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Inside America
Mit dabei: Midterms-Tricksereien und eine MAGA-Rebellion
Trumps Mann für alles
Liebe Leserinnen und Leser,
auf die Frage, wer Donald Trumps fleißigstes Kabinettsmitglied ist, gibt es in Washington derzeit nur eine Antwort: Marco Rubio.
Neben seinem Hauptjob als Außenminister fungiert der 54-Jährige als nationaler Sicherheitsberater, bis Februar war er zusätzlich Chef des Nationalarchivs, dazu überwacht er bisweilen die Reste der Entwicklungshilfeagentur USAID. In der Hauptstadt hat ihm das längst den Spitznamen „Minister für alles“ eingebracht. Wann immer nun im Weißen Haus jemand für eine Aufgabe gesucht wird, kursieren schnell Memes, die Rubio in der jeweiligen Rolle zeigen: im Revolutionsgewand nach dem Sturz von Venezuelas Machthaber; im Pelzmantel, als Trump mit der Übernahme Grönlands liebäugelte; zuletzt sogar als neuer Oberster Führer des Iran.
Das Gelächter war entsprechend groß, als am Dienstag anstelle von Trumps Sprecherin Karoline Leavitt ausgerechnet Rubio den Kopf durch die Tür des Pressebriefingraums steckte. Leavitt hatte sich jüngst in den Mutterschutz verabschiedet, also bekam Rubio kurzerhand den neuen Titel „Pressesprecher“ verpasst – eine Aufgabe, die er sichtlich zu genießen schien.
Inmitten von Fragen zur vertrackten Lage in der Straße von Hormus, zu steigenden Benzinpreisen und dem Druck auf Kuba präsentierte sich Rubio mit einer Lässigkeit, die man im Trump-Kabinett selten sieht. Wie schon früher im Senat peppte er seine Antworten mit Rap-Zitaten auf: Die iranische Führung sei „insane in the brain“, sagte er mit Verweis auf einen gleichnamigen Song von Cypress Hill. Ein konservativer Newsmax-Moderator schwärmte anschließend, Rubio sei „Trumps stärkste Waffe“. Auch im Weißen Haus bejubelte man den Auftritt.
Ein Mann für jeden Job: Trumps Außenminister Marco Rubio. Tom Brenner/actionpress
Tatsächlich wirkt es zunehmend so, als sei Marco Rubio dabei, sich vom loyalen Erfüllungsgehilfen zum politischen Machtfaktor zu wandeln. Intern gilt er längst als einer der diszipliniertesten und effektivsten Kommunikatoren des Präsidenten. Nur zwei Tage nach dem Presseausflug schickte Trump ihn direkt weiter zu einer Audienz mit Papst Leo XIV. – zu einem Zeitpunkt, an dem die Beziehungen zwischen Weißem Haus und Vatikan nach Trumps Attacken auf den Papst so angespannt sind wie nie (+).
Doch in Washington denkt kaum jemand nur an Diplomatie. Hinter verschlossenen Türen diskutieren republikanische Strategen inzwischen offen, was Rubios Dauerpräsenz für die Wahlen 2028 bedeutet. Trump selbst lobt seinen Außenminister immer wieder in höchsten Tönen. Zuletzt soll der US-Präsident wiederholt Berater und Freunde gefragt haben, wie Rubio im Vergleich zu seinem Vize J. D. Vance abschneidet. Das nährt den Eindruck unter Insidern, dass Rubio beginnt, Vance politisch zu überholen – obwohl er einst zugesagt hatte, diesen im Falle einer Kandidatur zu unterstützen.
Das Internet hat seinen Favoriten für den Moment gefunden: Nach Ende der Pressekonferenz trendete auf X der Hashtag #Rubio2028.
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
Rückblick
Als Stephen Colbert vor Monaten die baldige Absetzung seiner Late-Night-Show verkündete, saß der Schock beim Publikum rund um die Welt tief. Und insgeheim, auch bei ihm selbst. Am 21. Mai geht der Entertainer ein letztes Mal auf Sendung. Dem „Hollywood Reporter" hat Colbert ein Abschiedsinterview gegeben. Darin spricht er über die Textnachrichten, die ihm seine Kollegen in den ersten Tagen nach der Hiobsbotschaft schickten, warum er seinen Zuschauern im Studio untersagt, Donald Trump auszubuhen und welchen Gast er sich zum Finale auf seinem Talk-Sessel wünscht.
Einblick
Geht es nach der Trump-Regierung, soll in einer Kleinstadt in Georgia bald das größte Abschiebegefängnis des Landes entstehen. Dafür hat das Heimatschutzministerium eine gigantische leer stehende Lagerhalle gekauft – mit Platz für bis zu 10.000 Häftlinge, doppelt so viele Menschen, wie im Ort Social Circle leben. Die Pläne gefallen der Gemeinde, in der 75 Prozent Trump gewählt haben, gar nicht. Nun wächst ein Widerstand, der ungewöhnliche politische Allianzen schmiedet (+).
Ausblick
Bei den Parlamentswahlen im Herbst droht dem US-Präsidenten ein Denkzettel. Die Preise sind hoch, die Amerikaner erbost über den Irankrieg und Trumps Zustimmungswerte im Keller. Um seinen Republikanern einen Last-Minute-Vorteil zu verschaffen, drängt er die Partei in mehreren Bundesstaaten zu einem Neuzuschnitt der Wahlkreise. Die Strategie könnte nach hinten losgehen (+).
Fotofinish
U.S. District Court for the Southern District of New York/REUTERS
Es ist eines der aufsehenerregendsten Dokumente im Fall Epstein, das Richter Kenneth M. Karas am Mittwoch in New York für die Öffentlichkeit freigegeben hat. „Sie haben Monat (sic) lang ermittelt – NICHTS GEFUNDEN!!!“, lautet die erste Zeile der angeblichen Abschiedsnachricht des Sexverbrechers Jeffrey Epstein. Sein zeitweiliger Mithäftling Nicholas Tartaglione behauptet, die Notiz in einem Buch in der gemeinsamen Zelle gefunden zu haben. „Es ist ein Genuss, die Zeit seines Abschieds selbst wählen zu können. Was wollt ihr, soll ich in Tränen ausbrechen!! MACHT KEINEN SPASS – IST ES NICHT WERT!!“, heißt es in der Nachricht weiter. Ob sie wirklich von Epstein stammt, ist unklar. Die Ermittlungsbehörden schweigen hierzu bislang. Offiziell nahm Epstein sich im August 2019 das Leben. Spekulationen und populäre Verschwörungstheorien um seinen Tod ziehen dies bis heute in Zweifel.
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Inside America
Mit dabei: Königliche Kritik und das Reich der Reichsten
Amerikas hässlichste Seite
Liebe Leserinnen und Leser,
es gibt Tage im Reporterdasein, die man nicht mehr vergisst. Für mich wird der zurückliegende Samstag dazugehören, als ein Angreifer das prominent besetzte White House Correspondents' Dinner in Washington stürmte – mit dem erklärten Ziel, Donald Trump und seine Regierung auszuschalten, „vom höchsten Rang bis zum niedrigsten“. Der Mann wurde gestoppt. Der Schock aber hallt nach in einer Stadt, in der jeder jemanden kennt, der im Saal war. An die Minuten, in denen ich mich mit meinen Sitznachbarinnen unterhielt – und wir uns unter den Tisch duckten, als die Schüsse fielen, werde ich noch lange denken.
Der Abend offenbarte zwei der hässlichsten Seiten Amerikas: wie alltäglich politische Gewalt geworden ist. Und wie schnell eine gespaltene Gesellschaft in Verschwörungstheorien abdriftet.
Vielen Gästen waren die Szenen schmerzlich vertraut. Erika Kirk, deren Ehemann Charlie im vergangenen September bei einer öffentlichen Veranstaltung erschossen wurde, verließ unter Tränen den Saal. Ein kreidebleicher Republikaner namens Steve Scalise, selbst 2017 angeschossen, wurde von Sicherheitskräften hinausgeführt. Und auch viele meiner US-amerikanischen Pressekollegen, die 2024 beim ersten Attentatsversuch auf Trump während einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania dabei waren, sprachen von einem unheimlichen Déjà-vu.
Beängstigend war jedoch die Geschwindigkeit, mit der die Diskussion um den Anschlag online eskalierte. Noch bevor irgendetwas über den Täter bekannt war, kursierte das Wort „inszeniert“. In den sozialen Medien wurde der Angriff rasch zum Stoff für Spekulationen und Schuldzuweisungen – angeblich ein Komplott, um von Trumps schlechten Umfragewerten oder dem Irankrieg abzulenken. Solche Verschwörungstheorien sind gefährlich. Überraschend sind sie nicht.
Wer wie Trump jahrelang selbst Zweifel sät, wer Verschwörungen befeuert und offen lügt, schafft ein Klima, in dem selbst Schüsse nicht mehr eindeutig sind.
Als Schüsse fallen, ducken sich Gäste beim Pressedinner eilig unter den Tisch. Nathan Howard/Getty Images
Der dritte Attentatsversuch auf Trumps Leben binnen zwei Jahren zeigt die Sicherheitsherausforderungen für die Bewacher eines Präsidenten, der polarisiert wie kein anderer. Die kommenden Monate machen es nicht einfacher: Trumps 80. Geburtstag, dazu der 250. der Vereinigten Staaten, die Fußballweltmeisterschaft, die Zwischenwahlen. Viele große Bühnen, viele potenzielle Risiken. Schon nach dem ersten Anschlag hatte Trump seine Auftritte verändert: weniger Reden unter freiem Himmel, mehr Events auf Militärstützpunkten und vor kleineren Menschenmengen. Aus dem Weißen Haus heißt es nun, man prüfe „zusätzliche Sicherheitsoptionen“.
Trump hat seine eigene Lösung gefunden (+): Der Vorfall, so argumentierte er, zeige, warum man unbedingt einen Ballsaal im Weißen Haus brauche. Doch ein Ballsaal ist keine Sicherheitsstrategie – erst recht nicht im Wahljahr. Denn mit den bevorstehenden Midterms wächst der Druck, wieder auf Wahlkampftour zu gehen und Anhänger zu mobilisieren.
Eine Bunkermentalität mag einen Präsidenten besser schützen. Politisch aber hat sie ihren Preis.
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
Rückblick
Nach einer Woche schlechter Nachrichten war der Besuch von König Charles III. eine willkommene Ablenkung für Donald Trump. Eine feierliche Militärparade, ein goldverziertes Staatsbankett und königliche Geschenke – der Präsident genoss die Flucht in Prunk und Pomp. Doch sein Gast glänzte nicht nur mit royalem Charme. In all die Harmonie setzte der König in seiner Rede vor dem Kongress präzise Nadelstiche (+).
Einblick
Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Peter Thiel: Immer mehr amerikanische Multimilliardäre ziehen nach Miami. Es locken das schöne Wetter, niedrige Steuern und die Nähe zu Trumps Machtzentrale Mar-a-Lago. Mein Kollege Jan Christoph Wiechmann hat sich das Reich der Reichen angeschaut – und einen Ort gefunden, an dem die Schamlosigkeit regiert (+).
