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Lebensmittelhandel: Tante Emma kehrt zurück

Wir befinden uns im Jahre 2009 nach Christus. Aus ganz Deutschland weichen die Tante-Emma-Läden... aus ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Einwohnern bevölkertes Dorf bei Hannover hat Geld in die Hand genommen und seinen kleinen Einkaufsmarkt zurückerobert.

Mit einer pfiffigen Idee und eigenem finanziellen Einsatz haben die Bürger des kleinen Dorfes Resse nördlich von Hannover ihren letzten Tante-Emma-Laden gerettet. Am Donnerstag wurde das Geschäft nach mehreren Monaten Schließung neu eröffnet. Die Resser Bürger gründeten eine Genossenschaft, um das Ladengebäude zu kaufen. Mehr als 100 Einwohner zeichneten Anteile von 3000 Euro oder mehr und sind nun die Eigentümer des Hauses, das sie an den Geschäftsbetreiber vermietet haben. "Im Prinzip ist die Idee aus Diskussionen am Stammtisch entstanden", sagte der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft, Ralf Würtz.

Das Modell einer Genossenschaft kommt nach Angaben des niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes immer mehr in Mode, wenn Bürger gemeinsam etwas auf die Beine stellen. So wurde beispielsweise auch das Hallenbad in Nörten-Hardenberg von Bürgern gerettet, die sich zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen hatten. Auch das Bio-Energiedorf Jühnde bei Göttingen ist eine Genossenschaft, es ist das erste Dorf, das seinen Energiebedarf komplett aus regenerativen Quellen deckt.

Lösung am Stammtisch

Thorsten Bullerdiek vom Städte-und Gemeindebund in Hannover sagt: "Wir versuchen dieses Modell der Genossenschaft im Moment weiterzuentwickeln und in den Gemeinden bekannter zu machen." Denn die Probleme, die das 2500-Seelen-Örtchen Resse in der Wedemark hatte, kennen auch viele andere kleine Dörfer seit langem: Die Infrastruktur verschwindet zunehmend. "Bei uns ging das 2006 los, da hat die Ärztin angekündigt, dass sie altersbedingt aufhören wird", erzählt Genossenschafts-Chef Würtz. Früher hatte das Dorf noch drei Kaufmannsläden und eine Sparkasse, am Ende blieb zunächst nichts übrig.

"Wir haben darüber am Stammtisch diskutiert und dann haben wir das getan, was man in einem Dorf eben tut: Wir haben einen Verein gegründet", berichtet Würtz. Über 400 Bürger wurden Mitglieder. Sie ließen sich von einer Gesellschaft für kleine und mittlere Betriebe professionell beraten und konnten als erstes einen Arzt aus einem zehn Kilometer entfernten Nachbarort dafür gewinnen, eine Ablegerpraxis in ihrem Dorf zu eröffnen.

Danach ging es um die Zukunft des Supermarktes. "Wir haben natürlich stundenlang nachgedacht und hin und her überlegt", erinnert sich Ralf Würtz. Eine Genossenschaft schien schließlich der beste Weg zu sein, um den Laden neu zu eröffnen - und tatsächlich waren viele Bürger bereit, für die Rettung des Ladens auch ein eigenes finanzielles Risiko einzugehen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob sich das Modell auch langfristig trägt.

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