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Krankenhäuser defizitär: Wirtschaftsweiser fordert Abwrackprämie für Kliniken

Es klingt nach Kahlschlag: Jedes zehnte Krankenhaus in Deutschland steht vor dem Aus. Der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt fordert Zusammenlegungen und eine Art Abwrackprämie für Kliniken, die nicht mehr zu finanzieren seien. Der Krankenhausverband ist empört.

Jedes zehnte deutsche Krankenhaus ist einer Studie zufolge von der Schließung bedroht. Für die rund 2000 Kliniken seien die guten Zeiten vorbei, sagte der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Christoph Schmidt, am Donnerstag im ZDF. "Wir rechnen damit, dass ungefähr zehn Prozent unter Druck kommen", fügte der Wirtschaftsweise unter Bezug auf den neuen "Krankenhaus Rating Report" seines Instituts hinzu, der kommende Woche vorgestellt werden soll. Damit wären insgesamt 200 Einrichtungen in ihrer Existenz gefährdet.

Vor allem kommunale Krankenhäuser im Westen seien in Gefahr, insbesondere solche Häuser, die ihre Investitionskosten nicht erwirtschaften könnten. Verantwortlich für die Situation machte Schmidt steigenden Kostendruck durch den medizinisch-technischen Fortschritt sowie den demografischen Wandel. Darüber hinaus seien die öffentlichen Mittel langsam zurückgefahren worden.

Der Politik riet der Ökonom, dem Trend nachzugeben. "Die kommunale Politik hält noch zu oft schützend die Hand über defizitäre Krankenhäuser." Dies sei nicht im Sinne der Patienten und der medizinischen Versorgung. Er plädierte für eine Art "Abwrackprämie" für Kliniken. "Lieber Geld in die Hand nehmen, um eine bessere Struktur jetzt zu schaffen - auch durch Zusammenlegung, auch durch Schließung - als etwas aufrechtzuerhalten, was nicht mehr funktionieren kann."

Kürzungen der gesetzlichen Kassen problematisch

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) zeigte sich empört. Es greife zu kurz, die finanziellen Probleme vieler Kliniken auf unwirtschaftliche Strukturen oder Standortursachen zu schieben, sagte Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Maßgeblich seien die Kürzungen zur Sanierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Diese führten in diesem Jahr dazu, dass die Kliniken gerade 0,3 Prozent Spielraum für Preiserhöhungen hätten. Demgegenüber stiegen die Kosten im "Hochkonjunkturtempo". "Die Politik muss die Warnzeichen aus den Häusern ernst nehmen und die für 2012 bereits im Gesetz stehende nächste Kürzungsrunde überdenken", forderte Baum. Diese entziehe den Kliniken sonst nochmal rund 600 Millionen Euro.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen wies die Forderung zurück. Angesichts der stark steigenden Ausgaben im stationären Bereich gebe es dafür keinen Spielraum, sagte Vizechef Johann-Magnus von Stackelberg. Seien 2008 von der GKV noch 52,6 Milliarden Euro für die Krankenhausversorgung überwiesen worden, würden es dieses Jahr voraussichtlich mehr als 60 Milliarden Euro sein.

dho/Reuters / Reuters