Ausblick
Vor einem Jahr schmiss Elon Musk in Washington hin und zerstritt sich mit dem US-Präsidenten. Seither ist es ruhiger um ihn geworden. Seinen politischen Einfluss baut der Tech-Milliardär aber weiter aus – mit Wahlwerbung für extreme Kandidaten und der Verpflechtung seiner diversen Firmen mit der Trump-Regierung (+).
Es war einmal in Amerika
Getty Images
Der Ausblick war schon damals atemberaubend: Das Bild des Mannes, der hier vor einem Panoramafenster des Empire State Buildings posiert, stammt aus dem Jahr 1931. Am 1. Mai öffnete das Art-Deco-Gebäude nach nicht einmal 14 Monaten Bauzeit seine Türen für Besucher. Nur Monate vorher war das Chrysler Building (im Hintergrund) fertiggestellt worden. Mit 102 Stockwerken und 443 Metern Höhe (inklusive Antenne) war das Empire State Building jahrzehntelang der höchste Wolkenkratzer New Yorks – mit Folgen: Etwa 25-mal im Jahr schlägt im Schnitt der Blitz in das Hochhaus ein.
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Inside America
Mit dabei: Der "Trumpbogen" und ein unhaltbarer FBI-Chef
Social Circle: 5000 Einwohner, 10.000 Häftlinge
Liebe Leserinnen und Leser,
Social Circle ist eine typisch amerikanische Kleinstadt im Herzen von Georgia. Ampelkreuzung, Supermarkt, Friseursalon. Auf den Veranden wehen US-Flaggen, im „Bread & Butter“, dem einzigen Café an der Hauptstraße, begrüßt Besitzerin Kimberly ihre Gäste mit Vornamen. Eine 5000-Einwohner-Gemeinde, in der jeder weiß, wer von den Nachbarn am Sonntag nicht in der Kirche war. Nachrichten verbreiten sich hier schnell. Schlechte erst recht.
Als an Weihnachten 2025 bekannt wurde, dass hier das größte Abschiebegefängnis des Landes entstehen soll, war die Aufregung groß. Das Heimatschutzministerium will dafür eine riesige, leer stehende Lagerhalle am Stadtrand kaufen – mit Platz für bis zu 10.000 Häftlinge.
Direkt gegenüber der Halle liegt die Pferdefarm von John und Kathlene Miller. Beide haben Donald Trump gewählt, wie rund 75 Prozent der Einwohner. Sie sind schockiert über die Pläne der Regierung für ihre Heimatstadt. „Es ist vollkommen schwachsinnig, so etwas in so einer kleinen Gemeinde zu errichten“, schimpft John Miller. „Ohne Planung, ohne Genehmigung, ohne die Menschen hier überhaupt zu fragen.“ Gemeinsam mit anderen Einwohnern organisiert er derzeit Notfallsitzungen und Proteste. Die Botschaft ist eindeutig: Die Abschiebebehörde ICE ist hier nicht willkommen.
Obwohl wie Miller viele grundsätzlich hinter Trumps hartem Kurs in puncto Migration stehen, besteht die Sorge, dass die Dimensionen einfach zu groß sind; dass aus Social Circle eine Gefängnisstadt wird.
Organisiert in Social Circle Anti-ICE-Proteste: die Demokratin Gareth Fenley. Leonie Scheuble
Für andere geht es um mehr. Lehrerin Gareth Fenley, eine Demokratin, ist erschüttert vom Umgang der Regierung mit Migranten und der zunehmenden Gewalt bei ICE-Einsätzen. Dass viele jetzt erst protestieren, weil es ihre direkte Nachbarschaft betrifft, nennt sie heuchlerisch – sieht es aber auch pragmatisch: „Wir brauchen jede Stimme im Widerstand.“
Einen ersten Erfolg haben die Bewohner von Social Circle bereits erzielt: Nach dem Wechsel an der Spitze des Heimatschutzministeriums liegen die Pläne für die neue Haftanstalt vorerst auf Eis. In der Kleinstadt ist die Stimmung vorsichtig optimistisch. Doch John Miller warnt: Solange nichts offiziell vom Tisch ist, müssen sie weiterkämpfen.
Take care
Leonie Scheuble
aus Social Circle, Georgia
Leonie Scheuble
aus Social Circle, Georgia
Rückblick
Vor einem Jahr nahm sich Virginia Giuffre mit 41 Jahren das Leben. Sie war das bekannteste und lauteste Missbrauchsopfer von Jeffrey Epstein. Durch ihren Mut wurden viele Details des Verbrechens öffentlich. Meine Kollegin Dagmar Seeland, die seit Jahren zu Epstein recherchiert, wollte ihr anlässlich dieses traurigen Jahrestages noch einmal Tribut zollen. Warum Giuffre ein Denkmal verdient (+).
Einblick
Kash Patel war seinen Job als FBI-Direktor mit nur einem Ziel angetreten: die polizeiliche Vorzeigebehörde zum Instrument für Trumps Rachefeldzug umzugestalten. Es folgten interne Ermittlungen gegen missliebige Mitarbeiter, Lügendetektortests und etliche Entlassungen. Unangebracht und besorgniserregend waren diese Maßnahmen. Doch nachdem jüngst auch eine Reihe an Skandalen über den FBI-Chef öffentlich geworden sind, fürchtet Patel plötzlich selbst um seinen Job (+).
Ausblick
Donald Trump möchte seiner Größe – manche würden sagen, seinem Größenwahn – in Washington, D. C., ein Denkmal setzen. 76 Meter hoch und damit größer als der Triumphbogen in Paris soll der „Trumpbogen“ zwischen Lincoln Memorial und dem Soldatenfriedhof Arlington werden. Das Projekt ist stadtplanerisch völliger Unsinn und wird von Veteranen genauso kritisiert wie von Architekturhistorikern. Marc Etzold und Patrick Rösing haben das geplante Bauwerk mit anderen Monumenten verglichen (+) und erklären, was der Realisierung noch im Weg steht.
Fotofinish
Evan Agostini/dpa
Es mag überraschen, aber Prada wählten weder Meryl Streep und Emily Blunt noch Stanley Tucci und Anne Hathaway (v.l.n.r.) als Outfit für die Weltpremiere von "Der Teufel trägt Prada 2" am Montag im New Yorker Lincoln Center. Immerhin: Hauptdarstellerin Meryl Streep umgab in ihrem roten Mantelkleid von Givenchy und schwarzen, langen Lederhandschuhen eine diabolische Aura. 20 Jahre mussten Fans auf die Fortsetzung des Kultfilms warten. Ab dem kommenden Donnerstag können auch die deutschen Kinofreunde mit dem Quartett mitlachen, das sichtlich Spaß an der Reunion hatte und in diesen Tagen auf Promotour rund um die Welt unterwegs ist.
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Inside America
J. D. allein zu Haus
Liebe Leserinnen und Leser,
normalerweise ziehen die Campus-Events von Turning Point USA, der konservativen Jugendorganisation des ermordeten Charlie Kirk, Massen an. Insbesondere wenn der Stargast niemand Geringeres als der Vizepräsident ist. Umso überraschter war ich, als J. D. Vance am Dienstag dieser Woche die Bühne einer sehr dürftig besetzten Arena in der Universitätsstadt Athens betrat. Gerade einmal tausend Menschen waren in der Halle – beim College-Eishockey sind es hier sonst mühelos 5000. Für Vance war das fast eine Demütigung, aber es passte auch irgendwie zu seiner Woche, die für ihn zahlreiche Tiefschläge bot.
Als ich zwischen Ständen mit „Freedom“-Buttons und MAGA-Caps mit den jungen Leuten sprach, wurde rasch klar: Viele von ihnen waren nicht aus Begeisterung für Trump oder Vance da. Sie wollten Antworten.
Da war Ingenieurstudent Jacob Padgett, 22, rosa Polohemd. Er hatte 2024 Trump gewählt, weil er dessen Versprechen einer starken Wirtschaft und von weniger Auslandseinsätzen des Militärs geglaubt hatte. „Heute bin ich enttäuscht von ihm“, sagte er und fügte hinzu: „Wie viele in meinem Alter.“ Andere formulierten es schärfer. „Ich fühle mich von Donald Trump betrogen“, sagte Blake, ein 24-jähriger Wirtschaftsstudent im USA-Shirt. „Was zum Teufel machen wir im Iran? Das ist nicht America First.“
Der Besuch von J. D. Vance an der University of Georgia löste bei vielen Studierenden keine Begeisterung aus
. Elijah Nouvelage / Reuters
Bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen schnitt Donald Trump bei jungen Wählern so stark ab wie kein republikanischer Kandidat in den letzten 20 Jahren. Vor allem junge Männer stimmten für ihn, Kommentatoren entdeckten schon eine „Bro Vote“. Sein Versprechen eines „goldenen Zeitalters“ für Amerika traf in der Gen Z einen Nerv.
Heute liegt Trumps Zustimmungsrate bei den 18- bis 29-Jährigen bei nur noch 25 Prozent – etwa halb so hoch wie ein Jahr zuvor. Angesichts hartnäckig hoher Preise, weiter steigender Lebenshaltungskosten und der Sorge vor einem endlosen Krieg im Nahen Osten fragen sich inzwischen viele, ob sie die richtige Wahl getroffen haben (+).
Als Vance in Georgia auf den Iran angesprochen wurde, schlug er selbst einen vorsichtigeren Ton an. „Junge Wähler heißen unsere Nahostpolitik nicht unbedingt gut“, sagte er. „Ich verstehe das.“ Seine Botschaft an diesem Abend war defensiv und dringlich zugleich: „Zieht euch nicht zurück, nur weil ihr in einem Punkt nicht mit der Regierung übereinstimmt.“
Der Appell wirkte weniger wie ein Aufbruch als wie ein Flehen.
Take care
Leonie Scheuble
aus Athens, Giorgia
Leonie Scheuble
aus Athens, Giorgia
Rückblick
Als Melania Trump am 9. April im Weißen Haus ans Mikrofon trat, um jegliche Verbindung zu Jeffrey Epstein kleinzureden, war die Überraschung groß. Doch für viele Online-Detektive ist der Grund inzwischen klar. „Ich werde alles preisgeben, was ich über dich weiß.“ So lautete der Post einer gewissen Amanda Ungaro, der am Tag vor Melanias Statement viral ging. Wer aber ist diese Frau? Meine Kollegin Dagmar Seeland in London, kundig wie keine Zweite bei uns in der Causa Epstein, hat es einmal aufgedröselt (+).
Einblick
Donald Trump liebt es, Dingen seinen Namen zu geben. In Washington gibt es bereits das Trump-Kennedy-Center und das Trump-Friedensinstitut. Das neue US-Visum für wohlhabende Ausländer heißt „Trump Gold Card“, Sparkonten für junge Eltern „Trump Accounts“, auch eine Klasse von Kriegsschiffen soll seinen Namen tragen. Das Epizentrum der Trump-Anbetung liegt jedoch in Florida (+). Ein Flughafen, ein Museum, Straßen – der Kult kennt hier keine Grenzen.
