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Lebensmittel: Österreichischer Konditor gegen Marken-Giganten

Es ist ein Kampf David gegen Goliath: Ein kleiner österreichischer Zuckerbäcker muss gegen den renommierten Schweizer Edel-Chocolatier Lindt antreten. Der Grund ist ein süßes Tier mit roter Schleife.

Die rote Schleife wurde durch eine rot-weiß-rotes Mascherl ersetzt. Sonst sehen sie aus wie immer, die Schokolade-Osterhasen des österreichischen Herstellers Hauswirth in Goldfolie. Um die süßen Tiere tobt seit fünf Jahren ein Rechtsstreit zwischen dem Schokoladenfabrikanten aus dem Burgenland und dem Schweizer Edel-Chocolatier Lindt. Der hat seine ebenfalls in Goldfolie gepackten sitzenden Hasen mit roter Schleife im Jahr 2000 markenrechtlich schützen lassen, der österreichische Konkurrent darf daher seine Osterfiguren nicht auf den Markt bringen.

Verschenken statt verkaufen

"Verkaufen dürfen wir sie nicht, also verschenken wir die Hasln", sagte Geschäftsführer Roman Hauswirth in Wien. Trotz einer einstweiligen Verfügung hatte die burgenländische Firma die Produktion weitergeführt, in der Hoffnung, der Oberste Gerichtshof (OGH) in Wien werde dem Einspruch gegen das Verkaufsverbot stattgeben. Doch der OGH wies den Einspruch zurück, eine neue Verhandlung ist erst für den 20. April angesetzt - und so kommen nun vor allem karitative Organisationen kostenlos in den Genuss der Häschen aus dem Burgenland.

Außerdem ruft die Firma ihre Kunden dazu auf, alte Fotos von Osternestern mit eben diesem Hasen zu schicken. Hauswirth will sich so für die nächste Verhandlungsrunde wappnen und beweisen, dass das sitzende Goldhäschen aus dem Burgenland mindestens genauso alt ist wie der Schweizer Doppelgänger, wenn nicht sogar älter. Und dass es außerdem noch ähnliche Hasen anderer Hersteller gibt.

Lindt glaubt, das Original zu produzieren

"Man kann nicht plötzlich irgendeine Form schützen, die viele Hersteller schon seit Langem verwenden", sagt Hauswirth, klagt den Schweizer Giganten wegen "bösgläubiger Eintragung" an und beantragt die Löschung der Marke: "Lindt muss unsere und andere Vorgänger gekannt haben".

Lindt ist dagegen sicher, das Original herzustellen. Man produziere seit 1952 den Hasen. Das hockende Tier in Goldfolie und mit rotem Bändchen um den Hals sei "in der Hasenbranche zum Symbol für Ostern geworden", sagt Sprecherin Sylvia Kälin. Auf Grund der Einzigartigkeit des Aussehens, das sich auf die Verbindung von sitzender Form, goldener Farbe und roter Schleife beziehe, sei auch der Markenschutz genehmigt worden.

Kein Osterhase ist einzigartig

Eben diese Einzigartigkeit spricht Hauswirth dem Lindt-Häschen ab - ebenso wie dem Doppelgänger aus eigener Produktion. Der Spross aus einer traditionellen Konditor-Familie bezieht sich auf altes Volksbrauchtum: Der Schokoladehase habe seinen Ursprung im klassischen Ostergebäck, im Lamm aus hellem Bisquitteig mit der roten Siegesfahne. Diese Farben als Charakteristika seien dann übernommen worden, als erstmals Schokoladehasen im Osternest auftauchten. "Die ersten Hasen haben wir noch mit Hand gewickelt und die Augen aufgemalt", erzählt er aus der Firmengeschichte.

Im Burgenland werden 300.000 Goldhasen produziert, die Schweizer Konkurrenz hoppelt in einer Stärke von fünf Millionen Exemplaren durch alle Welt. Hauswirth sieht sich nicht als gefährlicher Konkurrent der Schweizer: "Wir sind nicht wichtig am Markt". Er fürchtet, dass Lindt eigentlich auf ein viel weiter reichendes Monopol abzielt. Im Moment bezieht sich das Verbot auf den "Sitzenden, nach vorne blickenden Hassen in Goldfolie mit roter Schleife".

Vorwurf: Lindt geht es um eine Monopol

"Wenn sich aber das Verbot auf den Sitzhasen alleine bezieht, fällt gleich ein Drittel der möglichen Formen für Osterhasen weg", malt sich der Geschäftsführer aus. "Man könnte dann nicht einmal mehr Hasen in Orange mit blauen Punkten herstellen, solange sie sitzen", fürchtet Hauswirth. "Für uns kleine Hersteller bleiben dann nur noch Sonderformen wie auf Händen laufende Hasen oder solche auf Rollschuhen übrig".

Irmgard Schmidmaier/DPA / DPA