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Konjunktur: US-Wirtschaft wächst wieder

Die US-amerikanische Wirtschaft hat im dritten Quartal um 3,5 Prozent zugelegt. Es ist das erste Plus seit einem Jahr. Und es fiel - auch dank einer Konjunkturspritze made in Germany - höher aus als erwartet. Doch ist das wirklich der Anfang vom Aufschwung?

Die Wirtschaft der USA hat sich mit dem ersten Wachstum nach einjähriger Unterbrechung vermutlich aus dem Griff der Rezession gelöst. Privater Konsum, Wohnimmobilienmarkt und Exportwirtschaft heizten die Konjunktur an, wie das Handelsministerium am Donnerstag nach ersten Berechnungen mitteilte. "Wir sehen die Trendwende", sagte Christina Romer, oberste Wirtschaftsberaterin im US-Präsidialamt. An den Aktienbörsen wurden die Daten mit kräftigen Kursgewinnen aufgenommen. Analysten dämpften jedoch die Hoffnung auf eine schnelle Erholung.

Die Wirtschaftsleistung der USA legte im Sommer aufs Jahr hochgerechnet um 3,5 Prozent zu, nachdem sie im Frühjahr noch um 0,7 Prozent abgenommen hatte. Das ist etwas mehr als Ökonomen erwartet hatten und das stärkste Wachstum seit zwei Jahren. Anders als etwa in Deutschland endet mit dem Plus in den USA aber nicht automatisch die Rezession: In den Vereinigten Staaten entscheidet das Nationale Wirtschaftsforschungsinstitut NBER darüber, wann die Krise vorbei ist. Sie achtet dabei auch auf den Arbeitsmarkt - und dort ist die Lage derzeit so schlecht wie seit 26 Jahren nicht.

Die Arbeitslosigkeit verharrt auf hohem Niveau: Im September betrug die Quote 9,8 Prozent. Ökonomen rechnen damit, dass sie bis ins nächste Jahr hinein weiter steigt und danach nur allmählich abnimmt. Allein in der vergangenen Woche verloren 530.000 Menschen ihren Job, kaum weniger als in der Woche zuvor.

Konjunkturspritzen wirken - nur wie lange?

Zudem bezweifeln Analysten, dass die Erholung mit diesem Tempo weitergeht. Die US-Wirtschaft profitiert offenkundig stark von den milliardenschweren Konjunkturprogrammen. So kurbelte die Abwrackprämie "Cash for Clunkers" ("Bares für Rostlauben") den Autoabsatz an und trieb den Konsum um 3,4 Prozent in die Höhe. Das war das stärkste Wachstum seit Anfang 2007; im Frühjahr war der private Verbrauch noch um 0,9 Prozent gesunken. Allerdings lief das Programm bereits im August aus. Zuletzt trübte sich das Verbrauchervertrauen ein, die US-Amerikaner machen sich immer mehr Sorgen um ihre Finanzen.

Auch der private Wohnungsbau, der um 23,4 Prozent nach oben schnellte, profitierte von staatlicher Unterstützung. Hauskäufer erhalten einen Steuernachlass von 8000 Dollar, wenn sie zum ersten Mal eine eigene Immobilie erwerben. Doch auch dieses Programm läuft im November aus. Allerdings haben sich Kreisen zufolge führende Vertreter beider Parteien im US-Senat auf eine Verlängerung des Programms bis April geeinigt. Mit der kräftigen Erholung trug der Wohnbau erstmals seit 2005 zum Wachstum der US-Wirtschaft bei. Dennoch ist damit gerade einmal der scharfe Einbruch um 23,3 Prozent vom Vorquartal ausgeglichen.

Reuters/DPA / DPA / Reuters
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