Ausblick
Fast 300 Tage ist die USS Gerald F. Ford nun schon durchgehend im Einsatz. Damit hat der größte Flugzeugträger der Welt einen neuen Rekord aufgestellt – seit dem Vietnamkrieg war kein Schiff der US-Navy länger im Einsatz. Doch das fordert seinen Tribut. Schon im März musste sich die Ford nach einem Brand an Bord aus dem Iran-Einsatz zurückziehen (+) – nun kommt es wohl auch, so berichten Seeleute, in der Bordküche zu ersten Versorgungsengpässen. Eine rasche Rückkehr in den Heimathafen San Diego ist allerdings nicht geplant.
Es war einmal in Amerika
AP Photo/Raul Corrales, The Canadian Press
Der Bart, der Blick, das Barett – unverkennbar Fidel Castro ist es, der hier aus der Luke eines Panzers schaut. Er beobachtet, wie seine Truppen eine Armee aus Exil-Kubanern bekämpfen. Auf den Tag genau 65 Jahre ist es nun her, dass mehrere Tausend von ihnen versuchten, in der Schweinebucht auf Kuba zu landen, um das kommunistische Regime zu stürzen. Unterstützt und finanziert wurden sie von der CIA. Die Invasion endete in einem Desaster. Nach 65 Stunden war die Söldnerarmee geschlagen – und die junge US-Regierung von John F. Kennedy vor der Weltöffentlichkeit blamiert. Seitdem haben amerikanische Präsidenten immer wieder versucht, das kommunistische Regime in Havanna zu stürzen, mit Sanktionen, mit einem Embargo, mit Attentatsversuchen – und sind immer wieder gescheitert. Donald Trump lässt sich davon nicht beirren.
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Inside America
Mit dabei: Rätsel um Melania und verlassene Haustiere
Mojitos statt Cuba Libre
Liebe Leserinnen und Leser,
in Miami verfolgen die Menschen Donald Trumps Krieg im Iran mit besonders großer Spannung, vor allem in den Stadtteilen Little Havana und Hialeah. Hier leben Hunderttausende Exilkubaner. Sie hatten die Hoffnung, dass der US-Präsident sich nach dem Angriff auf Venezuela als Nächstes Kuba vorknüpfen würde – und nicht den Iran.
„Und jetzt das“, sagt Vladimir, 48, der jeden Tag auf einem Platz mit einigen Kameraden Schach spielt, dabei laut Radionachrichten hört und über die letzten Entwicklungen in der Heimat debattiert. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Trump nach dem Desaster im Iran jetzt in Kuba zuschlägt.“
„Gerade jetzt“, erwidert sein Kumpel José, „Trump braucht nach dem Desaster schnell wieder einen Erfolg. Kuba ist leichter einzunehmen als der Iran.“
„Militärisch vielleicht“, entgegnet Vladimir, „aber die ganze Insel ist in der Hand der Kommunisten, seit fast 70 Jahren. Da hast du es auch nicht leichter als mit den Mullahs.“
Vladimir (l.) und sein Kumpel José (M.) diskutieren beim Schach über Trumps Politik. Jan Christoph Wiechmann
So geht die Diskussion an diesem Nachmittag am Domino Park in Little Havana los, schon bald mischen sich andere ein, Rentner, Migranten, Passanten. Sie sind bestens informiert, das merkt man sofort. Sie verfolgen das Kriegschaos im Detail. Sie hoffen weiter auf einen Regimewechsel in Havanna, haben aber ihre Meinung über den US-Präsidenten geändert. Eine große Mehrheit der Exilkubaner wählte vor anderthalb Jahren Trump, doch das Leben in den USA ist teuer, der Krieg im Iran eine Katastrophe, der Regimewechsel in Venezuela eine Farce. Die Enttäuschung in Little Havana ist erstaunlich groß – und die Meinung einheitlich: Trump hat gar kein Interesse an Freiheit und Demokratie auf Kuba.
Wie so oft im Journalismus sind solche Begegnungen mindestens so wertvoll wie Gespräche mit Politikern oder Regierungssprechern. Wären morgen Wahlen in den USA, das wird schnell klar, würde Trump selbst in Little Havana, der Hochburg der Republikaner, nicht gewinnen, und das sagt eine Menge über die Stimmung im Land.
„Warum hat euer Kanzler Spaniens Premierminister nicht geholfen, nach Trumps Schelte?“, fragt Vladimir am Schluss eines langen Abends. Es ist längst dunkel, die Luft noch warm, 25 Grad, Mojitos machen die Runde, einige Exilkubaner rauchen klischeegerecht dicke kubanische Zigarren. „Ich dachte, ihr Europäer haltet zusammen“, wirft er mir vor.
Ich bin überrascht angesichts der Frage und seines Detailwissens und meiner eigenen Vorurteile, die da sagen: In Amerika weiß man oft herzlich wenig über Europa.
Die Exilkubaner in Miami jedenfalls wissen eine Menge. Und sie sind nicht glücklich mit Europas Feigheit gegenüber Trump. Wenn sie eine Botschaft haben, dann diese: Zeigt dem Kerl endlich die Stirn.
See you down the road
Jan Christoph Wiechmann
aus Miami, Florida
aus Miami, Florida
Rückblick
Ob der Krieg im Iran tatsächlich dem Ende entgegengeht, ist ungewisser denn je. Klar ist jedenfalls schon: Donald Trumps Standing hat deutlich gelitten, auch unter seinen eigenen Anhängern. Meine Kollegin Leonie Scheuble hat die Kritik an der Heimatfront (+) unter die Lupe genommen.
Einblick
Sie leben allein in Hinterhöfen. Sie landen in Tierheimen. Sie streunen umher und suchen verzweifelt nach ihren Besitzern. Tausende Haustiere der von Trump deportierten Migranten haben ihr Zuhause verloren und verstehen die Welt nicht mehr. Ich habe ein Tierheim in der Stadt Tampa in Florida besucht und dabei wirklich herzergreifende Geschichten gehört (+). „Wir haben dreimal so viele Tiere wie vorher“, sagte mir die Leiterin Heydi Acuna. „Wir erleben eine echte Krise.“
Ausblick
Melania Trump ist nicht gerade bekannt für große Auftritte. Umso größer war die Überraschung, als die First Lady am Donnerstag vor die Kameras trat und sich ausgerechnet zum Epstein-Skandal äußerte – ein Thema, das in den USA zuletzt aus den Schlagzeilen verschwunden war. Trump beteuerte, nichts von den Verbrechen des Sexualstraftäters gewusst zu haben, und erklärte, ihren „guten Ruf“ wiederherstellen zu wollen. Seither stellt sich ganz Amerika die Frage (+): Warum spricht Melania Trump plötzlich über Epstein?
Fotofinish
Megan Briggs/Getty Images vis AFP
Die Fans lieben ihn heiß und innig – und er sie: Unter dem Jubel Tausender Anhänger hat Clubbesitzer David Beckham vor einigen Tagen das neue Stadion seines Vereins Inter Miami eingeweiht. Die Fußballlegende ist auch in den USA sehr beliebt. Beckham ist mitverantwortlich dafür, dass der im Land „soccer“ genannte Sport in den vergangenen Jahren höhere Popularität erlangte. Das neue Stadion bietet Platz für knapp 27.000 Zuschauer. WM-Spiele werden im Sommer dort trotzdem nicht ausgetragen. Denn für das Turnier ist das Stadion wiederum zu klein. Die sieben in Miami geplanten Spiele finden im Stadion des ansässigen American Football Teams, den Miami Dolphins, statt. Das hat 67.000 Plätze. Die Frage ist, wie viele davon angesichts der horrenden Ticketpreise am Ende leer bleiben.
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Inside America
Die Welt ist den Amerikanern nicht mehr genug
Liebe Leserinnen und Leser,
es war ein bewegender Moment. Die Menschen standen auf einer Aussichtsplattform im Zentrum von Orlando und beobachteten den Himmel. 60 Kilometer entfernt, im Kennedy Space Center, startete die Artemis II auf ihre bemannte Mission um den Mond (+), die erste seit 1972. Irgendwann begann der Countdown, die etwa 200 Menschen zählten laut mit, und dann erkannten sie zwischen den Wolken schon bald den grellen Schweif der Rakete. Jubel setzte ein, lautes Klatschen, sogar Umarmungen, es war ein stimmungsvolles Event.
America at its best.
In vielen Teilen Floridas beobachteten Menschen den Start der Artemis II, hier die Banana Creek-Aussichtsplattform in der Nähe des Kennedy Space Centers
. Nasa
Doch dann begannen die Rufe: „USA, USA, USA.“ Nicht alle Zuschauer beteiligten sich – und ausschließlich Männer –, aber es waren genug, dass es einen erschauderte. Die Rufe klangen nicht stolz, sondern aggressiv. So wie bei Trumps Wahlveranstaltungen, wenn er gegen Migranten wettert, und seine Fans wütend mit „USA, USA, USA“ antworten. Die Rufe wollen sagen: Wir sind die Besten. Uns schlägt keiner. Wir hauen alle weg.
America at its worst.
Zwei Stunden nach dem Start der Artemis II dann hielt Präsident Trump eine Rede an die Nation, in der er den Amerikanern einbläute, dass die USA in allem die Besten sind, im Kriegführen, im Dezimieren, im Vernichten. „Wir bombardieren den Iran in die Steinzeit zurück!“
America at its absolute worst.
Einige der verbliebenen Besucher schauten sich die Rede auf einem Bildschirm an, aber es waren nur wenige, und die wenigen waren nicht angetan. Trump hat die Amerikaner bei seinem Krieg verloren, das wird einem bei den Gesprächen im Land immer klarer.
Am selben Morgen hatte ich Heydi Acuña, eine Einwanderin aus Kolumbien, für ein Interview getroffen. Sie kümmert sich um Tiere, die von Migranten zurückgelassen werden, weil sie von Trumps ICE-Truppen festgenommen und deportiert werden. Manche Tiere verenden allein in den Häusern, manche streunen umher, suchen verzweifelt ihre Herrchen und Frauchen, und um alle kümmert sich Heydi Acuña mit ihrem völlig überfüllten Tierheim.
America at its very best.
Ein bewegender Tag, auch für einen erfahrenen Reporter.
See you down the road
Jan Christoph Wiechmann
aus Orlando, Florida
aus Orlando, Florida
Rückblick
Die Bewegungen am Aktienmarkt waren erstaunlich. Wenige Minuten, bevor Donald Trump sich via Truth Social in Sachen Iran an die Öffentlichkeit wandte, platzierten Händler Termingeschäfte. Als die Kurse nach Trumps scheinbarer Entspannungsbotschaft nach oben schnellten, verdiente jemand viele hunderte Millionen. Zufall? Die Indizien häufen sich, die eher das Gegenteil nahelegen (+).
Einblick
Gut zwei Monate ist es nun, dass mehrere Millionen von Epstein-Akten veröffentlicht wurden. Die Aufregung weltweit war riesig – zu Recht: Ein ungeheuerliches Netzwerk des Missbrauchs wurde sichtbar. Inzwischen scheint es ruhiger geworden. Tatsächlich aber wird weiter ermittelt, es wird sogar gegraben, unter anderem auf Epsteins Ranch in New Mexiko (+).
