer ihr viertes Kind erwarten. Ein historischer Moment: Die letzte schwangere Second Lady hieß Ellen Wade Cofax und gebar im Jahr 1870.
Es war einmal in Amerika
Es war ein entscheidender Moment in der Geschichte des Computers, auch wenn Steve Jobs (l.) und sein Partner John Sculley mit Fliege und Krawatte nicht wirklich wie Revoluzzer wirken. Auf der Apple-Konferenz im Januar 1984 präsentierten die beiden den Macintosh, den ersten kommerziell erfolgreichen Computer mit einer grafischen Benutzeroberfläche. Den ließ Jobs auch mit einem spektakulären Werbespot, der sich an Orwells "1984" anlehnte, in der Halbzeitpause des Super-Bowls bewerben. Ridley Scott führte die Regie – auch das war damals revolutionär.
See you next time!
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Inside America
Mit dabei: ein sehr teures Frühstück in New York
Die mutigen Amerikaner, die sich gegen Trumps Häscher stellen
Liebe Leserinnen und Leser,
zurück aus dem Weihnachtsurlaub kommt es mir in Washington nun vor, als seien Monate vergangen, man erkennt die Welt kaum wieder. Wir sind hier in D.C. inzwischen einiges gewohnt, aber derzeit herrscht selbst für Trump'sche Verhältnisse großes Chaos. Man wagt nicht vorauszusagen, was der kommende Tag bringt: Berauscht von der Entführung des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro droht der Präsident abwechselnd mit Angriffen auf den Iran und einer Übernahme Grönlands. Und auch innenpolitisch steht Amerika unter Hochspannung.
Seit ein ICE-Beamter am 7. Januar in Minneapolis die 37-jährige Renée Nicole Good erschossen hat, herrscht in der Stadt der Ausnahmezustand (+). Während Trump inmitten laufender Ermittlungen das Narrativ von Good als "linker Terroristin" verbreitet, verdoppelt seine Regierung die Präsenz der ICE-Leute in Minneapolis. Sie durchkämmen Wohnviertel und Geschäfte nach illegalen Einwanderern und gehen dabei zunehmend aggressiv vor – dabei sind viele von ihnen gar nicht für solche Einsätze geeignet (+).
"Es fühlt sich an, als würden wir von unserer eigenen Regierung belagert", so beschreibt mir Francisco Segovia, Leiter des Latinonetzwerks Copal in Minnesota, die Stimmung. Eigentlich setzt sich seine Organisation für die Rechte lateinamerikanischer Arbeitnehmer ein. Doch seit die Abschiebeoperationen im Herbst verschärft wurden, ist Copal zur Notrufstelle für Betroffene von ICE-Razzien geworden.
Seit Goods Tod kommt es im ganzen Land wie hier in Syracuse (US-Staat New York) zu Anti-ICE-Protesten. Alex Hamer / IMAGO
Mehr als 300 Anrufe gehen dort täglich ein: von Menschen, die sich nicht mehr aus dem Haus trauen; von Eltern, die Begleitung für den Schulweg ihrer Kinder suchen; von Angehörigen, die verzweifelt nach Rechtsbeistand für Familienmitglieder in Abschiebehaft fragen. Segovia, der 1990 aus El Salvador in die USA kam, spricht von "rassistischem Profiling". ICE sei es egal, ob jemand eine Arbeitserlaubnis habe oder US-Bürger sei. "Sie greifen wahllos Menschen mit brauner Hautfarbe auf", sagt er. "Viele von uns erinnert das an Zustände, vor denen wir einst geflohen sind."
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
aus Washington, D.C.
Rückblick
Egal, wie viel Unruhe Donald Trump derzeit außenpolitisch stiftet, das Top-Thema für die Zwischenwahlen zum Kongress im November ist bereits gesetzt: die hohen Lebenshaltungskosten. Und wohl nirgendwo zeigt sich der Preiswahnsinn so deutlich wie in New York. Mein Kollege Fabian Huber hat dazu ein Experiment gemacht. Er hat versucht, sich die Zutaten für ein ganz normales Frühstück zu besorgen, ohne dafür mehr als 15 Dollar auszugeben (+).
Einblick
Steffen Gassel kennt den Iran von vielen Recherchen ziemlich gut. Er war auch einer der ersten Reporter, der nach den zwölftägigen Angriffen Israels und der USA im vergangenen Jahr aus dem Iran berichtet hat. Trotz der Zerstörung, trotz der Todesopfer schienen die Menschen damals zu hoffen, so sein Eindruck, dass sich das Regime öffnen könnte, dass der Druck aus dem Ausland etwas bewirken könnte. Heute weiß er nicht, ob seine Gesprächspartner von damals noch am Leben sind (+). Das Regime hat die seit mehreren Wochen andauernden Proteste brutal niedergeschlagen. Menschenrechtsorganisationen sprechen von Tausenden Todesopfern. Donald Trump droht mit einem Angriff, doch die USA haben derzeit keinen Flugzeugträger in der Region, was die Logistik erschwert. Und auch die Golfstaaten sind davon nicht überzeugt.
Ausblick
Donald Trump will sich Grönland einverleiben – und schließt auch einen Militäreinsatz nicht aus. Jeremy Shapiro, einst außenpolitischer Berater von Barack Obama, malt im Interview ein anderes Szenario aus (+): die schrittweise Unterwanderung der dänischen Kontrolle, die Grönland am Ende nolens volens zu einem Assoziierungsabkommen mit den USA zwingen könnte.
