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Missratene Projekte: Massiver Gewinneinbruch bei Siemens

Siemens in der Krise: Nach der Korruptionsaffäre muss der Technologiekonzern auch noch einen Gewinneinbruch verkraften. Bei 412 Millionen Euro liegt der Überschuss im zweiten Quartal - zwei Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum. Jetzt soll erneut Personal abgebaut werden.

Der Technologiekonzern Siemens hat einen herben Gewinneinbruch erlitten. Vor allem missratene Projekte im Kraftwerksbau und der Zugsparte sowie die Restrukturierungskosten für das zum Verkauf stehende Telefonanlagengeschäft SEN drückten den Gewinn im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 um zwei Drittel auf 412 Millionen Euro, wie der von einer Korruptionsaffäre geschüttelte Konzern mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 451 Millionen Euro gerechnet.

Als Konsequenz kündigte Konzern-Chef Peter Löscher weitere Sparmaßnahmen an: "Es wird ganz klar zu einem Personalabbau kommen", sagte Löscher. Zahlen könne er allerdings noch nicht nennen. Bis 2010 will Siemens im Vertrieb und in der Verwaltung die Kosten um 1,2 Milliarden auf unter elf Milliarden Euro pro Jahr senken.

Mit einem Rückgang des operativen Gewinns um ein Drittel auf 1,2 Milliarden Euro schnitt Siemens allerdings besser ab als von den Branchenexperten erwartet. Die Belastungen aus unrentablen Projekten fielen mit 857 Millionen Euro geringer aus als Siemens im März bei seiner Gewinnwarnung in Aussicht gestellt hatte. Der Umsatz sei um zwei Prozent auf 18,1 Milliarden Euro gewachsen, teilte Siemens mit.

Renditeziele für 2010 stehen fest

Trotz der hohen Zuwächse von 15 Prozent auf 23,4 Milliarden Euro beim Auftragseingang rechnet Siemens-Chef Peter Löscher im laufenden Geschäftsjahr mit stagnierenden Gewinnen im operativen Geschäft. An den Renditezielen für 2010 halte Siemens fest.

Welcher Gewinn im laufenden Jahr aber unter dem Strich übrig bleibt, ist offener denn je. Aus der Trennung von SEN werde ein erheblicher Verlust entstehen. Allein für den Stellenabbau hat Siemens im vergangenen Quartal 109 Millionen Euro zur Seite gelegt. Auch die Kosten aus den Folgen der Schmiergeldaffäre und aus dem laufenden Konzernumbau seien in den Prognosen nicht enthalten, hieß es. Deutschlands größter Industriekonzern hatte im ersten Quartal seines Geschäftsjahres Milliarden aus dem Verkauf seiner Autozuliefersparte VDO an Continental erlöst.

Die Analyse der unrentablen Projekte im Kraftwerksbau sei inzwischen abgeschlossen, sagte Vorstandschef Peter Löscher. "Wir konnten uns alles in allem ein klares Bild über die Risiken machen." An den Folgen werde Siemens aber noch längere Zeit zu knabbern haben. Die Kraftwerks-Sparte werde in den kommenden Quartalen Verluste schreiben. Allein von Januar bis März habe die Sparte 559 Millionen Euro im konventionellen Kraftwerksbau zurückgestellt. Davon entfielen allein 163 Millionen Euro auf das finnische Atomkraftwerk "Olkiluoto", das noch nicht einmal zur Hälfte fertiggestellt ist.

Reuters / Reuters