Ausblick
In gut zwei Monaten beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA, und in dieser Woche gab es so etwas wie eine Generalprobe – mehrere Testspiele großer Teams vor Ort. Ich habe mir Brasilien gegen Kroatien hier in Florida angeschaut, mit Fans gesprochen und ging mit gemischten Gefühlen wieder nach Hause (+). Bei vielen ist die Vorfreude groß, andere aber erzählen, dass sie sich aus Angst vor der Einwanderungspolizei ICE kaum mehr in ein Stadion trauen – bei einem Event, das Menschen aus aller Welt zu einem großen Fest zusammenbringen soll.
Es war einmal in Amerika
dpa
Hätten Sie die beiden erkannt? Den linken Mann wahrscheinlich nicht, das ist Steve Wozniak. Den rechten vielleicht. Die Augen, die Gesichtszüge – das ist Steve Jobs. Diese Woche ist es 50 Jahre her, dass die beiden gemeinsam Apple gründeten. Den ersten Rechner löteten sie, wie es das Klischee will, in Jobs Garage zusammen. Das Foto zeigt sie im Jahr 1977, in den Jahren darauf zog sich Wozniak mehr und mehr aus der Firma zurück. Nach einem Auf und Ab in den 80er- und 90er-Jahren machte Jobs aus Apple schließlich zwischenzeitlich die wertvollste Firma der Welt – vor allem dank des iPhones.
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Inside America
Schießtraining für den Reporter
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
es kommt im Reporterleben nicht oft vor, dass der Interviewpartner einen auffordert, Schüsse mit der Pistole abzufeuern. So geschah es in dieser Woche bei meiner Recherche zum Thema Irankrieg (+). Ich fuhr durchs ländliche Pennsylvania und fragte die Menschen nach ihrer Haltung zu Trumps Krieg, als ich in dem Örtchen Shickshinny auf den pensionierten Justizvollzugsbeamten Jim Klein, 59, traf.
„Jimbo“, wie er sich nannte, erzählte von seiner Zeit in der US Army in Hanau und Gießen Anfang der 90er, als ich anmerkte: „Gießen? Da bin ich aufgewachsen. Da kommt meine Mutter her.“
„Du bist aus Gießen?“, sagte er. „Kennst du Licher Bier?“
„Na klar.“
„Mann, ich vermisse Licher Bier“, sagte er. „Ich kriege es hier nicht. Los, komm rein. Ich habe Weißbier da.“
Wir betraten sein Haus, das eher eine große Rumpelkammer war, und sprachen eine Zeit lang über das gespaltene Verhältnis vieler Trump-Wähler zum Irankrieg. Wie Jimbo stehen sie treu zu ihrem Präsidenten, halten aber nicht viel von seinen militärischen Abenteuern. Zumal die Benzinpreise drastisch steigen und das teure Leben immer teurer wird.
Mag Waffen, aber keine militärischen Abenteuer: Jim Klein. Jan Christoph Wiechmann
Im Hintergrund lief der rechte Nachrichtensender Fox News, der Trumps Kriegsstrategie als brillant bezeichnete, vor allem das letzte Manöver: Trump verkündet, dass die USA mit dem Iran verhandeln, um somit Druck vom Ölpreis zu nehmen. Gleichzeitig schickt er immer mehr Eliteeinheiten in die Region, um vielleicht doch noch den Großangriff zu starten.
„Ich hoffe, dass der Einsatz unserer Spezialkommandos gut ausgeht“, sagte Jimbo, der ehemalige Artillerist. „Sonst Gnade uns Gott.“
Dann holte er seine neue Pistole – eine Springfield Armory 1911 – aus dem Waffenschrank und dazu noch eine Winchester und sagte: „Komm, wir gehen hinters Haus. Ich bring’ dir das Schießen bei.“
Gastfreundschaft ist weit verbreitet in Amerikas Heartland. Die Menschen sind oft sehr herzlich – und gleichzeitig sehr reaktionär. Jimbo bezeichnet sich ganz offen als Redneck, hilft aber Menschen in Not, Drogenabhängigen, sogar Migranten.
Es war dann am Ende aber Jimbo, der seine Schießkünste demonstrierte. Er schoss mit dem Gewehr auf Baumstämme im Wald und mit der Pistole auf Treibholz im Teich. Er sagte, dass er sein Grundstück mit Waffengewalt verteidigt, sollte ein Fremder wagen, das zu betreten, und da wurde es dann auch Zeit weiterzufahren.
See you down the road
Jan Christoph Wiechmann,
aus Wilkes-Barre, Pennsylvania
aus Wilkes-Barre, Pennsylvania
Rückblick
Öffentliche Auftritte von Melania Trump sind eher selten und werden genaustens inszeniert. In dieser Woche zeigte sich die First Lady an der Seite eines humanoiden Roboters, der wie sie ganz in Weiß auftrat und in elf Sprachen grüßte. Meine Kollegin, US-Korrespondentin Leonie Scheuble, war bei der Show im Weißen Haus dabei und erlebte eine First Lady, die neben dem Roboter so strahlte wie nur selten an der Seite ihres Mannes (+).
Einblick
Neun Monate auf einer schwimmenden Insel aus Stahl, das hat die Crew der „USS Gerald R. Ford“ hinter sich. Und jetzt der Einsatz im Irankrieg. Der größte Flugzeugträger der US-Marine ist mit seinen 337 Meter Länge eigentlich ein Symbol militärischer Stärke. Doch die Besatzung kämpft zunehmend mit Problemen an Bord (+). Defekte Aufzüge, verstopfte Toiletten und sogar ein Brand in der Wäscherei zeigen den Verschleiß nach Dauereinsatz – dessen Ende nicht in Sicht ist.
Ausblick
Erst 48 Stunden, dann fünf Tage, jetzt noch mal zehn Tage. Immer wieder stellt Donald Trump dem Iran ein Ultimatum; der solle freien Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz ermöglichen. Und immer wieder setzt er dann eine neue Frist. Zur entscheidenden Frage aber äußert sich Trump kaum. Was soll denn mit den 440 Kilogramm angereicherten Urans des Iran geschehen? Könnten das am Ende sogar US-Spezialkräfte sichern und aus dem Land schaffen? Die Antwort darauf ist, es überrascht nicht, etwas komplizierter, als es sich der US-Präsident wohl vorstellt (+).
Fotofinish
Getty Images
Schon vor dem eigentlichen Flughafenterminal beginnt die Warteschlange, es dürfte für diese Reisenden ein oder zwei Stunden dauern, bis sie den Sicherheitscheck passiert haben. So wie hier in Atlanta kam es an vielen Flughäfen der USA in der vergangenen Wochen zu extremen Verzögerungen. Wegen eines teilweisen Regierungs-Shutdowns erhalten 50.000 Mitarbeiter der Transportsicherheitsbehörde derzeit kein Gehalt und sind nun in Streik getreten. In Houston mussten Passagiere bis zu vier Stunden warten. Die Regierung hat nun Beamte der gefürchteten Abschiebebehörde ICE an die Airports zur Aushilfe beordert, was weitere Menschenschlangen erzeugte – von Demonstranten.
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Inside America
Wenn Trump in die Luft geht
Liebe Leserinnen und Leser,
man hört ihn lange, bevor man ihn sieht. Ein tiefes Dröhnen legt sich über den Südrasen des Weißen Hauses – es sind die Rotoren von Marine One, des Präsidentenhubschraubers.
Dann blicken alle zum Weißen Haus hinüber und warten auf Trump. Wir Reporter rücken enger zusammen, Mikrofone werden umklammert, Stifte gezückt, man räuspert sich, um möglichst laut eine Frage über den Rasen schreien zu können. Es ist eine eingeübte Choreografie, wenn der Präsident das Weiße Haus per Hubschrauber verlässt.
Eine Stunde zuvor standen wir Journalisten noch dicht gedrängt im Briefing Room des West Wing. Auf ein Lautsprechersignal hin ging es dann hinaus auf die Südseite des Weißen Hauses. Vorbei am zubetonierten Rosengarten. Vorbei am „Presidential Walk of Fame“, wo Donald Trump seine eigene Version der Geschichte seiner Vorgänger inszeniert, bis schließlich auf den Rasen – dem Startplatz.
An diesem Tag ist die Stimmung allerdings gedrückter als sonst. Für den Präsidenten steht ein unangenehmer Kurztrip an: In Delaware soll er sechs getöteten US-Soldaten die letzte Ehre erweisen – es ist bereits der zweite Termin dieser Art seit Beginn des Irankriegs.
Als Trump aus dem West Wing tritt und sich in Begleitung von Verteidigungsminister Hegseth auf den Weg zu Marine One macht, beginnt das Geschrei. Über den Lärm des Hubschraubers hinweg rufen die Reporter dem Präsidenten ihre Fragen zu. Auch ich versuche es: Mr. President, was denken Sie über die skeptische Haltung Ihres Vizepräsidenten zum Krieg?
Nicht einer Meinung, was den Irankrieg angeht: Donald Trump und J. D. Vance. Aaron Schwartz / Actionpress
Meine Frage zielt auf einen Riss, der im Weißen Haus gerade sichtbar wird. Seit Trump in der Nacht zum 28. Februar den Angriff auf den Iran angeordnet hat, ist J. D. Vance auffallend still. Fast 72 Stunden lang kein Social-Media-Post, kein Statement, kein TV-Auftritt – ungewöhnlich für einen Politiker, der sonst jede politische Auseinandersetzung in Echtzeit kommentiert.
Als der Vize sich erstmals bei Fox News zu Wort meldet, wird schnell klar: Sein Schweigen ist Strategie. Vance, ein erklärter Gegner militärischer Interventionen, vermeidet konsequent jede persönliche Positionierung zur Lage in Nahost. Stattdessen spricht er von „der Sicht des Präsidenten“, „der Entscheidung des Präsidenten“, „dem Ziel des Präsidenten“.
Vances Dilemma: Er muss einen Krieg erklären, den er politisch nie wollte, und gleichzeitig einem Präsidenten die Treue halten, der Zweifel selten duldet. Kritik kann er sich nicht leisten, Schweigen aber auch nicht (+).
Auf meine Frage dazu antwortet Trump übrigens nicht – wie auch auf keine andere. Alles, was wir bekommen, ist ein kurzes Winken und eine in die Höhe gereckte Faust.
Take care
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
aus Washington, D.C.
Rückblick
Zu später Stunde, im Oval Office natürlich, auch auf dem Golfplatz – das Handy von Donald Trump klingelt fast ununterbrochen. Seine Nummer ist in Washington eine Art Währung geworden. Wer hat sie? Wer nicht? Die Antwort: erstaunlich viele. Reporter rufen den Präsidenten direkt an und bekommen mit etwas Glück ein Interview. Seit Kriegsbeginn im Iran hat Trump mehr als 30 Telefoninterviews gegeben. Ein Journalist der US-Newsseite „Semafor“ hat sich nun selbst auf die Jagd nach der Nummer gemacht – und überrascht festgestellt, dass sie weit weniger geheim ist als ihr Ruf.
Einblick
Neun Monate auf einer schwimmenden Insel aus Stahl, das hat die Crew der „USS Gerald R. Ford“ hinter sich. Und jetzt der Einsatz im Irankrieg. Der größte Flugzeugträger der US-Marine ist mit seinen 337 Meter Länge eigentlich ein Symbol militärischer Stärke. Doch die Besatzung kämpft zunehmend mit Problemen an Bord (+). Defekte Aufzüge, verstopfte Toiletten und sogar ein Brand in der Wäscherei zeigen den Verschleiß nach Dauereinsatz – dessen Ende nicht in Sicht ist.