Fotofinish
Actionpress/CATERS/SIPA
Sie sehen hier kein als Wal getarntes U-Boot, in dem sich Navy Seals auf Befehl von Donald Trump aufmachen, die grönländische Regionalregierung festzusetzen. Sie sehen tatsächlich und schlicht: einen Grauwal, genauer gesagt eine Mutter mit ihrem Kalb in trauter Zweisamkeit. Einem Fotografen gelang diese Aufnahme mit einer Drohne vor der Küste Kaliforniens. Die Grauwale ziehen derzeit über mehrere Tausend Kilometer von Alaska bis hinunter nach Baja California. So wie sie es eben schon immer taten – eine Konstante in einer sich wahnsinnig schnell verändernden Welt.
See you next time!
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Inside America
Mit dabei: ein verkasstes Hollywood-Paar und ein besonderes Foto
Zwischen ICE und Eishockey
Liebe Leserinnen und Leser,
Bei meinem allerersten Besuch in Washington – es war 2017 und Trump gerade erstmals Präsident geworden – landete ich eines Abends in einem Pub im hippen Viertel Georgetown. Neben mich setzte sich ein bierschwangerer Finne. Beim Small Talk stellte sich heraus, dass er wegen eines Nato-Forums angereist war und in der Heimat für die Rechtspopulisten im Parlament saß. Am Ende lallte er irgendwas von "Wehrmacht", "Stolz" und "Drittes Reich".
Bei meinem allerersten Besuch in Washington – es war 2017 und Trump gerade erstmals Präsident geworden – landete ich eines Abends in einem Pub im hippen Viertel Georgetown. Neben mich setzte sich ein bierschwangerer Finne. Beim Small Talk stellte sich heraus, dass er wegen eines Nato-Forums angereist war und in der Heimat für die Rechtspopulisten im Parlament saß. Am Ende lallte er irgendwas von "Wehrmacht", "Stolz" und "Drittes Reich".
Es sind Begegnungen, wie man sie nur in der mächtigsten Stadt der Welt erlebt. Irgendwo hat irgendwer hier immer irgendwas aus seinem meist doch recht interessanten Lebenslauf zu referieren.
Am Mittwoch ging ich nach Feierabend noch ins Eisstadion. Die Partie verlief schleppend, das Gastteam aus Dallas führte nach drei Minuten, ich plauderte also mit meinem Nebenmann. Nennen wir ihn Dan. Unter Dans Trikot lugte ein Hemdkragen hervor. Wir kamen recht schnell auf seinen Job zu sprechen: Er habe lange für die US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA gearbeitet. Erst in Chicago, später in der Außenstelle auf den Bahamas.
Nicht bloß ein Ort, um das weltbeste Eishockey zu sehen: Capital One Arena, Heimstätte des NHL-Clubs Washington Capitals. Foto: Fabian Huber
Ein treffender Zufall, schließlich hatte Trump erst vor wenigen Tagen in der Karibik den venezolanischen Machthaber Nicólas Maduro festnehmen (+) – man könnte auch sagen: kidnappen – lassen. Wegen angeblicher Verstrickungen in den Kokainhandel. Was vor Gericht noch zu beweisen wäre. "Oh no!", intervenierte Dan. "Zu 100 Prozent" habe Maduro mit den Kartellen unter einer Decke gesteckt. Und "hell yeah!", natürlich könne man diesen Mann gewaltsam stürzen. "Wir haben ihm so viele Auswege geboten. Er hätte doch einfach nach Moskau gehen können!" Dans Theorie: Spätestens, als Maduro auf offener Bühne Trumps Tanzstil imitierte, sei es dem US-Präsidenten zu bunt geworden.
Mein Sitznachbar schwatzte noch ein wenig darüber, wie die DEA einst Carlos Lehder, dem deutschen Komplizen von Drogenbaron Pablo Escobar, auf die Schliche kam (der stern hat Lehder kürzlich erst interviewt (+)). Zu Dans Zeit im Pentagon kamen wir leider nicht mehr. Die Partie neigte sich dem Ende zu. Washington verlor übrigens mit 1:4.
See you around!
Fabian Huber
aus Washington, D.C.
aus Washington, D.C.
Rückblick
Es war purer Zufall, dass vor einem Jahr der Feuersturm in Los Angeles ein unbekanntes Familienfoto vor das Grundstück von Cheryl Heuton wehte. Der Anblick eines darauf abgebildeten Elternpaares mit Baby bewegte die 63-Jährige, hatten doch um sie herum gerade viele Menschen ihre wichtigsten Erinnerungsstücke im Feuer verloren. Sie machte sich auf die Suche nach den Besitzern des Fotos – und fand Annatova Neches. Zum Jahrestag der Katastrophe haben die beiden sich getroffen. Ich war dabei (+).
Einblick
Mit kruden Mitteln soll die Einwanderungsbehörde ICE Deportationen durchsetzen. Immer mehr US-Amerikaner stellen sich dem in den Weg. Auch die 37-jährige Renee Nicole Good aus Minneapolis. Am Mittwoch blockierte sie mit ihrem SUV einen Konvoi der Abschiebepolizisten. Die Beamten forderten Good auf, aus ihrem Wagen zu steigen. Sie weigerte sich, wollte davonfahren – und wurde erschossen. Der Fall dürfte die Proteste gegen ICE noch weiter anheizen. Mein Kollege Marc Etzold hat dazu eine klare Meinung: "Trumps Amerika", kommentiert er, "ist ein Polizeistaat" (+).
