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75 Euro für ein paar Briefe: So läuft die Abzocke mit Post-Nachsendeaufträgen

Wer bei der Post einen Nachsendeauftrag einrichten will, muss aufpassen, dass er nicht an zweifelhafte Alternativ-Anbieter gerät. Verbraucherschützer warnen vor überteuerten Dienstleistern.

Nachsendeauftrag

Ohne Nachsendeauftrag können sich die Briefe an der alten Adresse schnell stapeln

Getty Images

Wer umzieht, kann bei der Post einen Nachsendeauftrag zur neuen Adresse beauftragen. Das geht ganz bequem online. Dabei sollte man allerdings sichergehen, dass man wirklich auf den Seite der Deutschen Post unterwegs ist, warnen Verbraucherzentralen und die Stiftung Warentest. In den Google-Ergebnissen tauchen nämlich ganz oben zunächst Anzeigen von teuren Drittanbietern wie "nachsenden.info" auf.

Auf deren Seite prangt zwar groß ein gelber Briefkasten, mit der Post hat nachsenden.info aber nichts zu tun. Der Anbieter beschreibt sich als "unabhängiger Dienstleister", der nicht nur Briefe der Deutschen Post, sondern auch anderer Post-Zusteller weiterleite. Dafür langt der Anbieter ordentlich zu: 75,96 Euro soll der Nachsendeauftrag für ein halbes Jahr kosten. Bei der Deutschen Post sind es für den gleichen Zeitraum lediglich 19,90 Euro.

Alternativer Nachsendeauftrag meist ohne Mehrwert

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bezeichnet die Geschäftsidee als "tricky". Denn es gibt zwar neben der Post mehr als 500 alternative, meist regionale Zustellfirmen. In der Praxis reicht den Allermeisten aber ein ganz normaler Post-Auftrag, weil sie sowieso nicht von weiteren Zustelldiensten beliefert werden. Obwohl laut nachsenden.info "bis zu 3 Postzusteller" beauftragt werden, bietet der Service in den meisten Fällen gar keinen Mehrwert, wie die Verbraucherzentrale in einem Test herausfand. So wurde bei allen sechs Versuchskaninchen, die den Service probeweise nutzten, lediglich die Deutsche Post beauftragt - zum vollen Preis von 75,96 Euro statt 19,90 Euro. Und das, obwohl die Tester mit Dortmund, Düsseldorf, Köln, Berlin, Hamburg und München quer über die Republik verteilt waren.

Bei der Deutschen Post ist man über die zweifelhafte Konkurrenz wenig erfreut. Denn viele Kunden merken gar nicht, dass sie nicht auf der Postseite gelandet sind, sondern bei einem externen Dienstleister. "Bei uns geht eine Vielzahl an Beschwerden wegen der hohen Preise ein", sagt ein Postsprecher der Stiftung Warentest

bak