Ausblick
Kein Öl mehr nach Kuba – so plant Donald Trump, die Insel auszuhungern. Die Anthropologin Katrin Hansing war gerade vor Ort. Im Gespräch mit dem stern berichtet sie von bettelnden Kindern, von Menschen, die im Müll nach Essen suchen, und tagelangen Stromausfällen. Während die kubanische Führung auf Zeit spielt, wird die Lage für die Bevölkerung immer verzweifelter. Sie leben seit Jahrzehnten als Spielball der Politik, so formuliert es Hansing (+).
Es war einmal in Amerika
Ullstein / AP
Es war damals, am 1. Mai 2003, eine Inszenierung à la Hollywood. US-Präsident George W. Bush ließ sich auf den heimgekehrten Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ fliegen und verkündete dort vor aufgereihten Jets und Soldaten den Sieg über Saddam Husseins Irak: „Mission Accomplished“ – die Mission war erfüllt. Das war ein Trugschluss, wie sich bald zeigte, der Irakkrieg wurde zu einem Desaster für die USA. Wann immer Donald Trump nun seinen Sieg über den Iran verkünden wird, genauer gesagt: das, was er als Sieg dann darstellen wird, die Inszenierung dürfte die von Bush wohl in den Schatten stellen. Bei der Kulisse könnte er sich übrigens an seinem Vorgänger orientieren – auch in diesen Tagen ist die „Lincoln“ wieder im Einsatz.
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Inside America
Mit dabei: Der Mann fürs Grobe und Kinderbriefe aus der ICE-Haft
Trumps Tankstellentrauma
Liebe Leserinnen und Leser,
zwei Wochen nach Beginn des Kriegs im Iran wird sein Preis für viele Amerikaner erstmals spürbar – an der Zapfsäule.
zwei Wochen nach Beginn des Kriegs im Iran wird sein Preis für viele Amerikaner erstmals spürbar – an der Zapfsäule.
An einer Exxon-Tankstelle in Arlington südlich von Washington ist der Frust in der Rushhour unüberhörbar. Benzin kostet 3,89 Dollar (3,40 Euro) pro Gallone (etwa 3,8 Liter), landesweit sind die Preise innerhalb weniger Tage um rund 50 Cent nach oben geschnellt. „Es ist ein Witz“, schimpft Lilly Wilm. Die 27-jährige Tech-Angestellte hat das Tanken in den vergangenen Tagen hinausgezögert. Doch auf dem Heimweg stand die Nadel bereits im roten Bereich. „Trump spielt Kriegstreiber“, sagt sie, „und wir zahlen den Preis.“
Dabei wollte der Präsident genau das Gegenteil erreichen. Niedrigere Benzinpreise sollten eine zentrale Botschaft der Republikaner im Zwischenwahlkampf werden. Ein Beleg dafür, dass ihre Wirtschaftspolitik funktioniert. Stattdessen wird Donald Trump nun von seinem eigenen Krieg eingeholt. Der Grund liegt Tausende Kilometer entfernt in der Straße von Hormus. Durch die Meerenge vor der iranischen Küste wird normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert – seit Kriegsbeginn ist der Schiffsverkehr fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die Preise kletterten daraufhin auf den höchsten Stand seit Russlands Angriff auf die Ukraine 2022.
Auch Nick Goodwin spürt den Preisanstieg. Der 50-jährige Bauunternehmer aus Tennessee hat dreimal für Trump gestimmt. Mittlerweile fühlt er sich von seinem Präsidenten verraten. „Trump hat versprochen, die Preise zu senken“, sagt Goodwin. „Jetzt steigen sie, weil wir im Iran Regimewechsel machen.“ Normalerweise kostet ihn eine Tankfüllung rund 35 Dollar. Diesmal sind es 47. „Dafür habe ich nicht gestimmt“, bekräftigt er.
Ein enttäuschter Trump-Wähler an der Zapfsäule: Nick Goodwin aus Tennessee. Leonie Scheuble
Im Weißen Haus wächst die Nervosität. Schadensbegrenzung ist angesagt. Trump spricht von einer „kleinen Störung“, die Preise würden „sehr schnell fallen, sobald der Krieg vorbei ist“. Energieminister Chris Wright stellt Entlastung „innerhalb von Wochen“ in Aussicht. Doch die Realität auf den Ölmärkten ist komplizierter.
Irans neue Führung (+) hat angekündigt, jeden Tanker anzugreifen, der die Straße von Hormus passieren will. Mehrere Schiffe wurden bereits getroffen, zudem hat das Regime begonnen, Minen in der Wasserstraße zu verlegen. Dadurch sitzen rund 20 Prozent der globalen Ölversorgung fest. Selbst die internationale Freigabe von Notreserven wirkt nur begrenzt. Die Trump-Regierung prüft inzwischen sogar militärische Eskorten für Tanker. Am Donnerstag setzten die USA zudem ihre Sanktionen gegen russisches Öl vorübergehend aus – ein Schritt, der ausgerechnet Putin zum bisher größten Profiteur des Krieges macht.
Lilly Wilm überlegt, künftig öfter mit der Bahn zur Arbeit zu fahren. Für Nick Goodwin kommt das nicht infrage, er ist auf sein Auto angewiesen. „Ich hoffe, Trump kommt bald zur Vernunft“, sagt er, während er die Zapfpistole zurückhängt. „Sonst macht er uns wieder arm.“
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
aus Washington, D.C.
Rückblick
Trumps Krieg im Iran ist so unbeliebt wie kein anderer in der jüngeren US-Geschichte. Sein Kriegsminister Pete Hegseth soll das ändern. In fast täglichen Presseauftritten verteidigt er den Angriff als „amerikanische Machtdemonstration“ – und klingt dabei oft eher wie ein Trainer bei einer Halbzeitansprache als wie ein Verteidigungsminister. Aus Trumps Sicht macht ihn genau das zum perfekten Botschafter. Dabei sind seine Aussagen so befremdlich wie grenzwertig (+).
Einblick
Im Zuge von Trumps Abschiebekampagne werden in Amerika auch zahlreiche Kinder in Gewahrsam genommen. Viele landen für Wochen oder Monate in der Dilley-Haftanstalt im Süden von Texas – der landesweit einzigen ICE-Einrichtung für Familien. In Briefen und Zeichnungen geben einige von ihnen einen Einblick in ihr Leben in Gefangenschaft (+). Sie schreiben von vermissten Freunden, verpasstem Unterricht – und von der Angst, vergessen zu werden.
Ausblick
Für die Zeit, wenn der Iran „erledigt“ ist, hat Donald Trump schon einen Plan. Sein nächster Halt: Kuba. Zwar hat der Konflikt mit dem Inselstaat eine ganz andere Dimension, dennoch steht auch 150 Kilometer von der US-Küste entfernt das Leben von Millionen von Menschen auf dem Spiel. Die humanitäre Lage auf Kuba ist katastrophal, ob ein möglicher Deal mit der Führung des Landes den Menschen wirklich hilft, ist fragwürdig. Mein Kollege Jan Christoph Wiechmann blickt auf das Land, dessen Einwohner in erster Linie eines wollen: überleben (+).
Fotofinish
Chris Pizzello/dpa
Er ist so aufgeregt, dass er den roten Teppich gleich selbst mit ausrollt: Late-Night-Legende Conan O’Brien packte am Mittwoch bei einem Pressetermin zur anstehenden Oscar-Verleihung (+) im Blaumann mit an. Der 62-Jährige moderiert die Veranstaltung in der Nacht zum Montag schon zum zweiten Mal, dennoch wird es für ihn eine besondere: Im nominierten Film „If I had legs I’d kick you“ spielt er selbst eine der Hauptrollen und drückt seiner Schauspielpartnerin Rose Byrne die Daumen, die als beste Hauptdarstellerin auf die Auszeichnung hofft. Der Moment, an dem während der Verleihung verstorbener Filmgrößen gedacht wird, dürfte O’Brien nahegehen. Unter den Toten ist in diesem Jahr Hollywood-Regisseur Rob Reiner, der im vergangenen Dezember von seinem Sohn Nick ermordet wurde. Reiner wurde gemeinsam mit seiner Ehefrau tot aufgefunden, wenige Stunden nachdem die Familie eine Weihnachtsfeier in O’Briens Haus verlassen hatte.
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Inside America
Mit dabei: eine gefallene Barbie und wahre Heldinnen
Gesichter des Krieges
Liebe Leserinnen und Leser,
ein Familienvater, der davon träumte, in Nebraska ein Kampfsportstudio zu eröffnen. Eine Mutter aus Minnesota, die glaubte, dies sei ihr letzter Einsatz, bevor sie wieder mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen könne. Ein 20-jähriger Collegestudent aus Iowa, dem eine glänzende Zukunft vorausgesagt wurde.
Es sind drei der mindestens sechs US-Soldaten, die seit Beginn des Irankriegs ums Leben gekommen sind. Ihre Geschichten dominieren seit Tagen die amerikanischen Schlagzeilen.
Für Donald Trump ist das ein Problem. Im Weißen Haus wächst der Frust über die zunehmend kritische Berichterstattung über den Krieg. Die Regierung versucht, die Stimmung zu drehen – mit Actionvideos erfolgreicher US-Angriffe auf iranische Ziele. Und einem Verteidigungsminister, der sich öffentlich beschwert, die Medien berichteten zu viel über tote Soldaten. Doch die Realität des Krieges lässt sich in Zeiten von 24/7-Nachrichtenzirkeln und Social Media schlecht ignorieren. Zumal die Bilder der gefallenen Soldaten Trumps größtes Problem offenbaren: Dieser Krieg hat begonnen, bevor die US-Bevölkerung überzeugt worden war.
Vier der getöteten US-Soldaten: Captain Cody A. Khork, 35, Sergeant Noah Tietjens, 42, (oben), Sergeant Nicole Amor, 39, und Sergeant Declan Coady, 20 (unten). United States Army Reserve / Reuters
Anders als bei früheren amerikanischen Kriegen bröckelt die Unterstützung dieses Mal nicht erst nach Monaten oder Jahren. Sie fehlt von Anfang an. Umfragen zufolge lehnen knapp 60 Prozent der Amerikaner den Krieg ab. Die Demokraten kritisieren Trumps Angriffe als Krieg ohne Legitimität, mit hohen Risiken und widersprüchlichen Zielen. Und sie sind nicht allein. Einige der schärfsten Angriffe kommen ausgerechnet aus dem MAGA-Lager.
„Das ist Israels Krieg. Nicht der Krieg der Vereinigten Staaten“, wettert der rechte Podcast-Moderator Tucker Carlson. Auch die frühere Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly kritisiert: „Niemand sollte für ein fremdes Land sterben müssen.“ Und Trumps ehemaliger Chefstratege Steve Bannon warnt: „Wir werden Unterstützung verlieren.“
Die Kritik wird auch deshalb lauter, weil der Präsident selbst eine Woche nach Kriegsbeginn keine klare Strategie erkennen lässt (+). Mal spricht Trump von vier, fünf Wochen Krieg. Mal schließt er eine langfristige Operation aus, dann spekuliert er plötzlich über einen nachhaltigen Regimewechsel im Iran. Auf Truth Social lobte er den Konflikt gar als einen Krieg, der „für immer“ geführt werden könne – eine bemerkenswerte Formulierung für einen Präsidenten, der zugleich verspricht, Amerikas endlose Kriege zu beenden. Trump selbst sieht darin keinen Widerspruch. Kritik aus den eigenen Reihen weist er zurück. „MAGA ist Trump“, sagte er vor ein paar Tagen. „Und MAGA liebt, was ich tue – jeden Aspekt davon.“
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
aus Washington, D.C.