Ausblick
Sie bleiben ja häufig unter sich, die Stars und die Sternchen. So ist das auch mit Schauspieler Timothée Chalamet, 30, und Glamour-Girl Kylie Jenner, 27. Wieso sie als meistgehasstes Pärchen Hollywoods gelten, erfahren Sie in diesem Text von Jana Felgenhauer (+). Am Samstag werden die beiden gemeinsam über den roten Teppich in Beverly Hills stelzen, zur Verleihung der Golden Globes, quasi die Aufwärmveranstaltung für die Oscars. Chalamet ist nominiert für seine Hauptrolle in "Marty Supreme". Er mimt darin einen selbstbewussten Tischtennisspieler, der eine Affäre mit einer älteren Filmdiva eingeht.
Es war einmal in Amerika
Foto: CSU Archives/Everett Collection/Picture Alliance
Routiniert lächelnd nimmt sie den Blumenstrauß kurz nach ihrer Ankunft auf dem Regionalflughafen von Oakland (Kalifornien) entgegen. In den letzten Stunden vor der Landung habe sie sich entspannt und eine Übertragung aus der New Yorker Met Oper angehört, wird Amelia Earhart im Anschluss erzählen. Es ist der 11. Januar 1935 und die 37-Jährige hat gerade als erster Mensch solo die Strecke von Hawaii bis an die US-Westküste im Flugzeug zurückgelegt – zu diesem Zeitpunkt längst nicht ihr erster Rekord. Als weibliche Ikone der Luftfahrt ist die Pilotin in die Geschichte eingegangen, ihr Flugzeug von damals gibt es als Lego-Version, sie selbst als Barbie-Edition. Zahlreiche Bücher und Filme dokumentieren ihre einzigartige Lebensgeschichte und auch ihr tragisches Ende: 1937 verschwand ihre Maschine beim Versuch, als erste Frau die Erde zu umfliegen, über dem Pazifik. Earharts Leiche wurde nie gefunden.
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Inside America
Mit dabei: eine redefreudige Stabschefin und sehr, sehr viele Kürbisse
Tausende Seiten Brisanz – die Epstein-Akten
Liebe Leserinnen und Leser,
seit Wochen hatten alle hier in Washington, die sich mit Politik beschäftigen, und das sind sehr viele Menschen, einen Tag im Blick: den 19. Dezember. An diesem Tag, also gestern, lief die Frist aus, innerhalb derer die Epstein-Akten veröffentlicht werden mussten.
Die Epstein-Saga hatte einen Keil zwischen Trump und seine MAGA-Basis getrieben. Noch im Wahlkampf hatte Trump versprochen, den Skandal aufzuklären und die Akten zu veröffentlichen. Mit seinem Amtsantritt kam die Kehrtwende. Plötzlich begann er, die Angelegenheit als "demokratischen Schwindel" herunterzuspielen und drohte Republikanern, die sich weiterhin für die Veröffentlichung einsetzten. Doch der Druck ließ nicht nach. Im November sah sich der Präsident gezwungen, ein Gesetz zur Freigabe der Akten zu unterzeichnen.
In den vergangenen Wochen wurden nun im Justizministerium hektisch Tausende Seiten an Akten gesichtet, wurden Namen geschwärzt, schließlich wurde gestern tatsächlich eine erste Tranche veröffentlicht. Aber es wurden eben noch nicht alle Akten online gestellt. Epsteins Opfer wie auch demokratische Abgeordnete kritisieren bereits, die Regierung käme so nicht ihrer gesetzlichen Pflicht nach.
Es sind Gerichtsdokumente und auch wieder Fotos, bei vielen lässt sich nicht genau sagen, wann und in welchem Kontext sie entstanden sind. Auffallend viele zeigen Ex-Präsident Bill Clinton, das dürfte kein Zufall sein. Donald Trump hatte schon in der Vergangenheit versucht, den Blick auf Clinton zu lenken, um von seiner eigenen engen Beziehung zu Epstein abzulenken. Wichtig bei all dem ist: Allein, dass eine Person auf einem Foto zu sehen ist, oder dass ihr Name in einem Dokument erscheint, sagt noch nichts darüber aus, dass diese Person über die Straftaten von Jeffrey Epstein Bescheid wusste oder gar beteiligt war.
Über alle Entwicklungen halten wir Sie in unserem Liveblog auf dem Laufenden.
Ein riesiges Plakat vor dem US-Kapitol zeigt Jeffrey Epstein (l.) und Donald Trump. Heather Diehl / Getty
Die Epstein-Akten, das ist die Hoffnung, sollen endlich Klarheit darüber schaffen, wie Epstein sich jahrzehntelang der Justiz entziehen konnte – und wer ihm dabei half. Denn auch sechs Jahre nach dem Tod des verurteilten Sexualstraftäters liegt der Großteil seines mächtigen Netzwerks im Dunkeln. Donald Trump (+), Bill Clinton (+) und Prinz Andrew (+) sind nur einige der prominenten Namen auf einer langen Liste von Männern, die Epsteins Villen besuchten und in seinen Privatjets flogen, wo es von jungen Frauen stets nur so wimmelte. Aber kein Einziger will etwas Verdächtiges gesehen oder getan haben.
Die kommenden Tage und Wochen könnten nun die eine oder andere Lüge entlarven.
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
aus Washington, D.C.
