Lebensmittel 'Bärenmarke' wechselt den Besitzer


Nestlé lässt den Bären steppen - hinüber in die Hochwald-Gruppe nämlich. 'Bärenmarke' wird ab September im Produktportfolio der Rheinland-Pfälzer zu finden sein.

Nichts geht deutschen Kaffeetrinkern über die gute alte 'Bärenmarke'. Das könnte sich die Geschäftsführung der Hochwald Nahrungsmittel-Werke GmbH im Hunsrück beim Erwerb der Kondensmilch aus dem bayrischen Weiding gedacht haben. Das Milchwerk, aus dem auch 'Glücksklee' stammt, geht am 1. September an die Hochwald-Gruppe im rheinland-pfälzischen Thalfang über. Nestlé gab Deutschlands Nummer fünf unter den rund 120 eigenständigen Molkereien den Zuschlag. Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern zieht sich aus dem deutschen Milchgeschäft zurück. Seit 1. Juni gehört den Thalfangern auch die absatzstarke Joghurtmarke 'Lünebest', ebenfalls zuletzt mit Nestlé-Etikett. "Die Marken sind eine große Verantwortung, eine Herausforderung und ein Kraftakt", sagt der Hauptgeschäftsführer der Hochwald-Gruppe, Karl-Heinz Engel. Über den Kaufpreis der beiden Werke schweigen sich die Seiten aus. Aber in Branchenkreisen verlautet, dass Nestlé nicht dem Meistbietenden das weiße Gold überlassen hat, sondern einem Unternehmen, dessen Ausrichtung passt.

Jedes Werk ein eigenes Profitcenter

"Wir werden die Werke in Weiding und Lüneburg weiter betreiben, bei 'Lünebest' gibt es schon jetzt eine bessere Auslastung", hält Engel fest. Bis Ende des Jahres solle Weiding voll integriert werden. Um rund 340 Mitarbeiter wächst die Hochwald-Gruppe nach dem Zukauf. Vom Hunsrück aus werden die Standorte mit den insgesamt rund 1400 Mitarbeitern zentral verwaltet. "Es wird zu Stellenverschiebungen kommen, aber jedes Werk ist ansonsten ein eigenes Profitcenter, das die Gewinne an uns abführt", sagte Engel. In diesem Jahr rechnet er mit 800 Millionen Euro Umsatz, vor vier Jahren waren es nur knapp 300 Millionen Euro.

Starkes Auslandsgeschäft

Im vergangenen Jahr setzte die Gruppe rund 640 Millionen Euro um, 70 Prozent davon im Inland. Das Geschäft im Ausland erstreckt sich nach Angaben Engels inzwischen auf 80 bis 90 Länder. In dem Werk in Thalfang - mit einer besonderen eigenen Dosen-Produktion - rattert etwa Kondensmilch für Libyen über die Förderbänder. Frankreich, Griechenland und England gehören zu den Hauptabnehmern. "Die Kondensmilch aus dem Hochwald fließt zu 90 Prozent ins Ausland, mit 'Bärenmarke' gewinnt das Unternehmen jedoch erstmals deutsche Marktanteile", sagte Engel.

Die derzeit rund 1,1 Milliarden Kilo Jahresmilchmenge der Gruppe kommen von knapp 4000 Erzeugern. Den Landwirten - samt Passiven rund 7000 Mitglieder insgesamt - gehört auch die Hochwald-Mutter, die 1932 gegründete Molkereigenossenschaft Erbeskopf Eifelperle.

Quer durchs Lebensmittelregal

Rund 250 Artikel umfasst die Palette der Nahrungsmittel-Werke - von der Milch über Butter, Quark, Schlagsahne bis zum Milchpulver. Neben den Milchwerken in Thalfang, Kaiserslautern, Hillesheim (alle Rheinland-Pfalz), Erftstadt (Nordrhein-Westfalen), in Saarbrücken und in der nordhessischen Käserei Wohratal hat Hochwald außerdem zwei Fleischwerke: in Thalfang und im niedersächsischen Meppen. Letztere tragen jedoch mit Schinken, Würstchenkonserven, Wurst und Fleisch nur zu rund zehn Prozent zum Umsatz bei.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker