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Nutella nicht "gesund und nahrhaft": Ferrero muss Millionen wegen "falscher" Werbung zahlen

Nach einer Sammelklage gegen den Hersteller von Nutella hat Ferrero USA rund drei Millionen Dollar für eine außergerichtliche Einigung bereitgestellt.

Wer erinnert sich noch an Stella Liebeck? 1992 verbrühte sich die ältere Dame mit einem McDonalds-Kaffee und verklagte das Fastfood-Unternehmen auf Millionen. Nun hat das Kuriositätenkabinett der Verbraucherschutzurteile einen weiteren Neuzugang zu vermelden.

Die im kalifornischen San Diego lebende Athena Hohenberg, Mutter eines Kindes, hatte im Februar 2011 mit einer Klage gegen den Hersteller von Nutella wegen irreführender Werbung in den USA einen millionenschweren Erfolg erzielt. Die Frau hatte der Firma Ferrero USA vorgeworfen, die Schokocreme als "gesundes und nahrhaftes Frühstück" anzupreisen, obwohl es ähnlich viel Fett und Zucker enthalte wie ein Schokoriegel. Sie sei "schockiert" gewesen zu erfahren, dass Nutella "nicht gesund", sondern kaum besser als Süßigkeiten sei, noch dazu habe es einen "gefährlich" hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, hieß es in der Klageschrift weiter.

Das Unternehmen einigte sich jetzt nach einem monatelangen Gerichtsverfahren mit der Gegenseite auf einen Vergleich, der Zahlungen an Nutella-Käufer in den USA von insgesamt gut drei Millionen Dollar (2,26 Millionen Euro) vorsieht. Jeder, der in den vergangenen drei bis vier Jahren in den USA Nutella gekauft habe, könne eine Zahlung bis zu 20 Dollar einfordern, heißt in der offiziellen Darstellung zu dem Vergleich. Das entspreche dem typischen Preis von fünf Gläsern des Brotausstrichs. Ferrero USA hat laut den Gerichtsdokumenten zwar keine Fehler eingeräumt, aber angekündigt, "gewisse Aussagen" über Nutella "zu modifizieren". Die Mutter hatte argumentiert, dass die Werbung die Creme gesünder erscheinen ließe, als sie in Wirklichkeit ist. Das Unternehmen war am Sonntag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Verbraucherschutzklagen sind ein Milliardengeschäft

In den USA gibt es häufig Klagen gegen Lebensmittelhersteller - sei es wegen irreführender Werbung oder wegen Produkthaftungsfragen. Die Fast-Food-Kette Taco Bell beispielsweise sah sich im Vorjahr dem - letztlich haltlosen - Vorwurf ausgesetzt, dass die Fleischgerichte zu wenig Fleisch enthielten. Generell sind Raucher-, Asbest- und Brustimplantat-Klagen oder Prozesse gegen Autohersteller und Pharmaunternehmen ein Milliardengeschäft.

Stella Liebeck und McDonalds einigten sich übrigens auf einen Vergleich. Wieviel Geld am Ende die Seiten wechselte, darüber schweigen sich beide Seiten aus. Es dürften aber mehr als 160.000 US-Dollar gewesen sein.

jwi/DPA/AFP / DPA
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