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PHARMA: Bayer stoppt Lipobay jetzt weltweit

Wegfall des japanischen Marktes wird das operative Ergebnis um weitere 150 Millionen Euro belasten. Weltweit 1.100 Zwischenfälle durch Lipobay registriert.

Bayer stoppt die Vermarktung des Cholesterin- Senkers Lipobay/Baycol auch in Japan und erwartet dadurch eine weitere Schmälerung des Gewinns. Die Entscheidung, das Medikament auch vom japanischen Markt zu nehmen, wird das operative Ergebnis um bis zu 150 Millionen Euro belasten. Die Rücknahme in Japan erfolgte im Interesse der Patienten-Sicherheit. Die japanische Gesundheitsbehörde hatte zuvor mitgeteilt, dass der Wirkstoff Gemfibrozil bald auch in Japan zugelassen werden soll. Insbesondere eine gleichzeitige Einnahme von Lipobay/Baycol mit Gemfibrozil kann in seltenen Fällen zu Muskelschwäche führen. Japan war zunächst von dem weltweiten Rückzug des Cholesterin-Senkers ausgenommen, da Gemfibrozil bisher dort nicht im Handel ist.

Weltweit 1.100 Zwischenfälle

Einem Zeitungsbericht zufolge sind bislang weltweit rund 1.100 Zwischenfälle gemeldet worden, die mit dem Bayer-Medikament Lipobay/Baycol in Zusammenhang gebracht werden. Dies geht aus einem Bericht des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte hervor, berichtete das »Handelsblatt«. Bayer bestätigte diese Angaben des Instituts, hieß es in dem Bericht weiter. Bei dem Bundesinstitut und bei dem Chemie-und Pharmakonzern war am Donnerstagmorgen zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Deutschland: 91 Fälle von Muskelschwund

In dem Zeitungsbericht hieß es zudem, dass in Deutschland seit der Zulassung des Cholesterinsenkers Ende 1997 insgesamt 91 Fälle von Muskelschwund im Zusammenhang mit dem Lipobay-Wirkstoff Cerivastatin registriert worden sind. Sieben dieser Patienten starben. Das Bundesinstitut hält bei drei dieser Todesfälle einen Zusammenhang mit Lipobay für möglich.

Bayer spricht von 52 Todesfällen

Bayer selbst hat bislang die Zahl von 52 Todesfällen im Zusammenhang mit Lipobay genannt, allerdings darauf verwiesen, dass sich diese Zahl noch erhöhen könnte. Der Konzern hat allerdings wiederholt hervorgehoben, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Todesfällen und dem Medikament nicht nachgewiesen ist. Gegen Bayer sind im Zusammenhang mit dem Medikament mehrere Klagen in Deutschland und den USA angekündigt beziehungsweise bereits eingereicht worden.

Höhe der Regress-Zahlungen ungewiss

Über die Höhe der Schadenersatzzahlungen, die im Zusammenhang mit Lipobay auf Bayer zukommen können, gibt es deutlich unterschiedliche Einschätzungen zwischen Experten. So verweist die Deutsche Bank auf Berechnungen von US-Anwälten, die von zwei bis drei Milliarden Dollar ausgehen, wovon jedoch ein erheblicher Teil auf den Bayer-Vertriebspartner Glaxo entfallen könnte. Die US-Investmentbank sieht in einer aktuellen Studie indes nur Belastungen von weniger als 200 Millionen Dollar.

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