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Wasser-Privatisierung : 200 Dollar Entnahmegebühr – so saugt Nestlé eine Gegend trocken

Wasser ist ein Mega-Geschäft. In Michigan zahlte Nestlé 200 Dollar für 500.000 Tonnen vom besten Quellwasser und macht daraus Millionen. Die Anwohner sind über den Wasser-Raubzug empört.

Einmal abgefüllt wird aus dem Allgemeingut Wasser ein privatisierter Markenartikel.

Einmal abgefüllt, wird aus dem Allgemeingut Wasser ein privatisierter Markenartikel.

Nestlé hat das Geschäft mit dem Wasser perfektioniert - weltweit sichert sich der Konzern Wasserrechte, pumpt das Nass aus dem Boden und verkauft es teuer in Flaschen. 

Der Konzern gilt als Vorreiter der Wasser-Privatisierung, seitdem der damalige CEO Peter Brabeck-Letmathe mit der Äußerung zitiert wird, dass Wasser kein Menschenrecht sei. Brabeck-Letmathe sagte später, dass sein Argument komplexer gewesen sei und diese Verkürzung den eigentlichen Sinne entstellen würde. Er blieb aber bei der These, dass Wasser ein normales Handelsgut sei und nur ein marktgerechter Preis die natürlichen Ressourcen schütze. Die Wasserrechte also bei einem Multi wie Nestlé besser aufgehoben seien, als bei den Kommmunen und den Bewohnern des Landes.

Geschäft mit Zukunft

Die angesehene "New York Times" hat sich in Michigian umgesehen, dort pumpt Nestlé das flüssige Gold aus dem Boden. 500.000 Tonnen Wasser entnimmt der Wasser-Multi und zahlt dafür eine Gebühr von 200 Dollar - die Wasserflaschen erlösen am Ende über 100 Millionen Dollar. Ob die Privatiserung des Wassers wirklich das Ökosystem schützt, kann man bezweifeln. Auf jeden Fall beherrscht ein Unternehmen wie Nestlé die Kunst, aus einem allgemeinen Gut eine Geldmaschine zu machen. Mit den Folgen sollen Anwohner wie Maryann Borden leben, der Fluss hinter ihrem Haus hat sich in ein Bächlein verwandelt. "Was ist geschehen? Nestlé ist hergekommen!", sagte sie der "NYT".

Das Wasser-Geschäft boomt. Erstmals hat mit Kohlensäure versetztes Wasser die Softdrinks im US-Verkauf hinter sich gelassen. Einfach gesagt: Flaschenwasser bewegt weit mehr Geld, als Coca Cola und Pepsi zusammen umsetzen.


Wem gehört das Wasser?

Also will Nestlé mehr und mehr Wasser abpumpen. Doch Wasser ist ein kompliziertes Wirtschaftsgut. In vielen europäischen Ländern gehört es dem Staat, die Anwohner haben lediglich Entnahmerechte. In den USA wurden diese ehemals königlichen Vorrechte nicht importiert. Das Wasser gehört den Bewohnern, sprich den Eigentümern des Grundes. Sie können in der Regel so viel entnehmen, wie sie brauchen.

Der Bedarf von Großstädten sprengte schon immer die Idee, dass die Anwohner einfach "ihr" Wasser nehmen können, Städte bezogen ihr Nass schon immer aus anderen Gegenden. Die Wasserversorgung der Stadtbevölkerungen dient jedoch dem Allgemeinwohl. Nestlé hingegen ist reines Business. Maryann Borden sorgt sich um die Folgen: "Ich kann nicht verstehen, warum sie so viel Wasser entnehmen dürfen? Wie soll sich die Gegend davon erholen?"

Anders als ein Farmer fügt Nestlé das Wasser nicht dem lokalen Wasserkreislauf wieder hinzu. Das ist auch ein Unterschied zu Industrieanlagen, die den Großteil ihres Wassers - das sie etwa zur Kühlung entnehmen - den lokalen Kreisläufen zurückführen. Nestlé hingegen versendet 4,8 Millionen Flaschen Wasser am Tag in die ganze USA, denn die Marke "Ice Mountain - 100% Natural Spring Water" ist hochbegehrt. Es gilt als besonders frisch und authentisch. Das Abpumpen dieses Wasser kann aber auch zu stärkeren Effekten in der Umgebung führen, als das Ausbeuten sehr tiefliegender Reservoirs.

Aus Wasser wird ein Markenprodukt

"Unser Spring Water ist etwas ganz Besonders, das ist eine Kostbarkeit", schwärmt Nelson Switze, bei Nestlé USA verantwortlich für nachhaltiges Wirtschaften. "Wir bringen das zu den Leuten. Sie können es genießen, wenn sie es brauchen. Das ist eine einzigartige Erfahrung."

Das Oberflächenwasser aus der Schneeschmelze fehlt dann allerdings woanders: "Das ist eine große Sache, wenn irgendjemand das beste Wasser wegnehmen kann. Wasser, das eigentlich in die Bäche und Flüsse fließen sollte", sagte Jeff Ostahowski, von der Vereinigung Michigan Citizens for Water Conservation, zur "NYT". "Und Nestlé kriegt es umsonst? Das ist doch verrückt!"

Wasser ohne Plastik

Steuern und Jobs im Bezirk

Die Anwohner sind zwar empört, ein reiner Nachteil ist der Wasserverkauf aber nicht. Die Entnahmegebühr mag lächerlich gering sein, dafür sorgt "Ice Mountain" in der Stadt Evart aber für Jobs und Steuereinnahmen. Evarts Kämmerer Zackary Szakac sagt: "Wir haben so viel Wasser im County. Das ist unser Glück." Er ist überzeugt, der Deal mit "Ice Mountain" werde die Stadt finanziell über die nächsten 100 Jahre bringen.

"NYT": Where Nestlé Guzzles Water, Michigan Neighbors Take Exception – Steve Friess

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