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Pharma: Life-Style-Präparate erobern den Pharmamarkt

Nicht erst seit Viagra gelten Life-Style-Medikamente als Kassenschlager in der Pharmaindustrie. Die Sehnsucht nach schönen und gesunden Körpern beschert der Branche lukrative Geschäfte.

"Tatsächlich weisen einige Teile des Life-Style-Marktes ein stärkeres Wachstum auf als der gesamte weltweite Pharmamarkt", sagt Uwe Perlitz von der Deutsche Bank Research. Während in den USA die Konzerne bereits Millionen-Umsätze mit diesen Mitteln machen, hinkt der europäische Arzneimittelmarkt angesichts stärkerer Reglementierung noch hinterher. Dennoch fragen inzwischen auch in Europa immer mehr Menschen derartige Produkte nach.
   

Am bekanntesten: Viagra

Unter "Life-Style-Medikamenten" werden Präparate verstanden, die keine lebensbedrohlichen Krankheiten bekämpfen und vor allem das Wohlbefinden und Aussehen der Konsumenten verbessern. Dazu gehören etwa Mittel gegen Sexualstörungen wie die bekannte Potenzpille Viagra des Branchenprimus Pfizer. Aber auch Antifettmittel wie das Präparat Xenical von Roche. Entwöhnungsmittel für Raucher und Anti-Falten-Präparate zählen ebenfalls dazu.
 

 

Höhere Lebenserwartung stützt den Trend

Die steigende Lebenserwartung in den Industrie- und Schwellenländern und der damit einhergehende veränderte Umgang mit dem Alter öffnet Life-Style-Medikamenten nach Expertenschätzung große Marktchancen. Die Deutsche Bank Research weist etwa darauf hin, dass in Deutschland heute ein 70-jähriger im Durchschnitt etwa fünfmal so viel Geld für Arzneimittel ausgibt wie ein 45-Jähriger. Aber auch der seit längerem zu beobachtende Fitness- und Wellnesstrend spielt eine Rolle.

 

Markt der Zukunft

Rein zahlenmäßig ist der Anteil solcher Präparate am Weltpharmamarkt mit etwa fünf Prozent zwar noch gering. Jedoch erwartet Perlitz für Life-Style-Mittel bis 2010 ein Marktwachstum von jährlich rund zehn Prozent auf etwa 40 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: für den gesamten Weltpharmamarkt rechnet die Deutsche Bank Research dagegen nur mit einem jährlichen Wachstum von sechs Prozent auf dann 630 Milliarden Dollar.

Enorme Wachstumsraten

Für Anti-Falten-Mittel, Fettsenker, Potenzmittel sowie Raucher-Entwöhnungsmittel geht Perlitz von Marktwachstumsraten zwischen zehn und knapp 30 Prozent pro Jahr aus. Mit Zuwachsraten zwischen fünf und unter zehn Prozent rechnet der Experte bei Anti-Depressiva und bei Präparaten gegen Haarausfall sowie Verhütungsmittel. "Das größte Wachstumspotenzial ist bei den Übergewichtsmedikamenten zu sehen, bei denen es derzeit noch keine vernünftigen Medikamente gibt", schätzt Peter Düllmann, Analyst bei Sal. Oppenheim. Große Chancen sieht der Experte auch bei Mitteln gegen Sexualstörungen, bei denen GlaxoSmithKline (GSK) und Bayer beziehungsweise der US-Konzern Eli Lilly demnächst mit eigenen Präparaten auf den Markt kommen.
   

Entwicklung schwappt aus USA herüber

Der Trend zu Life-Style-Medikamenten kommt, wie praktisch jeder Trend in der Branche zuletzt, aus den USA. In Europa spiele das noch keine so große Rolle. Dies liege daran, dass die Krankenkassen wenig erstatten würden, meint Düllmann. „Die Musik spielt in den USA, weil dort der weltgrößte Pharmamarkt ist und die Menschen gewillt sind, für Gesundheit viel aus der eigenen Tasche zu zahlen,“ sagt auch Experte Perlitz.

 

Auch Faltenglätter ganz vorne dabei

Manche Medikamente aus diesem Segment gehören bei den Konzernen mittlerweile zu den großen Blockbuster-Präparaten mit Umsätzen von über einer Milliarde Dollar im Jahr. Mit der Potenzpille Viagra, einem der Vorreiter dieser Produkte erwirtschaftete Pfizer 2001 einen Umsatz von 1,5 Milliarden Dollar. Auch dem wahrscheinlich 2003 auf den Markt kommenden Konkurrenzprodukt Levitra von Bayer und GSK wird ein Umsatzpotenzial von mehr als einer Milliarde Euro im Jahr zugetraut. Dazu kommen die hohen Wachstumsraten, die einzelne Präparate erzielen können. Das als Faltenglätter für die Augen und Gesichtspartien eingesetzte Botulinum-Toxin Botox der US-Firma Allergan etwa konnte seinen Umsatz in den ersten neun Monaten 2002 um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigern.

 

Auch günstige Präparate kommen

In Zukunft wird zwar eine Reihe von Life-Style-Medikamenten ihren Patentschutz verlieren und damit günstigere Nachahmer auf den Markt dringen lassen. Nach Schätzung der Deutsche Bank Research wird dies aber auch dazu beitragen, zusätzliche Nachfrage anzuregen.

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