Rückblick
Jeffrey Epstein war gerade mal ein paar Monate aus der Haft entlassen, als Andrew Mountbatten-Windsor ihn im Dezember 2010 in New York besuchte. Zwischen abstoßenden E-Mails und sogenannten Wiedergutmachungsdinners hat London-Korrespondentin Dagmar Seeland die mehr als befremdliche Urlaubsplanung des britischen Royals rekonstruiert (+), dem seine Nähe zu Epstein alles und das Leid der Opfer nichts bedeutet zu haben scheinen.
Einblick
Seit einer Woche führen die Amerikaner und Israelis Krieg gegen den Iran. Und vom ersten Tag an geht es darum, wie dieser Krieg wieder enden kann. Der renommierte Friedensforscher Karim Haggag glaubt: „Die Iraner wollen Trump dazu drängen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren oder den Sieg zu erklären und abzuziehen.“ Im Interview mit meinem Kollegen Marc Etzold beschreibt der frühere ägyptische Diplomat drei Szenarien für ein Kriegsende (+) und wieso solche Eskalationen künftig häufiger drohen.
Ausblick
Am Donnerstagabend deutscher Zeit verkündete Trump die Absetzung seiner Heimatschutzministerin Kristi Noem, von Kritikern „ICE-Barbie“ getauft. Der Schritt kam nicht überraschend, im Gegenteil: Blickt man auf Noems Amtszeit zurück, fragt man sich, wie sie sich so lange halten konnte. Noems Führungsstil ist ein Symptom der Ära Trump – und der Präsident lässt mit seiner Nachfolgeregelung für das Department of Homeland Security keinen Zweifel daran, dass er seine „ICE-kalte“ Politik fortzusetzen gedenkt (+).
Es war einmal in Amerika
Heritage Art via Getty Images
Fast hätte der 3. März 1913 im Chaos geendet. Eine (nicht gerade kleine) Gruppe von Männern schien es zu stören, dass da 5000 Frauen einen Tag vor der Amtseinführung Woodrow Wilsons als US-Präsident in einer Prozession die gleiche Strecke entlangschritten, die der designierte Staatschef auch zurücklegen würde. Und damit nicht genug: Diese Frauen, genannt Suffragetten, forderten auch noch das Wahlrecht! Es kam zu Zusammenstößen, eine Polizeikavallerie schritt in letzter Sekunde ein. Die Berichterstattung über den Zwischenfall bei der Parade in Washington, D. C., gab der Frauenrechtsbewegung jedoch neuen Aufwind. Erst 1920 – zwei Jahre nach Deutschland – verankerte der US-Kongress mit dem 19. Verfassungszusatz das Frauenwahlrecht auf nationaler Ebene. Auch diesen – im wahrsten Sinne des Wortes – Vorreiterinnen gebührt der Respekt am internationalen Frauentag an diesem Sonntag.
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Inside America
Mit dabei: sehr viel Schnee und immer weniger Zeitungen
Superbowl im Kapitol
Liebe Leserinnen und Leser,
für uns Journalisten in Washington ist die State of the Union, die Rede des Präsidenten zur Lage der Nation, eine Art politischer Superbowl. Viel Tamtam. Viele Kameras. Und eben die Frage: Wird der Präsident als Sieger das Rednerpult verlassen – oder wirft er den Pass ins Nichts? Was die Rede auch mit Football gemeinsam hat: Das Vorprogramm ist mindestens so aufwendig wie das Event selbst. Rund um das Kapitol waren die Straßen bereits Stunden zuvor weiträumig abgeriegelt. Der schnellste Weg hinein führte daher durch ein Nachbargebäude mit der unterirdischen Kapitolbahn – die Fahrt dauerte keine zwei Minuten. Drinnen natürlich maximales Sicherheitsaufgebot. FBI, Secret Service, Kapitolpolizei, alle Gäste mussten mehrfach durch Scanner wie am Flughafen. So nah wie hier kommt man Senatoren sonst nicht. An mir schlurfte zum Beispiel Bernie Sanders vorbei. Als ich ihn fragte, was er von der Rede erwartete, schüttelte er nur verächtlich den Kopf. Ich denke, er bezog das auf Trump.
Trumps Heimatschutzministerin Kristi Noem auf dem Weg in den Plenarsaal. Leonie Scheuble
Während Trumps Rede saß ich oberhalb des Präsidenten in der Pressegalerie. Was mir auffiel: Viele Frauen der Republikaner trugen das Rot der Partei, die Demokratinnen traten fast geschlossen in Weiß auf – ein Signal für Frauenrechte in Erinnerung an die Suffragetten. Einige Politiker hatten sich anlässlich des vierten Kriegsjahrestags Ukraine-Flaggen ans Revers geheftet. Während der Rede selbst sprangen im Zweiminutentakt die Republikaner auf, um ihren Präsidenten zu bejubeln. Auf der anderen Seite bei den Demokraten: eisiges Schweigen oder Buhrufe. Überparteilichen Applaus gab es nur, als die Eishockeymannschaft der Männer erschien und sich für ihr Olympiagold feiern ließ.
Eine Frage allerdings blieb an diesem Abend unbeantwortet: Wer war der „Designated Survivor“?
Die Person, meist ein Kabinettsmitglied, wird während der Rede an einem geheimen Ort untergebracht, fernab des Kapitols, um im schlimmsten Fall, wenn also das gesamte Kabinett durch einen Anschlag getötet werden sollte, das Präsidentenamt anzutreten. Der Name wurde am nächsten Morgen bekannt: Es war Doug Collins, Minister für Veteranen und eines der unscheinbarsten Gesichter in Trumps Kabinett.
Was wohl erklärt, warum ihn niemand vermisst hatte.
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
aus Washington, D.C.
Rückblick
Donald Trump taucht rund 38.000 Mal in den jüngsten Epstein-Akten auf. Darunter in einem FBI-Dokument, in dem er von einer Frau in den 1980er-Jahren der Vergewaltigung bezichtigt wird. Das FBI stufte die Beschuldigungen als nicht glaubwürdig ein, US-Medien berichteten nur vorsichtig darüber. Nun kam heraus, dass in den Epstein-Akten Dutzende Berichte fehlen (+) – unter anderem die Zeugenaussagen zu Trumps Vergewaltigungsvorwürfen.
Einblick
In den vergangenen 20 Jahren hat fast jede zweite Zeitung in den USA dichtgemacht. Ein Massensterben, das ganze Landstriche in Nachrichtenwüsten verwandelt. Was aber geschieht, wenn mit dem Lokaljournalismus auch ein Stück Demokratie verschwindet? Mein Kollege Fabian Huber hat in Limon, einem 6000-Seelen-Ort in Colorado, nach Antworten gesucht, wo vor wenigen Monaten die Lokalzeitung zum letzten Mal erschien (+).
Ausblick
Künstliche Intelligenz verändert unsere Welt radikal – und die Firma OpenAI ist einer der wichtigsten Treiber dahinter. Zoe Hitzig kündigte dort kürzlich ihren Job, weil sie der KI nicht mehr traut – weil das Können der KI ihr Angst macht. Im Gespräch mit dem stern warnt die 34-Jährige, dass Bots bald in der Lage sein könnten, selbst tiefenpsychologische Porträts zu erstellen (+). Mit kaum absehbaren Folgen.
Fotofinish
Getty Images
Eine dicke weiße Schneedecke, drum herum Wolkenkratzer, darüber ein strahlend blauer Himmel. So schön kann Langlauf sein – im Central Park in New York. Möglich machte das ein Blizzard, der Anfang vergangener Woche die Ostküste der USA heimgesucht hatte. In Rhode Island fiel an einem Tag fast ein Meter Schnee – Rekord für den Bundesstaat. 5000 Flüge mussten gestrichen werden, und zum ersten Mal in der 153-jährigen Geschichte konnte auch die aktuelle Ausgabe des „Boston Globe“ nicht gedruckt und ausgeliefert werden. Der Central Park kam mit einem knappen halben Meter Schnee noch glimpflich davon.
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Inside America
Mit dabei: Das Iran-Risiko und eine royale Bombe
Schaulaufen der Trump-Erben
Liebe Leserinnen und Leser,
während Donald Trump am vergangenen Donnerstag in Washington ein erstes Treffen seines umstrittenen „Friedensrats“ (+) abhielt, versammelten sich ein paar Blocks weiter die Gouverneure aller 50 US-Bundesstaaten zu ihrer jährlichen Wintertagung. An Gesprächsstoff mangelte es nicht: die steigenden Lebenshaltungskosten, die polarisierenden ICE-Einsätze, die anstehenden Zwischenwahlen. In den Vordergrund schob sich von den Hotelfluren bis auf die Bühnen des noblen Grand-Hyatt-Hotels jedoch ein anderes Thema: Wer von ihnen schielt bereits auf 2028?
Dass sich Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom auf eine Präsidentschaftskandidatur vorbereitet, ist kein Geheimnis mehr. Er ist bei Weitem nicht der Einzige. Pennsylvanias Gouverneur Josh Shapiro tourt derzeit wie Newsom durchs Land, um sein neues Buch – und sich selbst – zu promoten. Illinois’ J. B. Pritzker positionierte sich zuletzt sichtbar als Gegenpol zu Trumps harter Migrationslinie in Chicago. Und auch Gretchen Whitmer aus Michigan und Kentuckys Gouverneur Andy Beshear suchen regelmäßig das nationale Rampenlicht.
Marylands Gouverneur Wes Moore, ebenfalls ein demokratischer Hoffnungsträger, wiegelte Spekulationen um seine Person ab. „Wir sind im Krisenmodus“, sagte er auf einer Bühne und mahnte, die Demokraten sollten sich voll und ganz auf die Midterms konzentrieren.
Ein demokratischer 2028-Favorit: Gouverneur Wes Moore (M.) neben seinem republikanischen Amtskollegen Kevin Stitt (r.). Leonie Scheuble
Tatsächlich zeigt die jüngere Geschichte, wie schwierig der Weg aus dem Gouverneursamt ins Weiße Haus geworden ist. Seit Bill Clinton hat kein demokratischer Gouverneur mehr die Präsidentschaft gewonnen oder auch nur die Nominierung errungen. Bei den Republikanern liegt der letzte Erfolg eines Gouverneurs mit George W. Bush ebenfalls eine Generation zurück.
Dass sich das wieder ändern könnte, hofft unter anderem Kevin Stitt, Gouverneur von Oklahoma. „Auf jeden Fall“, antwortete er auf die Frage, ob er 2028 wieder einen Gouverneur als republikanischen Präsidentschaftskandidaten sieht – eine subtile Distanzierung von Vizepräsident J. D. Vance.