P.S.: "Inside America" verabschiedet sich in eine zweiwöchige Weihnachtspause. Wir lesen uns am 11. Januar 2026 wieder. Ihnen bis dahin erholsame Feiertage!
Rückblick
Es war eine Woche, in der intensiv über einen möglichen Frieden in der Ukraine verhandelt wurde – und auch darüber, wie man die Ukraine finanziell über Wasser hält. Es sprachen allerdings nur die Europäer, die Ukrainer und die Amerikaner miteinander. Was die Russen davon halten? Der Eindruck meiner Kollegin Bettina Sengling aus Moskau: Russland schert sich wenig um all die Vorschläge, Putin spielt auf Zeit – und an der Oberfläche, im Alltag, spielt der Krieg ohnehin kaum eine Rolle. (+)
Einblick
Es gibt zwei Institutionen, um die Großbritannien lange in der Welt beneidet wurde. Die Royals. Und die BBC. Um beide steht es allerdings dieser Tage nicht zum Besten. Donald Trump hat den britischen Sender nun auf zehn Milliarden US-Dollar verklagt, weil deren Journalisten ein Zitat von ihm falsch zusammengeschnitten hatten. Meine Kollegin Dagmar Seeland in London verfolgt die Unruhe bei der Anstalt seit Langem. Sie fragt sich immer häufiger: Was ist bloß bei der BBC los? (+)
Ausblick
Donald Trump gibt sich mächtig und unantastbar. Parteifreunde wie ausländische Regierungschefs buhlen um seine Gunst. Doch tatsächlich hat sein Abstieg längst begonnen. Man muss nur etwas genauer hinschauen. Von ihm gestützte Kandidaten verlieren Wahlen, seine Zustimmungswerte sinken. Gerade das Jahr 2026 könnte ihm gefährlich werden. (+)
Fotofinish
Reuters
Stammte diese Aufnahme aus einem Horrorfilm zur Halloweenzeit, dann wäre der passende Titel: Die Invasion der Superkürbisse. Natürlich, Sie wissen es, zeigen wir Ihnen aber kein Kino, sondern die Realität. Der US-Bundesstaat Washington an der pazifischen Nordwest-Küste wird gerade von Überschwemmungen heimgesucht, mehrere Hunderttausend Menschen waren zeitweise ohne Strom. Überflutet wurden auch Felder mit Kürbissen, wie hier bei der Stadt Snohomish, die dann an einer Straße angetrieben wurden.
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Ein Abend Friede in Washington
Liebe Leserinnen und Leser,
manchmal gibt es ihn doch noch, den überparteilichen Konsens im polarisierten Amerika. Am Dienstagabend war ich in der Washington National Cathedral, als die Gouverneure Josh Shapiro, Demokrat aus Pennsylvania, und Spencer Cox, Republikaner aus Utah, dort über die politische Gewalt im Land sprachen. Sie waren sich einig: Die Vereinigten Staaten befinden sich gefährlich nah an einem Kipppunkt. Und Shapiro und Cox wissen, wovon sie reden.
In einer Nacht im April versuchte ein Mann, das Haus von Shapiro abzufackeln. Cox wiederum war einer der wenigen Konservativen, die nach der Ermordung des rechten Aktivisten Charlie Kirk öffentlich für Mäßigung und für Zusammenhalt eintraten. "Wir bewegen uns in Richtung eines gescheiterten Staats und eines Bürgerkriegs", warnte Cox. "Wenn wir jetzt keine Kurskorrektur vornehmen, werden wir genau dorthin gelangen."
In der vollbesetzten Kathedrale war auch eine USAID-Mitarbeiterin. Genauer gesagt: eine ehemalige Mitarbeiterin – denn die Behörde für Entwicklungszusammenarbeit wurde ja von der Trump-Regierung fast vollständig abgewickelt. "Es kann nicht wahr sein, dass wir zu Waffen greifen, anstatt miteinander zu streiten", sagte sie, als das Publikum sich zu Wort melden konnte. Leider ist genau das die Realität.
NBC-Moderatorin Savannah Guthrie im Gespräch mit den Gouverneuren Josh Shapiro (M.) und Spencer Cox. stern
Hinter den USA liegen zwei Jahre, die von politischer Gewalt geprägt waren wie selten zuvor in der jüngeren Geschichte. Nur ein paar Beispiele: Zweimal versuchten Attentäter, Donald Trump zu töten. Die demokratische Abgeordnete Melissa Horman wurde in Minnesota ermordet. Und hier in Washington schoss ein Mann erst vor wenigen Wochen auf Nationalgardisten, eine Frau starb an den Folgen.
Shapiro und Cox kritisierten ihre eigenen Parteien dafür, dass sie nicht genug täten, um den politischen Diskurs abzukühlen. "Wir müssen damit beginnen, dass alle Politiker jede Form von politischer Gewalt verurteilen – erst recht, wenn sie aus dem eigenen Lager kommt", sagte Shapiro. "Und wir haben derzeit einen Präsidenten, der diesen Test täglich nicht besteht."
Shapiro und Cox kritisierten ihre eigenen Parteien dafür, dass sie nicht genug täten, um den politischen Diskurs abzukühlen. "Wir müssen damit beginnen, dass alle Politiker jede Form von politischer Gewalt verurteilen – erst recht, wenn sie aus dem eigenen Lager kommt", sagte Shapiro. "Und wir haben derzeit einen Präsidenten, der diesen Test täglich nicht besteht."
Es folgte der lauteste Applaus an diesem Abend.
