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KIRCH MEDIA: Einstieg Berlusconis »nicht unproblematisch«

Bundeskanzler Schröder hat Bedenken gegen den Einstieg des italienischen Regierungschefs und Medienunternehmers Berlusconi beim Kirch-Konzern. Gegen Murdochs Einstieg habe er jedoch keine Einwände.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat Bedenken gegen einen Einstieg des italienischen Regierungschefs und Medienunternehmers Silvio Berlusconi beim angeschlagenen Kirch- Konzern geäußert. Gegen ein Engagement des anglo-australischen Medienmoguls Rupert Murdoch habe er hingegen keine Einwände, sagte Schröder dem Nachrichtenmagazin »Der Spiegel«.

Berlusconi dementiert Einflußnahme

Die Verhandlungen zwischen Banken und Investoren über das Schicksal des Kirch-Konzerns mit 9500 Beschäftigen dauerten am Donnerstag an. »Bei Berlusconi glaube ich, dass es nicht unproblematisch ist, wenn ein Ministerpräsident eines mit uns befreundeten Landes über seine privaten Unternehmen ausgerechnet im deutschen Medienbereich Einfluss hätte«, sagte Schröder. »Mindestens eine glaubhafte Trennung von Geschäft und Politik ist nötig«. Berlusconi widersprach einem direkten Einfluss auf die Verhandlungen zwischen Banken und Kirch-Investoren. »Damit habe ich nichts zu tun. Ich habe seit 1994 nicht mehr mit meiner Gruppe (Mediaset) telefoniert«, sagte Berlusconi italienischen Medien zufolge als Reaktion auf die Äußerungen von Schröder.

Murdoch könnte erfolgreich sein

Einen Einstieg Murdochs bei der KirchGruppe lehnt Schröder hingegen nicht grundsätzlich ab. Es sei aber Vorsicht geboten, private ausländische Investoren abzuwehren. »Ich will zu Herrn Murdoch nichts sagen. Ich glaube, wenn er ähnlich erfolgreich wie in England Pay-TV macht, sollten wir keinen Einwand haben«. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) will eine Übernahme der KirchMedia durch Berlusconi verhindern. »Die von ihm personifizierte Politik- und Meinungsmacht ist mit dem deutschen Verfassungsverständnis unvereinbar«, sagte Clement der »Süddeutschen Zeitung«. Er habe seine Staatskanzlei bereits mit einem Rechtsgutachten beauftragt. Bayerns Staatskanzleichef Erwin Huber (CSU) warf Clement vor, er disqualifiziere sich mit diesen Äußerungen als ernst zu nehmender Medienpolitiker.

Keine Hilfe vom Springer Verlag

Der Axel Springer Verlag will nicht gegen eine Beteiligung am Kerngeschäft der KirchGruppe auf einen Teil seiner Forderung in Höhe von 767 Millionen Euro verzichten. »Ein Verzicht ist für uns keine Option«, sagte eine Springer-Sprecherin. »In den Gesprächen mit den Beteiligten konzentrieren wir uns auf die Erfüllung unserer offenen Forderungen«. Die Forderung des Verlages für seine Beteiligung am Fernsehkonzern ProSiebenSAT.1 war der Auslöser der akuten Finanzkrise der KirchGruppe. Die KirchGruppe hatte die Option umgehend für unwirksam erklärt.

Die »Financial Times Deutschland« berichtete, die Investoren der KirchMedia rund um die Konzerne von Murdoch und Berlusconi hätten Springer eine Beteiligung am Kirch-Kerngeschäft angeboten. Im Gegenzug sollte Springer auf einen Teil seiner Forderungen verzichten. Die Investoren hatten den Banken auch am Donnerstag noch nicht ihr endgültiges Konzept für eine Übernahme des Kirch-Kerngeschäfts vorgelegt. Die Banken warten seit Tagen auf diesen Plan. Erst dann sind sie nach Informationen aus Finanzkreisen bereit, der KirchGruppe einen notwendigen Überbrückungskredit in einer Größenordnung von 200 Millionen Euro zu gewähren. Sie bestehen darauf, dass sich die Investoren an dem Kredit beteiligen. Dies lehnten die Gesellschafter aber bislang ab.