Eine Absage erteilte hingegen Utahs Gouverneur Spencer Cox. Nach dem Mord an Charlie Kirk in seinem Bundesstaat hatte Cox landesweit Aufmerksamkeit erregt als einer der wenigen Republikaner, die zum Zusammenhalt aufriefen. „Ich weiß, dass viele Leute sagen, sie kandidieren nicht – und dann tun sie es doch. Aber ich werde wirklich niemals Präsident werden“, versicherte Cox.
Noch mögen die Aussagen vage klingen. Aber der Wettlauf um das Weiße Haus 2028 hat in den Parteien längst begonnen.
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
Rückblick
Seit Veröffentlichung der Ermittlungsakten vergeht kaum ein Tag ohne News über Jeffrey Epsteins mächtige Freunde. Am Donnerstag wurde der frühere Prinz Andrew festgenommen. Für die britische Monarchie ist das eine Katastrophe (+). In den USA gerät derweil Trumps einstiger Chefberater Steve Bannon immer mehr in den Fokus (+). Sie verlieren langsam den Überblick? Der stern hält Sie über die bislang bekanntesten Namen in Epsteins Netzwerk auf dem Laufenden (+).
Einblick
Donald Trumps Zollkrieg ist illegal. Das urteilt der Supreme Court am Freitag in einem historischen 6:3‑Urteil. Die Begründung der Richter: Über Zölle entscheidet der Kongress, nicht der Präsident. Das Urteil ist mehr als ein Befund zur Handelspolitik. Es ist ein längst überfälliges Lebenszeichen des Rechtsstaats (+): Auch ein Präsident, der meint, über allem zu stehen, steht nicht über der Verfassung.
Ausblick
Donald Trump liebäugelt seit Wochen mit einem Angriff auf den Iran. Während die Verhandlungen über ein Nuklearabkommen ins Stocken geraten sind, haben die Amerikaner ihre Militärpräsenz in der Region massiv verstärkt. Die Zeichen stehen auf Attacke. Doch wie würde ein solcher Angriff aussehen? Und was würde ein neuer Konflikt innenpolitisch für Trump bedeuten? Die wichtigsten Antworten zum drohenden Krieg im Iran im Überblick (+).
Es war einmal in Amerika
ISC Archives/CQ-Roll Call Group/Getty Images
Da steht er stolz mit dem Pokal und zeigt sein Siegerlächeln – befreiend muss dieser Moment für Lee Petty gewesen sein. Der Rennfahrer hatte 72 Stunden zuvor am allerersten Daytona-500-Autorennen teilgenommen. (500 Meilen, also etwa 805 Kilometer, beträgt die zu fahrende Strecke.) In dem legendären Auftaktrennen am 22. Februar 1959 in Daytona Beach (US-Staat Florida) war Petty vor mehr als 40.000 Zuschauern Seite an Seite und nahezu gleichauf mit zwei anderen Rennfahrern über die Ziellinie geschossen. Die Rennleiter benötigten drei Tage, um den wahren Sieger zu ermitteln: Lee Petty. Zeitlupen und Kameratechnik wie heute gab es damals noch nicht. Es waren aber TV-Aufnahmen der „Wochenschau“, die bei der Entscheidung halfen. In einem Interview kurz vor seinem Tod 2000 sagte Petty, er glaube, die Veranstalter hätten die Kontroverse absichtlich verursacht, um Werbung für das Event zu machen. So oder so: Das Daytona-500 gehört bis heute zu einem der beliebtesten Motorsportrennen der USA.
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Inside America
Mit dabei: das System Epstein. Die Täter – und die Opfer
Das Comeback einer längst Besiegten
Liebe Leserinnen und Leser,
bisher habe ich, bevor ich in die USA gereist bin, vorher nur rasch in meinem Reisepass kontrolliert, ob mein Journalistenvisum noch gültig ist. Das war meine Routine. Als ich jetzt zur Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science (AAAS), dem wichtigsten Wissenschaftstreffen der USA, nach Phoenix aufbrach, habe ich noch etwas ganz anderes geprüft – ob meine Masernimpfung aus der Kindheit weiterhin Schutz bietet.
Unter Präsident Donald Trump und vor allem seinem Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. (RFK) hat die Impfskepsis in den USA dramatisch zugenommen. Immer mehr Amerikanerinnen und Amerikaner verweigern sich inzwischen wichtigen Impfungen. Das hat Folgen: 2025 verzeichneten die USA die meisten Masernfälle in ihrer modernen Geschichte. Und es gibt keine Anzeichen, dass sich die Ausbreitung 2026 verlangsamen könnte.
Im Bundesstaat South Carolina sind seit Herbst bereits 900 Personen erkrankt. Es gibt große Ausbrüche in Texas, Utah und eben Arizona, wo ich jetzt bin. Es ist gerade einmal Februar, und schon jetzt sind landesweit über 700 neue Fälle gemeldet worden. Die meisten Infizierten waren nicht geimpft. Die Weltgesundheitsorganisation wird deswegen wohl im April die USA nicht mehr als masernfrei einstufen. Donald Trump wird es wahrscheinlich wenig scheren – unter seiner Führung haben die USA jüngst angekündigt, die WHO zu verlassen.
Rebecca Hardy ist Mitbegründerin von „Texans for Vaccine Choice“. Sie lebt in der Nähe von Dallas und hat zwei Kinder. privat
Eigentlich galten Masern in den USA als besiegt. Die Viren sind hochansteckend, die Krankheit ist schlimmer als Corona oder Grippe, kann besonders für Kinder lebensbedrohlich werden. Das US-Impfprogramm galt über Jahrzehnte weltweit als vorbildlich. Aber in den vergangenen Jahren sind Anti-Impf-Aktivisten immer mächtiger geworden.
Eine von ihnen ist Rebecca Hardy. Ich habe sie jetzt in einem Café in der Nähe von Dallas getroffen. Die Wände dort waren verziert mit Zitaten aus der Bibel. An der Geschirrrückgabe stand eine kleine Jesus-Statue. Die solle die Gäste segnen, sagte mir die Kellnerin.
Hardy erzählte, dass sie sich lange nicht für Politik interessiert habe. „Jetzt bin ich aber auf einer Mission“, sagte sie. Hardy ist Mitbegründerin der Organisation „Texans for Vaccine Choice“. Das klingt harmlos, aber ihr ist die persönliche Freiheit, etwas nicht zu tun, wichtiger als die Gesundheit anderer. „Es soll allein meine Entscheidung sein, mich impfen zu lassen oder nicht. Die Regierung soll mich nicht zwingen dürfen“, sagte sie.
Weil inzwischen immer mehr in den USA so denken, ist die Impfrate bei Masern in den USA in vielen Regionen unter 95 Prozent gesunken. Die sogenannte Herdenimmunität ist damit verloren gegangen. Eine besiegte Krankheit feiert ihr Comeback.
Der Frage, ob sie nicht fürchte, dass sich bald andere Krankheiten wie Keuchhusten oder Röteln ebenfalls wieder ausbreiten könnten, weicht Rebecca Hardy aus. Stattdessen antwortet sie: „Wir haben eine historische Gelegenheit, mit RFK regiert endlich wieder die Vernunft.“
„Vernunft“ – ich würde es anders beschreiben: der größte gesundheitspolitische Irrsinn, den die Welt seit Langem gesehen hat.
Take care
Alexandra Kraft
aus Phoenix, Arizona
aus Phoenix, Arizona
Rückblick
Ganz New York ist links. Ganz New York? Nein, rund alle zwei Monate finden hier inmitten der liberalen Weltstadt konservative „Make America Hot Again“–Partys statt. US-Korrespondentin Leonie Scheuble hat sich unter die Gäste gemischt und einen Abend zwischen flirtenden Trump-Fans und republikanischer Wahlkampfbühne verbracht (+).
Einblick
Die Nachbeben der Veröffentlichung der Epstein-Akten lassen nicht nach – mit bislang mehr Konsequenzen in Europa als in den USA (+). Doch je klarer das dramatische Ausmaß des Missbrauchs wird, desto mehr stehen einige Fragen im Raum: Wie kam Jeffrey Epstein an die Mädchen? Wo fand er sie? Und wie band er sie an sich? Die Antworten darauf führen in das New York der 90er-Jahre und vor die Schulhöfe Floridas. Hier entwickelte Epstein ein ausgeklügeltes Pyramidensystem ähnlich wie das von Finanzbetrügern (+).
Ausblick
Die Nervosität vor der Münchner Sicherheitskonferenz ist groß. Vor einem Jahr hat hier Trumps Vize J. D. Vance die Nato-Alliierten offen brüskiert. Vance kommt in diesem Jahr nicht, die US-Delegation wird von Marco Rubio angeführt, der US-Außenminister soll am Samstag sprechen. Sicherheitsexperte Christian Mölling rät den Europäern zu einem geeinten Auftreten. „Wir sollten die Grenzen der Amerikaner austesten“, sagt er im stern-Podcast „Die Lage – International“. „Und ihnen da, wo wir es können, die Pistole auf die Brust setzen.“
Fotofinish
Buddhistische Mönche auf der National Mall in Washington. Rahmat Gul/dpa
Es war eine sehr leise Geste in diesem lauten Amerika dieser Tage. Gut 3700 Kilometer sind 19 buddhistische Mönche in den vergangenen Monaten quer durch die USA gelaufen, von Texas bis nach Washington D.C. (Auf den letzten Kilometern schlossen sich ihnen Mönche von vor Ort an.) Manche liefen in einfachen Sandalen, manche sogar barfuß – auch durch Schnee und Kälte. „Walk for Peace“ nannten sie ihre Wanderung. Es ging ihnen um Verständigung, um Liebe, um Empathie. Offenbar trafen sie damit einen Nerv. Tausende Menschen bejubelten sie auf dem Weg und auch bei der Ankunft in der Hauptstadt.
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Inside America
Mit dabei: Epsteins Netzwerk und ein politischer Super Bowl
Wenn der Präsident den Vorhang zuzieht
Liebe Leserinnen und Leser,
noch vor einem Jahr war das Kennedy Center das kulturelle Herz der Hauptstadt. Eine Institution für Konzert- und Theaterliebhaber. Ein Ort, an dem Studenten neben Diplomaten im Musical saßen und man in der Opernpause an der Bar mit Abgeordneten ins Gespräch kam.
Als ich in dieser Woche über die roten Teppichflure des Kennedy Centers ging, war davon kaum noch etwas übrig. Statt Stimmengewirr lag eine gedrückte Stille über dem Haus. Der Schock saß tief. Am Sonntagabend hatte Donald Trump angekündigt, das Kulturzentrum ab dem 4. Juli für zwei Jahre zu schließen – angeblich wegen Renovierungsarbeiten. Dabei hatte Trump noch im Dezember erklärt, "das Gebäude sei gerettet", nachdem er seinen Namen an der Fassade hatte anbringen lassen. Jetzt also die Vollbremsung.
An der Eingangstür kontrollierte eine Frau mit grauem Haar die Tickets. Seit mehr als zwanzig Jahren arbeitet sie hier. Als ich sie fragte, wie es ihr geht, wurden ihre Augen feucht. Niemand wisse, wie es weitergehe, sagte sie leise. Hinter der Bar wurde der Ton rauer. "Es ist eine Schande", sagte der junge Mann, während er abkassierte. Er schaue sich bereits nach anderen Jobs um.