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
aus Washington, D.C.
Rückblick
Joseph Stiglitz ist ziemlich sauer auf Donald Trump. Der Wirtschaftsnobelpreisträger hat für die G20 einen Bericht über die weltweit wachsende Ungleichheit verfasst. Doch Trump, der die G20-Präsidentschaft jüngst übernommen hat, ließ den Report einfach löschen. Stiglitz wirft dem US-Präsidenten im Interview mit meinem Kollegen Marc Etzold vor (+) , dass er die Armut dramatisch befördere. Im Ausland – aber auch in den USA selbst.
Einblick
Wer den Antiquitätenladen "Uncommon Objects" in Austin betritt, taucht ein in ein Amerika aus einer anderen Zeit. Die Luft riecht nach altem Holz, aus dem Radio tönen Songs der 70er-Jahre. Von Schallplattenraritäten bis zu einem Tagebuch von 1901 findet man in den vollgestopften Gängen so ziemlich alles. Eine sehr nostalgische Mischung, man fühlt sich irgendwie, als tränke man einen warmen Tee bei Regenwetter. Das zieht auch Prominente wie Johnny Depp und Whoopi Goldberg an (+).
Ausblick
Jocelyn Samuels wird den 27. Januar 2025 nie vergessen. Der Tag, an dem sie von Donald Trump als Gleichstellungskommissarin gefeuert wurde. "Es war wie ein Schlag ins Gesicht", sagte mir die Demokratin, als ich sie vor ein paar Tagen in ihrem Zuhause besuchte. Samuels ist nicht allein. Rund 300.000 Staatsbedienstete hat die Trump-Regierung bisher gefeuert. Wie andere zog auch sie vor Gericht. Nun entscheidet der Supreme Court über einen ähnlichen Fall, dessen Urteil gravierende Folgen haben dürfte – auch für Samuels (+).
Es war einmal in Amerika
Picture Alliance
Dichte Rauchwolken steigen über der "Arizona" auf, das Schiff wird kurz darauf sinken, mehr als 1000 Seeleute sterben. Der japanische Angriff auf die amerikanische Pazifikflotte in Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 war der wohl entscheidende Wendepunkt in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs – die USA traten daraufhin in den Krieg ein. Pearl Harbor war auch eine Wegmarke für das gesamte 20. Jahrhundert. Die Zeit des Isolationismus in den USA war vorbei, das Land begann, sich in der Welt zu engagieren, wurde für viele Menschen zum Symbol für Freiheit – trotz manch fragwürdiger Entscheidungen, die folgen würden. Der 7. Dezember 1941 war ein trauriger Tag, viele Menschen verloren ihr Leben. Aber es war, aus der Sicht des Jahres 2025, auch ein bemerkenswerter Tag.
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Mit dabei: ein Rätsel um ein ikonisches Foto und das Who's who der Friedensgespräche
Was Trumps Nachbar von ihm hält
Liebe Leserinnen und Leser,
schräg gegenüber des Weißen Hauses liegt "White House Gifts". Von außen wirkt der Laden wie einer der vielen Souvenirshops in Downtown, drinnen aber merkt man schnell, dass hier etwas anders ist. Wer den Laden von Jim Warlick betritt, wird nicht einfach bedient, sondern geführt. White-House-Magnete, Präsidentensocken – sogar eine Plüsch-Air-Force-One gibt es hier. So weit, so normal. Nur die Ecke mit den Trump-Devotionalien zeigt der 73-Jährige eher widerwillig. "MAGA-Mützen? Verkaufe ich nicht", sagt er, auch wenn Leute ständig danach fragten. "Ich wurde als Demokrat geboren. Und ich werde als Demokrat sterben."
Schon als Jugendlicher war Warlick fasziniert vom politischen Washington. Viermal brach er das College ab, weil er lieber Kampagnen unterstützte. Um sich 1980 die Fahrt zum Parteitag der Demokraten zu finanzieren, gestaltete er eigene Wahlkampf-Buttons für Carter – aber auch für den Republikaner Reagan, da war er nicht zimperlich. Die verkaufte er dann an Unterstützer beider Lager. In einer einzigen Woche verdiente er damit über 12.000 Dollar – mehr als sein Jahresgehalt als Mitarbeiter im Kongressbüro. Was ihm zu denken gab. Er kündigte.
1989 eröffnete Warlick in Washington seinen ersten Laden für Politik-Souvenirs, fünf weitere folgten. Aus der spontanen Geschäftsidee wurde so ein kleines Imperium, selbst Präsidenten schauten bei ihm rein. "Bill Clinton kam oft vorbei", erzählt Warlick. "Einmal kaufte er alle meine Truman-Anstecker." In den Obama-Jahren wurde der Shop zum Ziel von Touristen aus aller Welt. "Barack war schon gut fürs Geschäft. Aber Michelle war noch besser."
Doch diese Zeiten sind vorbei.
Jim Warlick in seinem nachgebauten Oval Office neben dem Souvenirladen. Domenic Driessen/stern
Noch vor einem Jahr besuchten jeden Tag bis zu 3000 Menschen seinen Laden. Heute ist es nur noch ein Drittel. "Trump hat die Touristen vergrault", sagt Warlick. Vor allem die Kanadier würden fehlen. Seit die Nationalgarde auf den Straßen der Innenstadt patrouilliert, sei es noch stiller geworden. Im September brachen seine Einnahmen um die Hälfte ein. 14 von 41 Mitarbeitenden musste er inzwischen entlassen.
