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Landwirtschaft: Keine Erdbeeren ohne Erntehelfer

Weil ausländische Ernetehelfer neuerdings auf ihren Lohn Sozialabgaben zahlen müssen, bleiben sie weg - mit fatalen Folgen für die Landwirte: Denen verfault die Ernte auf den Feldern, weil diese Jobs bei Deutschen nicht beliebt sind.

Zahlreiche Erdbeerbauern in Schleswig-Holstein stecken in der Klemme. Das warme Wetter der vergangenen Tage habe die Früchte schnell reifen lassen, deshalb müssten sehr kurzfristig Erntehelfer her, sagte der Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Manfred Christianse., Für viele Betriebe sei die Lage schwierig, so Christiansen.

Haupterntezeit startet jetzt

Landwirt Heinrich Mougin aus Grömitz (Kreis Ostholstein) klagt: "Uns fehlen die Leute. Die neue Sozialversicherungspflicht für ausländische Erntehelfer hat viele unserer polnischen Stammkräfte so verunsichert, dass sie gar nicht mehr kommen. Und die Arbeitsagentur ist nicht in der Lage, uns kurzfristig zuverlässige deutsche Arbeitskräfte für die Ernte und den Verkauf zu vermitteln." Mindestens 150 Erntehelfer bräuchte Mougin, um seine 40 Hektar Anbaufläche zuernten. Doch zurzeit sind gerade einmal 50 vor Ort. "Die Haupterntezeit beginnt auch gerade erst, aber es wird knapp", sagt der Landwirt.

Rund 11.000 Helfer werden nach Angaben der Landwirtschaftskammer für die gesamte Erntesaison in Schleswig-Holstein benötigt. Zehn Prozent davon sollen nach einer Eckpunkteregelung der Bundesregierung deutsche Arbeitskräfte sein. In den so genannten Bewerberpools der Arbeitsagenturen sind nach Angaben der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit 1300 deutsche Arbeitssuchende registriert. "Wenn Landwirte ihren Bedarf beim regionalen Arbeitgeberservice anmelden, können wir üblicherweise noch am gleichen Tag Bewerber aus dem Pool informieren und vermitteln", sagt der Pressesprecher der Regionaldirektion, Horst Schmitt.

Deutsche Helfer müssen zuverlässig sein

Christiansen betont, dass die Landwirte gerne deutsche Saisonkräfte einstellen würden. "Aber die müssen dann auch schnell einsatzbereit und zuverlässig sein", sagt er. Damit hapert es nach Aussagen von Landwirten allerdings oft. "Bei uns beginnt die Ernte morgens um 4 Uhr. Wenn ein Erntehelfer um 7 Uhr anruft und sagt, er komme heute nicht, weil er verschlafen hat und sein Auto nicht anspringt, wird es problematisch", sagt Mougin.

Doch auch die von den Landwirten wegen ihrer Zuverlässigkeit geschätzten polnischen Erntehelfer kommen nicht mehr in Scharen. "Seit sie in Deutschland von ihrem Lohn Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen, bleibt manch einer lieber im Heimatland oder arbeitet in England, wo er mehr verdient", berichtet Claus-Joachim Lafrentz, der auf seinem Hof auf Fehmarn vier Hektar Erdbeerfelder ernten muss. "Statt der benötigten 20 Arbeitskräfte habe ich 15, drei angemeldete Polen sind nicht gekommen", berichtet er. Die Sozialversicherungspflicht für ausländische Saisonkräfte verunsichere nicht nur die Helfer aus dem östlichen Nachbarland, sondern erhöhe auch die Lohnkosten für die Betriebe. "Angesichts der niedrigen Marktpreise für Erdbeeren ist das fatal", sagt Lafrentz.

DPA / DPA