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Nobelpreisträger Joseph Stiglitz: "So naiv kann Obama sein"

In die Fußstapfen seines Vorgängers Bush sei Barack Obama getreten, wirft ihm Ökonomieprofessor und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz im Interview mit dem stern vor. Die Banken würden Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren. Stiglitz fordert eine Abkehr vom "Schein-Kapitalismus".

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz hat die Politik von US-Präsident Barack Obama scharf kritisiert. In einem Interview in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern sagt der amerikanische Ökonom, der Präsident und seine Regierung würden bei der Krisenbewältigung "Riesenfehler" machen und "viel zu kurzfristig" denken. "Man hat sich für eine Politik des Durchwurstelns entschieden", so Stiglitz. Konkret rügt der Professor für Wirtschaftswissenschaft, dass das US-Konjunkturprogramm im nächsten Jahr auslaufen werde, dabei sei die Wirtschaft noch "sehr, sehr krank".

Das Verhalten des US-Präsidenten gegenüber den Banken bezeichnet Stiglitz als "naiv". Es werde eine Art "Schein-Kapitalismus" praktiziert, "in dem die Gewinne privatisiert und die Verluste sozialisiert werden". Obama würde den Kurs seines Vorgängers Bush fortsetzen, nicht nur die Banken, sondern auch die Banker und Aktionäre retten zu wollen. Nun würden mit den Rettungsgeldern Dividenden und Milliardenboni gezahlt. Der US-Präsident sei bislang nicht härter vorgegangen, weil er unter den Einfluss der Wall Street geraten sei: "Obama hat die Stühle auf der Titanic nur geringfügig umgestellt."

Manchmal scheine es so, sagt Stiglitz, als ob die USA "von den Banken beherrscht" würden. Die Institute würden ihre Profite durch Spekulation machen, dabei sollten sie Kredite vergeben und Risiken absichern. Ihren "eigentlichen Aufgaben für eine Volkswirtschaft" kämen die Banken nicht nach. "Sie haben sich vielmehr auf einen gigantischen Raubzug begeben", so Stiglitz.

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