So wie Warlick geht es vielen anderen Laden- und Restaurantbesitzern in Downtown. Die Touristen bleiben aus, und viele Einheimische sparen nach dem langen Shutdown. Doch der Präsident selbst spielte die wirtschaftlichen Sorgen diese Woche erneut runter. Er erklärte, die hohen Preise seien nichts weiter als "eine Betrugsmasche der Demokraten".
Warlick kann darüber nur den Kopf schütteln. Er zeigt auf die hohen Zäune, die den Blick aufs Weiße Haus versperren, seit der Ostflügel abgerissen wurde, um Platz für Trumps neuen Ballroom zu schaffen. "Es ist tragisch", sagt er. "Da drin sitzt der größte Betrüger von allen." Dann senkt er die Stimme. "Wenn Sie für ein amerikanisches Medium schreiben würden – ich würde mich fast nicht mehr trauen, Ihnen das alles zu erzählen."
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
aus Washington, D.C.
Rückblick
Die Episode liegt mehr als 50 Jahre zurück – doch erst jetzt scheint sie aufgeklärt. Es geht um das wohl ikonischste Bild des Vietnamkriegs: Es zeigt ein von Napalm versehrtes Mädchen, das vor Schmerz schreiend auf einer Straße rennt. Seit der Veröffentlichung galt der Fotograf Nick Ut als Urheber des Fotos. Nun allerdings scheint klar: Es war wohl gar nicht Ut. Der amerikanische Fotograf Gary Knight hat die Hintergründe der Aufnahme in der auf Netflix zu sehenden Dokumentation "The Stringer" akribisch recherchiert – und erzählt in einem Essay für den stern, wer das Foto seinen Recherchen zufolge gemacht hat.
Einblick
Die Amerikaner reden mit den Russen, dann reden sie mit den Ukrainern, dann wieder mit den Russen – das Karussell der Friedensgespräche dreht sich alle Tage weiter. Mindestens so interessant wie die Verhandlungen sind die einzelnen Personen, die sich treffen – und ihre häufig nicht ganz uneigennützigen Interessen. Und die Europäer? Die haben derzeit überhaupt nichts zu sagen.
Ausblick
Was kommt nach Trump? Oder genauer: Wer kommt nach Trump? Zwei Männer aus dem sehr nahen Umfeld des Präsidenten beginnen, sich zu positionieren: Vizepräsident JD Vance und Außenminister Rubio. In der Öffentlichkeit versuchen beide, den Eindruck von Konkurrenz zu vermeiden – tatsächlich unterscheidet sich ihre Herangehensweise an Politik aber deutlich.
Fotofinish
AP Photo / Chris Carlson
Eigentlich sollte es bei der WM-Auslosung um Fußball gehen. Aber in Washington stand am Freitag mal wieder Donald Trump im Mittelpunkt. Der US-Präsident strahlte, als er von Gianni Infantino mit dem frisch erfundenen Fifa-Friedenspreis ausgezeichnet wurde – inklusive Medaille und einer goldenen Riesentrophäe. Der devot wirkende Fifa-Boss hofiert Trump nicht ohne Grund: Im kommenden Jahr steigt die WM in den USA, Kanada und Mexiko, und Trumps politische Launen könnten das Mammutturnier empfindlich treffen. Der Präsident, der schon lange auf den Friedensnobelpreis schielt, zeigte sich jedenfalls entzückt. "Das ist eine der größten Ehrungen meines Lebens", so Trump.
See you next time!
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Inside America
Mit dabei: ein müder Präsident und ein heißer Serientipp
Undankbare Zeiten
Liebe Leserinnen und Leser,
normalerweise ist das verlängerte Thanksgiving-Wochenende ein ruhiges in Washington. Die Stadt atmet durch, wenn Lobbyisten, Abgeordnete und Regierungsbeamte ihre Laptops gegen Truthahn und Familienfeste tauschen.
Auch Donald Trump hatte es eilig, die politischen Krisen – Stichwort Ukraine-Deal und Epstein-Akten – hinter sich zu lassen. Schon am Dienstagabend verließ der US-Präsident das Weiße Haus Richtung Mar-a-Lago, nachdem er traditionsgemäß zwei Truthähne begnadigt und die Demokraten beleidigt hatte.
Zurück bleibt eine alles andere als entspannte Hauptstadt an diesem Feiertagswochenende. Gerade mal zwei Blocks vom Weißen Haus entfernt fielen am Mittwochnachmittag Schüsse. An der Metrostation Farragut West hatte ein 29-jähriger Afghane das Feuer auf zwei patrouillierende Soldaten der Nationalgarde eröffnet. Eines der Opfer, die 20-jährige Soldatin Sarah B., erlag tags darauf ihren Verletzungen. Ihr 24-jähriger Kamerad befindet sich weiterhin in kritischem Zustand.
Cathleen Dubois, eine pensionierte Krankenschwester, legt Blumen am Tatort vor der Metrostation Farragut West nieder. Craig Hudson / Reuters
Obwohl noch vieles unklar ist, nahm der Fall schnell eine politische Dimension an. Der mutmaßliche Schütze, der inzwischen in Haft sitzt, hatte einst für amerikanische Regierungsbehörden in Afghanistan gearbeitet, darunter die CIA. Im Jahr 2021 war er über "Operation Allies Welcome" in die USA eingereist – jenes Programm, mit dem die Biden-Regierung afghanischen Helfern nach der Machtübernahme der Taliban Schutz bot.
