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PERSONALIE: Jack Welch: Der Mann hinter General Electric

Jack Welch machte General Electric zu einem der profitabelsten Unternehmen der Welt. Jetzt geht der Mann mit dem Spitznamen »Neutronen Jack« in Pension.

John F. (»Jack«) Welch tritt am siebten September als Chef des amerikanischen Mischkonzerns General Electric (GE) ab und übergibt seinem Nachfolger Jeff Immelt endgültig die Führung. Welch (65) hat General Electric 20 Jahre lang geleitet und GE dank einer aggressiven Expansionsstrategie zum teuersten Unternehmen der Welt gemacht. Heute beträgt der Gesamtwert der GE-Aktien rund 403 Milliarden Dollar (derzeit 862,4 Mrd DM/440 Mrd Euro). Als der promovierte Chemieingenieur Welch 1981 Unternehmenschef wurde, betrug der GE- Börsenwert nur zwölf Milliarden Dollar.

Wegen Honeywell später in Ruhestand

Welch wollte eigentlich schon Anfang des Jahres abtreten, doch sah er dann die Chance, den riesigen Elektronik- und Rüstungskonzern Honeywell International für rund 45 Milliarden Dollar zu schlucken. Aus dem krönenden Abschluss der Welch-Karriere wurde jedoch nichts, weil ihm EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti mit kartellrechtlichen Vorbehalten einen Strich durch die Rechnung machte. Aber auch so ist GE mit einem Umsatz von 130 Milliarden Dollar, 313.000 Mitarbeitern und einem Gewinn von 12,7 Milliarden Dollar eines der weltgrößten und profitabelsten Unternehmen. 1981 hatte GE 27 Milliarden Dollar umgesetzt und 1,6 Milliarden Dollar verdient.

Wirkung einer Neutronenbombe

Welch hatte sich gleich zu Beginn seiner Zeit als Konzernchef den Spitznamen »Neutronen Jack« eingehandelt, als er 100.000 Mitarbeiter entließ, rund ein viertel aller GE-Beschäftigten. Gemeint war die Wirkung der Neutronenbombe, die Gebäude unversehrt lässt, während sie Menschen tötet.

Geschickter Expansionskurs

Danach baute Welch das Unternehmen im In- und Ausland mit zahllosen Firmenkäufen und interner Expansion gezielt aus. GE schluckte die riesige US-Fernsehgesellschaft NBC. Welch hat seit 1990 mehr als 30 Milliarden Dollar für Firmenkäufe in aller Welt ausgegeben. Er hat die GE Capital zu einem der größten Finanzdienstleister der Welt gemacht.

Riesige Produktpalette

Die GE-Produktpalette reicht von Glühbirnen über Haushaltsgeräte bis hin zu Kraftwerken, Flugzeugtriebwerken, Kunststoffen, medizintechnischen Geräten und Informationstechnologie-Produkten. Welch hatte immer nach der Erfolgsdevise gehandelt: GE muss in allen Branchen, in denen das Unternehmen aktiv ist, Nummer eins oder mindestens Nummer zwei sein.

Seit dem Studium dabei

Welch wurde am 19. November 1935 in Peabody (Massachusetts) geboren. Nach dem Studium fing er 1960 bei GE an. Er wurde 1972 einer von vielen Vizepräsidenten und 1981 Unternehmenschef und Verwaltungsratsvorsitzender. Welch veröffentlicht am 11. September ein Buch, für das er 7,1 Millionen Dollar für die US-Rechte erhalten hat.

Welch-Nachfolger wird GE-Präsident und designierter Verwaltungsratsvorsitzender Jeffrey (»Jeff«) R. Immelt (44). Immelt hatte vorher die GE Medical Systems geleitet, die medizintechnische GE-Sparte. Er hatte sich von 1982 an die Sporen bei GE in der Kunststoffsparte, im globalen Marketing- und Produktmanagement sowie als Leiter der amerikanischen GE-Kunststoffsparte verdient.

Peter Bauer