Donald Trump in der Präsidentenloge des Kennedy Centers. Jim Watson / AFP
Während Trump behauptet, das Gebäude sei marode, gibt es einen weitaus plausibleren Grund für die Schließung: Seit der US-Präsident erklärte, aus dem Kennedy Center eine anti-woke Kulturhochburg zu machen, bleiben Künstler wie Publikum aus. Die Vorgabe seines neuen Programmleiters Richard Grenell (Trumps Ex-Botschafter in Berlin), vermeintlich "linke" Aufführungen durch "patriotische" Formate zu ersetzen, sorgte für eine beispiellose Abwanderung. Auftritte wurden abgesagt, Produktionen zurückgezogen. Darunter: das Musical "Hamilton", Opernstar Renée Fleming, "Wicked"-Komponist Stephen Schwartz und selbst die Washington National Opera, die seit 1971 im Kennedy Center beheimatet war.
Mit dem ausgehöhlten Spielplan brach auch das Publikum weg. Im Oktober waren die Ticketverkäufe auf den niedrigsten Stand seit der Pandemie gefallen. Trump hatte offenbar geglaubt, das Kennedy Center werde aufblühen, sobald er persönlich die Zügel in die Hand nehme.
Das Gegenteil ist eingetreten. Die zweijährige Schließung fügt sich in ein bekanntes Muster. Schon in seiner ersten Amtszeit hatte Trump bewiesen, dass er geschickter darin ist, Dinge zu zerstören, als sie wieder aufzubauen. Vor diesem Hintergrund liest sich ein kürzlicher Truth-Social-Beitrag des Präsidenten wie eine Hiobsbotschaft. Trump schreibt darin über den Umbau des Kennedy Centers: "Ich mache dasselbe mit Amerika. Nur in einem etwas größeren Maßstab."
Take care
Leonie Scheuble
aus Washington, D.C.
aus Washington, D.C.
Rückblick
Seit vielen Jahren warnt der Psychologe John Gartner vor dem geistigen Abbau Donald Trumps. Heute sieht er klare Indizien, dass sich seine schlimmsten Prognosen bewahrheiten. Trumps zunehmende Demenz mache seine narzisstische Persönlichkeit auf der Weltbühne noch gefährlicher (+), sagte mir Gartner im Gespräch. Und er hat einen Rat für die Europäer.
Einblick
Die jüngst veröffentlichten Epstein-Akten geben neue Einblicke in die Welt des Sexualstraftäters und sein Netzwerk mächtiger Männer. Ein Team des stern hat einigen von ihnen nachgespürt: Die Vorwürfe gegen Donald Trump häufen sich (+). Weitere Enthüllungen um den Ex-Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor reißen das britische Königshaus in den Abgrund (+). Und ein Verdacht beunruhigt Politiker weltweit: Nutzte Wladimir Putin das System Epstein für eigene Zwecke? (+)
Ausblick
Seinen Besuch beim Super Bowl an diesem Sonntag hat Donald Trump aus fadenscheinigen Gründen abgesagt. Dabei mischt der US-Präsident doch sonst bei jeder Kleinigkeit der Football-Welt mit, kommentiert Regelwerk, Spielzüge und Teamnamen. Dahinter steckt auch eine persönliche Kränkung, schreibt mein Kollege Fabian Huber. Wie die NFL mit Trumps aggressiver Angriffstaktik umgeht? Der stern hat bei allen 32 Teams nachgefragt. Ihre Antworten sind entlarvend (+).
Es war einmal in Amerika
Das Wrack des Kleinflugzeugs nahe Clear Lake in Iowa, in dem Buddy Holly starb. Hulton Archive/Getty Images
Nicht viele Menschen könnten sagen, was am 3. Februar 1959 in einem verschneiten Feld in Iowa passierte. Dabei haben sie es wahrscheinlich schon mal mitgesungen: "The Day the Music Died" – der Tag, an dem die Musik starb – lautet die berühmteste Songzeile, die Don McLean wohl je geschrieben hat. Sie bezieht sich auf einen der dunkelsten Tage der Musikgeschichte: Legende Buddy Holly, der von den Beatles über Bob Dylan bis zu den Rolling Stones die größten Songschreiber der Welt prägte, starb an der Seite seiner Musiker-Kollegen, "La Bamba"-Sänger Ritchie Valens und J. P. "The Big Bopper" Richardson, vor 67 Jahren bei einem Flugzeugabsturz. Der Schock, den der Tod der drei damaligen Megastars auslöste, prägte die US-Kultur. Hollys schwangere Frau Maria erfuhr die Nachricht über das Radio – und erlitt kurz danach eine Fehlgeburt. Der tragische Vorfall gilt als Initialmoment für die bis heute gängige Praxis, Angehörige über den Tod einer Person zu informieren, bevor die Einsatzkräfte an die Öffentlichkeit gehen.
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Inside America
Mit dabei: die First Lady im Kino und eine Warnung an Europa
Es reicht
Liebe Leserinnen und Leser,
eine Woche ist vergangen, seit ICE-Beamte Alex Pretti bei Tageslicht auf offener Straße erschossen haben. Der Schock darüber sitzt im Land immer noch tief.
Wenige Stunden nach dem Mord flog ich nach Minneapolis. Ich erlebte eine Stadt vereint in Wut und Trauer. Trauer darüber, dass schon wieder einer ihrer Mitbürger getötet worden war. Wut über die Besatzung ihrer Straßen durch Trumps ICE-Agenten. Ich sprach hier mit Leuten, die zum ersten Mal in ihrem Leben protestieren gingen (bei minus 20 Grad, wohlgemerkt), Nachbarn, die Nachbarn halfen, und Menschen, die sagten: Es reicht.
So wie Jenn J., eine 42-jährige Mutter, die gemeinsam mit anderen Eltern um die Grundschule ihrer Söhne patrouilliert, damit die ICE den Latino-Familien nicht zu nahe kommt. Ihren Söhnen zu erklären, warum ihre Klassenkameraden nicht mehr zum Unterricht erscheinen, sei das Schlimmste, sagte sie mir.
Oder so wie Sergio Amezcua, 46, Pfarrer einer Latino-Kirche im Süden von Minneapolis. Er hatte 2024 selbst für Trump gestimmt. "Wegen der Wirtschaft" und weil er es richtig fand, dass "kriminelle Einwanderer" abgeschoben werden sollten. Dann erlebte er im Dezember, wie ICE-Beamte Mitglieder seiner Gemeinde festnahmen – unabhängig vom Aufenthaltsstatus.
Pfarrer Sergio Amezcua hat seine Kirche in Minneapolis wegen der ICE-Razzien in ein Hilfszentrum umgebaut. Leonie Scheuble
Als er von immer mehr Menschen hörte, die sich nicht mehr trauten, ihre Häuser zu verlassen, startete Amezcua einen Aufruf in den sozialen Medien mit dem Angebot, Familien mit Lebensmitteln zu versorgen. Innerhalb von acht Stunden meldeten sich 2000. Heute versorgt seine Kirche mehr als 28.000 Familien, über 4000 Freiwillige helfen dabei. Seine Stimme für Trump bereut Amezcua heute "zu eintausend Prozent". Was die Regierung mit der ICE mache, sei nichts anderes als "ethnische Säuberung" – für ein Amerika, das wieder weißer werden solle, sagt er. Gemeinsam mit anderen Geistlichen will er daher in den kommenden Monaten offen Wahlkampf für die Demokraten machen.
Genau hier liegt der politische Schaden für Donald Trump. Seine harte Abschiebepolitik sollte Stärke demonstrieren. Stattdessen produziert sie Opfer, Bilder und Geschichten, die selbst Unterstützer gegen ihn aufbringen. Der Präsident scheint das politische Risiko erkannt zu haben. Er milderte seine Wortwahl, distanzierte sich demonstrativ von seinem eigenen Heimatschutzministerium (+) und versprach, die Zahl der ICE-Beamten in Minneapolis zu reduzieren – ein selten erlebter Rückzieher. Zumindest für den Moment.
Leonie Scheuble
aus Minnesota, Minneapolis
Rückblick
Donald Trump zufolge verkaufen sich die Kinotickets zum Dokumentarfilm über Melania Trump rasend schnell. Die Wahrheit geistert gerade in Form von Screenshots leerer Saalbuchungspläne durchs Internet. Unser Trump- und Filmkenner Marc Etzold hat sich den Film angesehen, für den die First Lady knapp drei Wochen lang von einem höchst umstrittenen Regisseur begleitet wurde. Sein Urteil: Wer schon immer mal erleben wollte, wie eine Milliardärs-Ehefrau sich einkleiden lässt, Geschirr und Möbel für das Weiße Haus aussucht und 108 Minuten Lebenszeit verschwenden möchte (+), kann den Film durchaus schauen.
Einblick
ICE-Königin Kristi Noem. Sprachrohr Karoline Leavitt. Grönland-Orakel Katie Miller. Kreuzritter-Witwe Erika Kirk. Obwohl es in der Mehrheit Männer sind, die im Trump-Kosmos den Ton angeben, waren es neben MAGA-Mutter Melania zuletzt vor allem diese Frauen, die Schlagzeilen generierten. Oder, wie es Trump in seinem 1997 erschienenen Ratgeber "The Art of the Comeback" zweifelhaft charmant formulierte: "Sie sind viel schlimmer als Männer, viel aggressiver, und Junge, können die schlau sein!" Mein Kollege Yannik Schüller hat dem MAGA-Queen-Quartett in die Karten geschaut (+).
Ausblick
Aus europäischer Sicht fällt es derzeit leicht, Trump und Putin als die Bösen zu sehen und Europa als die Guten. Pankaj Mishra, einer der renommiertesten Vordenker des globalen Südens, hat eine sehr andere Sicht auf die Welt. Im Gespräch mit dem stern geht der indisch-britische Intellektuelle hart mit europäischen Staatschefs ins Gericht (+). Er erklärt, weshalb es für Europa „keinen Ausweg aus der Unterwerfung“ gibt und wieso er ausgerechnet an China als Hüter der internationalen Ordnung glaubt.
Fotofinish
Gent Shkullaku/actionpress
Dass es mit Amerika rasant abwärtsgeht, ist keine Nachricht mehr. Man könnte die fröhlichen Rodler, die hier den Capitol Hill runtersausen, also auch als Symbol betrachten. Das ist uns jedoch zu zynisch. Vielmehr wirkt es dieser Tage fast befreiend, auch mal lachende Gesichter vor dem Kongress – immerhin das Haus des Volkes – zu sehen. Ein heftiger Wintersturm, den vergangene Woche bis zu 160 Millionen Amerikaner in Dutzenden US-Bundesstaaten erlebten, führte von der Ostküste bis in die Rocky Mountains zu schweren Schäden. Einige kälte- und krisenresistente Einwohner Washingtons nutzten die hinterlassenen Schneeberge aber auch zum Schlittenfahren, Langlaufen oder sogar Eislaufen auf dem Reflecting Pool des Lincoln Memorials. Wenn dieses Bild also für eines stehen kann, dann dies: So holprig der Weg und so hart auch die Landung – Amerika ist bislang immer wieder aufgestanden, hat sich abgeklopft und den Berg von Neuem erklommen.
See you next time!
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