Seine Identität hat eine neue Debatte über Einwanderung ausgelöst. Und die MAGA-Welt in ihrer Sicht bestärkt, dass Massenabschiebungen für Amerikas Sicherheit unerlässlich sind.
Trump selbst bezeichnete die Tat in einer TV-Ansprache als Terrorakt. Er versprach, der Schütze werde "einen sehr hohen Preis zahlen", und kündigte an, 500 zusätzliche Soldaten nach Washington zu entsenden. Noch brisanter: Der Präsident will die Abschiebungen verdoppeln, insbesondere von Afghanen, die über das Biden-Programm ins Land kamen. Zudem ließ das Weiße Haus verkünden, man werde sämtliche von der Vorgängerregierung genehmigten Asylfälle neu prüfen.
Während im politischen Washington die Schuldzuweisungen kursieren, bleibt ein Detail ungehört: Die getötete Soldatin war an diesem Tag freiwillig im Einsatz – um anderen Kollegen zu ermöglichen, Thanksgiving mit ihrer Familie zu verbringen.
Seine Identität hat eine neue Debatte über Einwanderung ausgelöst. Und die MAGA-Welt in ihrer Sicht bestärkt, dass Massenabschiebungen für Amerikas Sicherheit unerlässlich sind.
Trump selbst bezeichnete die Tat in einer TV-Ansprache als Terrorakt. Er versprach, der Schütze werde "einen sehr hohen Preis zahlen", und kündigte an, 500 zusätzliche Soldaten nach Washington zu entsenden. Noch brisanter: Der Präsident will die Abschiebungen verdoppeln, insbesondere von Afghanen, die über das Biden-Programm ins Land kamen. Zudem ließ das Weiße Haus verkünden, man werde sämtliche von der Vorgängerregierung genehmigten Asylfälle neu prüfen.
Während im politischen Washington die Schuldzuweisungen kursieren, bleibt ein Detail ungehört: Die getötete Soldatin war an diesem Tag freiwillig im Einsatz – um anderen Kollegen zu ermöglichen, Thanksgiving mit ihrer Familie zu verbringen.
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
aus Washington, D.C.
Rückblick
Ein TV-Tipp für die kalten Tage: Auf dem Streaming-Dienst Paramount+ (bei uns auch über Amazon Prime verfügbar) ist vor einigen Tagen die zweite Staffel von "Landman" angelaufen. Serienschöpfer Taylor Sheridan, der auch das "Yellowstone"-Universum geschaffen hat, zeigt darin, wie Tommy Norris, der von einem überragenden Billy Bob Thornton gespielt wird, ein Öl-Unternehmen in die Zukunft führt. Die Serie strotzt nur so vor Sexismus und politisch unkorrekten Sprüchen, erzählt aber viel über den Zustand der amerikanischen Gesellschaft. Der Trailer zur Serie gibt einen Vorgeschmack.
Einblick
Donald Trump hat Blutergüsse an Händen und Beinen, er spricht über eine aufwendige MRT-Untersuchung, nimmt erst ab der Mittagszeit öffentliche Termine wahr und sinniert vor Journalisten über das Leben nach dem Tod. Der Gesundheitszustand des 79-Jährigen beschäftigt die Vereinigten Staaten. Hält er seine zweite Amtszeit überhaupt durch? Mein Kollege Marc Etzold erklärt, was wir über Trumps physische Verfasstheit wissen (+) – und warum das Thema derzeit so hochkocht.
Ausblick
"Über Land ist es einfacher, aber das wird sehr bald losgehen", sagte Trump am Donnerstag in einem Erntedankfest-Telefonat mit Mitgliedern des US-Militärs. Gemeint waren damit Angriffe auf Venezuela, gegen deren Drogenkartelle die US-Regierung offiziell bereits auf See vorgeht. Das wahre Ziel dürfte allerdings Diktator Nicolás Maduro sein, der vergangene Woche Waffen an loyale Milizen verteilen ließ. Mein Kollege Andrzej Rybak hat mit Venezolanern über die Angst vor einer US-Invasion gesprochen – und über eine Zukunft, die auch ohne Maduro nicht automatisch eine bessere wäre.
Es war einmal in Amerika
AP Photo
Während die Bilder der Brandkatastrophe in Hongkong diese Woche um die Welt gingen, jährte sich in den USA eines der tödlichsten Infernos in der Geschichte des Landes. 492 Menschen kamen am 28. November 1942 ums Leben, als der Nachtclub "Cocoanut Grove" in Boston Feuer fing. Verschlossene Notausgänge, leicht entflammbare Dekoration, nur eine Drehtür als Eingang und zweimal so viele Gäste wie vorgesehen – der auch bei Stars beliebte Club missachtete an diesem verhängnisvollen Samstag sämtliche Sicherheitsvorkehrungen. Dass nicht noch mehr der knapp 1000 Besucher starben, lag vor allem an den gut ausgestatteten Krankenhäusern der Umgebung, die nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg auf Großeinsätze vorbereitet worden waren. Der letzte noch lebende Augenzeuge des Feuers, Bob Shumway, starb im Juni dieses Jahres im Alter von 101 Jahren.
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Inside America
Mit dabei: ein Plan für Frieden in der Ukraine und ein möglicher Krieg in Venezuela
Die erste große Niederlage des Donald Trump
Liebe Leserinnen und Leser,
seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus umgab Donald Trump ein Mythos der Unantastbarkeit. Doch in dieser Woche bekam die Fassade erste Risse.
