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Nach dem Tod des Ehemanns Sie bekam monatelang keine Rente – Seniorin aus NRW verzweifelt

Rente nicht ausgezahlt
Mit ihrer Rente kommen viele Senioren knapp über die Runden. Doch was passiert, wenn über Monate gar keine Zahlungen eingehen. Das musste eine Frau aus NRW jetzt erleben.
© Jens Kalaene / DPA
Über viele Monate hat eine Seniorin aus Nordrhein-Westfalen keine Rente ausgezahlt bekommen. Das brachte die Frau in eine sehr schwierige Situation.
Von Madeline Jäger

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RTL.de.

"Es dauert schon so lange – ich kann gar keine Hoffnung mehr haben", sagt Ilse L. entmutigt. Seit Monaten muss sie nun schon ohne ihre Rente auskommen. Je mehr Zeit vergeht, desto belastender wird es, in diesen teuren Zeiten gänzlich ohne Einkommen zu leben. Gerade hat die Tochter der Seniorin den Einkauf im Supermarkt bezahlt. Wie es morgen weitergeht, weiß sie noch nicht. Warum hakt es bei der Renten-Auszahlung der 86-Jährigen so massiv? RTL ist dem seltsamen Fall nachgegangen.

In Zeiten von Rekord-Inflation und galoppierenden Energiekosten brauchen wir alle unser Geld besonders dringend. Umso tragischer ist es, wenn über Monate hinweg kein Cent mehr auf dem eigenen Konto landet. So ergeht es gerade Seniorin Ilse L., die seit drei Monaten keine Rente mehr bekommt. Ihr ist das alles so unangenehm, dass sie lieber nicht mit vollem Namen in der Öffentlichkeit auftreten möchte. Denn langsam wird es auch für die sparsame Seniorin eng.

Nach dem Tod des Ehemannes kamen keine Zahlungen der Rente

Am 21. April 2022 hat die alte Dame aus Wuppertal ihren Mann verloren. Dadurch kamen selbstredend extrem hohe Kosten auf sie zu. Die Beerdigungskosten konnte sie von ihrem Ersparten bezahlen. Außerdem bekam sie von der Deutschen Rentenversicherung einen Witwenrenten-Vorschuss ausgezahlt, wie beim Tod des Ehepartners üblich. Diese Einmalzahlung betrifft die Monate Mai, Juni und Juli. Doch seit August ist gar nichts mehr passiert.

Ilse L. kann es sich nicht erklären. Ihr Rentenantrag liegt der Rentenversicherung seit Anfang Mai 2022 vor, dabei ist das Einreichen der Unterlagen ohnehin eher Formsache. Denn in solchen Fällen stehen der Ehepartnerin 60 Prozent der Rente des Verstorbenen zu. Die Bearbeitung des Antrags dauert in der Regel etwas mehr als acht Wochen – ein halbes Jahr ist jedoch ein Extremfall.

Das Ersparte muss für die Lebenshaltungskosten herhalten

"Die ersten zwei Monate habe ich noch nichts gesagt, ich fühlte mich schlecht", so die Seniorin im Gespräch mit RTL. Doch mittlerweile überweist sie Geld von ihrem Sparbuch auf ihr Girokonto, um die laufenden Kosten stemmen zu können. Die Familie von Ilse L. fragt zwar immer wieder hartnäckig in Berlin nach, woran es bei der Auszahlung für ihre Oma und Mutter scheitert. Doch bislang ohne Aussicht auf Erfolg.

Der Enkel spricht inzwischen von einer "Unverschämtheit." Adrian R. erzählt: "Immer, wenn wir angerufen haben, wurden wir vertröstet. Es hieß einmal, dass das Arbeitsaufkommen so hoch sei, weil bei allen Rentnern gerade der Anspruch auf die Grundrente geprüft werde. Danach sagte man uns, die zuständige Sachbearbeiterin sei krank."

"Ich kann es nicht fassen, dass aus diesem Grund eine alte Dame ihre rechtlich zustehende Rente nicht erhält", ärgert sich der Enkel weiter. Ist die Deutsche Rentenversicherung aktuell wegen der neuen Grundrente und deren Anspruchsprüfungen überlastet?

Nach dem RTL-Erstkontakt mit einer Sachbearbeiterin der Deutschen Rentenversicherung am 10. Oktober 2022 heißt es am Donnerstag (13. Oktober 2022) auf Anfrage unserer Redaktion: "Ich bedaure die geschilderte Situation. Umso mehr freut es mich, folgendes mitteilen zu können: Mit Datum vom 11. Oktober 2022 wurde die Witwenrente bewilligt. Der Bescheid sollte in den nächsten Tagen per Post bei ihr eingehen. Die ihr noch zustehenden Rentenzahlungen für die Zeit von August bis Oktober 2022 erhält sie unmittelbar als Nachzahlung. Ab November wird die Witwenrente monatlich angewiesen", so die Mitarbeiterin der Deutschen Rentenversicherung.

So weit, so gut – doch warum hat das so lange gedauert und lag es am aktuellen Arbeitsaufwand durch die Grundrente? "Die Ansprüche auf Grundrentenzuschlag werden im Wesentlichen maschinell geprüft und bearbeitet, sodass dies keinen Einfluss auf reguläre Arbeitsabläufe bei der Bearbeitung von Anträgen hat", erklärt die Sachbearbeiterin der Rentenversicherung dazu. Einen anderen Grund für die extreme Verzögerung im Fall der Seniorin Ilse L. gibt die Rentenversicherung jedoch nicht an.

Die Tochter von Ilse L. freut sich, dass es für ihre Mutter nach dem Tod des Ehemannes im April auch endlich mal wieder gute Nachrichten gibt. Doch für Heike R. ist klar: "Wenn Sie nicht nachgefragt hätten, wäre dieser Stein wohl nicht so schnell ins Rollen gekommen und das ist traurig."

Madeline Jäger / RTL.de/ anb

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