Kommentar Die Börsenträume sind entgleist


Bahnchef Hartmut Mehdorn hat - unter massivem politischen Druck - eine Kehrtwende vollzogen: Das Hauptquartier bleibt in Berlin. Mit dieser Entscheidung setzt er den geplanten Börsengang der Bahn aufs Spiel.
Von Karin Spitra

Wichtigster Strippenzieher für den geplatzten Umzug der Konzernzentrale nach Hamburg dürfte Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit gewesen sein. Angesichts der drohenden Abwanderung hunderter Arbeitsplätze und des damit verbundenen finanziellen Aderlasses stand er schon kurz nachdem die ersten Gerüchte durchsickerten bei Bundeskanzlerin Merkel auf der Matte, um für den Verbleib in Berlin zu intervenieren.

Doch was auf den ersten Blick

"nur" nach einer Standortentscheidung aussieht, könnte für das weitere Schicksal des Transportunternehmens weit reichende Konsequenzen haben. Immerhin hatte die Hansestadt für eine mögliche Mehrheitsbeteiligung der Bahn an der Hafengesellschaft HHLA und der Hamburger Hochbahn immer den "vollen" Umzug nach Hamburg gefordert.

So kam denn auch postwendend aus dem Hamburger Rathaus die Nachricht, die Gespräche mit der Deutschen Bahn seien beendet. Der Senat wollte Spitzfindigkeiten, wie etwa eine Verlagerung "wesentlicher Teile der Zentrale" anstatt der Verlagerung der gesamten Zentrale, nicht akzeptieren.

Für die Bahn könnte

dies einen langgehegten Taum zerplatzen lassen - den vom Börsengang in absehbarer Zukunft. Sie bleibt auf ihrem finanzierungsintensiven Schienennetz und dem defizitären Fahrgeschäft sitzen. An der Börse hätten eine Beteiligung am Hamburger Containerhafen die Bahn ungemein geschmückt - und sie endlich in den Bereich erfolgreich operierender Logistiker katapultiert. Denn auch die Deutsche Post wagte den Umbau vom Briefzusteller zum weltweiten Logistiker - und wurde dafür vom Markt belohnt. Ohne diesen Mehrwert sehen Experten die Bahn zu Recht noch lange nicht auf dem Börsenparkett. Diesen Weg hat die Politik der Bahn gründlich verbaut.


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