Ausgerechnet ein Gesetz, das Trump um jeden Preis verhindern wollte, ging mit nur einer Gegenstimme durch den republikanisch kontrollierten Kongress. Das Justizministerium muss nun die lange unter Verschluss gehaltenen Akten rund um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein veröffentlichen. Noch vor einer Woche hätte darauf niemand gewettet – auch nicht Lisa Phillips.
Die heute 47-Jährige wurde als junges Model von Epstein auf seiner Insel missbraucht (+). Heute kämpft sie gemeinsam mit ihren "Survivor Sisters“ für Gerechtigkeit und die Strafverfolgung von Epsteins Mittätern.
Auf einer Pressekonferenz kurz vor der Abstimmung am Dienstag hatten Phillips und andere Frauen den Abgeordneten noch ins Gewissen geredet. Nach dem fast einstimmigen Ergebnis, sei sie "überwältigt" gewesen, erzählte mir Phillips später. "In diesem Moment wurden wir Zeugen eines Durchbruchs, für den wir jahrelang gekämpft haben."
Lisa Phillips, 47, umringt von ihren „Survivor Sisters“ bei einer Pressekonferenz am Dienstag vor dem US-Kapitol
. Heather Diehl / Getty
Was Epstein-Opfer wie Phillips als "Moment des Triumphes" empfinden, ist für Trump die bisher größte Niederlage seiner zweiten Amtszeit. Am Mittwoch musste er seinen eigenen Namen unter ein Gesetz setzen, das ihn politisch verwundbar macht. Denn die Freigabe der Akten ist mehr als ein juristischer Vorgang. Sie zeigt, dass Trumps Macht nicht grenzenlos ist und dass selbst loyale Republikaner sich ihm widersetzen – wenn der Druck der öffentlichen Meinung zu groß ist.
Das heißt allerdings noch lange nicht, dass nun alle Epstein-Akten ans Licht kommen (+). Das Gesetz enthält viele Schlupflöcher, darunter eine Ausnahme für Dokumente, die in laufenden Ermittlungen benötigt werden. Und eine solche Ermittlung hat Trump gerade gegen prominente Demokraten angestoßen.
Das heißt allerdings noch lange nicht, dass nun alle Epstein-Akten ans Licht kommen (+). Das Gesetz enthält viele Schlupflöcher, darunter eine Ausnahme für Dokumente, die in laufenden Ermittlungen benötigt werden. Und eine solche Ermittlung hat Trump gerade gegen prominente Demokraten angestoßen.
Phillips weiß, dass ihr Kampf für Gerechtigkeit nicht zu Ende ist. Sie befürchtet, dass die Namen mächtiger Männer trotz des Gesetzes geschützt werden könnten. "Wir werden wachsam bleiben", sagte sie mir. "Und wir werden nicht zulassen, dass unsere Wahrheit erneut verschleiert wird."
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
aus Washington, D.C.
Rückblick
Am Wochenende treffen sich die G20-Staaten im südafrikanischen Johannesburg – nicht dabei ist allerdings US-Präsident Donald Trump. Er boykottiert den Gipfel, weil Südafrika seiner Meinung nach nichts gegen einen angeblichen „Völkermord“ an weißen Südafrikanern unternehme. Trumps Hass auf das Land am Kap ist bekannt – interessant ist allerdings, wie seine Politik an die langjährige Kooperation der USA mit dem rassistischen Apartheidsregime anknüpft. (+)
Einblick
Amerikanische und russische Unterhändler legten am Donnerstag einen 28-Punkte-Plan vor, der zu einem Frieden in der Ukraine führen soll – der allerdings ein paar große Fragen aufwirft, allen voran: Wäre das nicht eine Kapitulation der Ukraine? Mein Kollege Moritz Gathmann, der immer wieder aus der Ukraine berichtet, hat dazu eine klare Meinung (+): Wir können uns über den Plan aufregen, aber er spiegelt eben die militärische Lage wider. Und Europa hat es in den vergangenen drei Jahren versäumt, daran etwas zu ändern.
Ausblick
Donald Trump rüstet seit Wochen massiv gegen Venezuela auf. In Washington wächst die Sorge, dass die Lage eskalieren könnte. Doch wie nah sind die USA wirklich an einem Krieg? Lateinamerika-Experte Benjamin Gedan gibt im Gespräch eine sehr klare Einschätzung – nach einer friedlichen Lösung sieht es demnach kaum aus. (+)
Fotofinish
AMPAS/Avalon/actionpress
Nein, Sie haben nichts verpasst. Die Academy Awards werden weiterhin Ende Februar oder Anfang März vergeben. Aber ja, das ist Tom Cruise mit einem Oscar. Seit 2009 werden die Preise fürs Lebenswerk nicht mehr während der Live-Zeremonie verliehen, sondern im Rahmen einer eigenen Veranstaltung, den Governors Awards. Viermal war der 63-Jährige für den wichtigsten Preis im Showbusiness nominiert, gewonnen hat er ihn nie. Cruise schien über die Auszeichnung ohne Konkurrenz aber nicht minder gerührt. Am Ende seiner knapp zehnminütigen Rede bat er alle Anwesenden im Saal, die je mit ihm gearbeitet hatten, aufzustehen. Man kann sich bei dieser Karriere, die von "Rain Man" bis zur "Mission Impossible"-Reihe reicht, vorstellen: Es standen sehr viele.
See you next time!
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